Die Wissenschaftler am Uniklinikum Erlangen haben nun konkret entschlüsselt, warum bis zu 30 Prozent der Schuppenflechte-Patienten auch an Gelenksentzündungen, der sogenannten Psoriasis-Arthritis, erkranken. Nach Angaben der Universität war bislang ungeklärt, wie es dazu kommt. Ihre Entdeckung ermöglicht auch einen neuen Behandlungsansatz.
Ablauf der Entzündung entschlüsselt
Menschen, die Schuppenflechte haben, erkranken häufig auch an Arthritis – und zwar dann, wenn die Schutzfunktion ihrer Bindegewebszellen nicht richtig funktioniert. Patienten mit intakten Bindegewebszellen erkranken nicht. "Bei Menschen, die eine Psoriasis-Arthritis entwickeln, ist diese Schutzfunktion der Bindegewebszellen deutlich reduziert", sagt Prof. Dr. Andreas Ramming, Teamleiter und stellvertretender Klinikdirektor der Medizinischen Klinik 3. "Die Folge ist, dass die eingewanderten Entzündungszellen nicht kontrolliert werden und dadurch eine Entzündungsreaktion im Gelenk auslösen." Dieser Unterschied war laut Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bislang nicht bekannt.
Neuer Behandlungsansatz entdeckt
Demnach wandern bei Schuppenflechte-Patienten Zellen von der entzündeten Haut bis in die Gelenke. Es handelt sich um spezielle Vorläuferzellen des Immunsystems. Im Blut können diese Zellen nachgewiesen werden. Und da könnte künftig auch die Behandlung ansetzen: Die Mediziner könnten die Wanderung der Zellen als eine Art Frühwarnsystem nutzen und reagieren, bevor eine Gelenkentzündung entsteht. Die Wanderung der Zellen durch das Blut bis zum Gelenk soll bestenfalls verhindert werden. So müssten Schuppenflechte-Patienten nicht noch zusätzlich unter Arthritis leiden. Damit wäre ein weiteres Problem ausgeschaltet. Unbehandelt kann die Arthritis zu dauerhaften Knochen- und Gelenkschädigungen führen.
Rund 600.000 Betroffene
Laut Deutscher Rheuma-Liga leben etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland mit einer Schuppenflechte. Ein Drittel leidet ebenfalls unter entzündlichen Gelenkerkrankungen. Meist trete die Arthritis im Alter zwischen 35 und 55 Jahren auf, nach jahrelangem Kampf mit der Hauterkrankung. Die Symptome ähneln der rheumatoiden Arthritis: Die Gelenke sind morgens zunächst steif und schmerzhaft angeschwollen. Dabei können sowohl die kleinen Gelenke an Händen und Füßen als auch große Gelenke wie das Knie oder auch die Wirbelsäule betroffen sein. Zu den konventionellen Behandlungsmethoden gehören Medikamente und Physiotherapie.
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