Technische Probleme und mangelnde Nachfrage machten den Eurofighter zum Auslaufmodell. Das hat sich nun komplett verändert: Jetzt erhält das Unternehmen Airbus Milliarden-Aufträge.
Qualität und Präzision
Unzählige Kabel hängen aus einem großen Bauteil heraus. Mit einer Taschenlampe leuchtet ein Mitarbeiter ins Innere. Dann steckt er ein Kabel fest – es wird später einmal die Triebwerke ansteuern. In Manching wird das Rumpfmittelteil des Kampfjets produziert.
Auf der anderen Seite der großen Produktionshalle sind verschiedene Stationen mit den jeweiligen Produktionsschritten aufgebaut. Zwei Mitarbeiter sitzen auf einer Hebebühne und drehen Schrauben am Heck des zukünftigen Flugzeugs ein. Ab und zu hört man ein Piepen von einer Station, an der Bauteile auf ihre Form überprüft werden. Qualität ist wichtig. Die Produktion wird jetzt deutlich hochgefahren.
Bestellungen aus Italien, Deutschland und der Türkei
Der Eurofighter ist ein europäisches Gemeinschaftsprojekt von Deutschland, Spanien, Italien und dem Vereinigten Königreich. Jedes Land steuert einen Teil des Fliegers bei – Italien beispielsweise eine Tragfläche, Deutschland das Rumpfmittelteil. Außerdem erfolgt die Endmontage der jeweiligen Flieger im jeweiligen Land.
Derzeit werden in Manching die 38 deutschen Maschinen endgefertigt. Die Bundesregierung hatte sie bereits 2020 in Auftrag gegeben. Im Oktober hat sie weitere 20 Eurofighter bestellt. Dazu kommen Bestellungen aus Italien und der Türkei. Deshalb wird im Werk in Manching aufgerüstet – die Produktion läuft.
Allein in den vergangenen zwölf Monaten sind 89 Bestellungen eingegangen – so viele wie lange nicht. "Wir fahren jetzt langsam hoch, das deckt sich alles mit den Auslieferungszahlen der Flugzeuge. Jedes Land, das jetzt bestellt hat, möchte seine Flugzeuge zu einem bestimmten Zeitpunkt. Deswegen haben wir auch einen gewissen Peak in den nächsten Jahren", meint Andreas Hammer, Eurofighter-Programmchef bei Airbus.
Hauptgrund für Bestellungsboom: veränderte geopolitische Lage
Hauptgrund sei die veränderte geopolitische Lage, sagt Sicherheitsexperte Nico Lange: "Es ist ein erprobtes Flugzeug in großen Stückzahlen von einem leistungsfähigen Unternehmen, das auch über Jahre und Jahrzehnte Unterstützung leisten kann. Und der Eurofighter wird ständig weiterentwickelt. Das ist, glaube ich, auch eine wichtige Perspektive."
Bei Airbus heißt es, die vielen Bestellungen seien ein "gesunder Druck" und man freue sich über die gute Nachfrage. Derzeit werden an den jeweiligen Stationen gleichzeitig 14 Rumpfmittelteile gefertigt, in drei Jahren sollen es 25 sein. Zu Beginn des Eurofighter-Programms Anfang der 2000er Jahre waren es sogar schon 50. Dafür braucht es allerdings mehr Personal.
Im Video: BR24 vor Ort: Arbeitsboom dank Eurofighter - ein Blick hinter die Werkstore
Spezielle Fachkräfte gefragt
Das heißt: Es braucht speziell geschultes Fachpersonal. Das sei derzeit die größte Herausforderung, sagt Produktionsleiter Gerold Becker. "Am einfachsten ist es natürlich, wenn man Personal bekommt, das bereits eine Ausbildung im Bereich Luftfahrt hat." Aber auch artverwandte Berufe wie Mechaniker, Elektroniker oder Metallbauer seien gefragt. Die Mitarbeiter durchlaufen anschließend ein 18-monatiges Aus- und Weiterbildungsprogramm, bevor sie eigenverantwortlich am Flieger arbeiten.
Prinzipiell sehe die Lage auf dem Arbeitsmarkt gut aus; man sei als guter Arbeitgeber in der Region bekannt. Auch aus der derzeit schwächelnden Autoindustrie wechselten Mitarbeiter.
Weitere Bestellungen?
Die Rüstungsbranche hat Fahrt aufgenommen – Stichwort Zeitenwende. Sicherheitsexperte Nico Lange sieht aktuell einen steigenden Bedarf an weiteren Flugzeugen für Deutschland: "Wir brauchen mehr davon. Das ist das Flugzeug, auf das wir setzen."
Eurofighter im Einsatz
In Deutschland unterstützen Eurofighter-Piloten die Sicherung der Ostflanke der NATO im Baltikum – sie sichern also den NATO-Luftraum mit ab. Außerdem sind sie elementar für die Luftverteidigung in Deutschland. Die Eurofighter bilden die sogenannte Alarmrotte der Luftwaffe: Kampfjets, die 24/7 einsatzbereit sind und innerhalb von 15 Minuten starten, um unbekannte oder nicht reagierende Flugobjekte im deutschen Luftraum zu identifizieren und bei Bedarf abzufangen.
Derzeit hat die Bundeswehr 138 Eurofighter im Einsatz. Die 38 Maschinen, die aktuell in der Endmontage in Manching sind, werden die Eurofighter der ersten Generation ersetzen. Man geht davon aus, dass die Jets bis 2060 im Einsatz sein werden.
Dieser Artikel ist erstmals am 8. Januar 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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