Ob Kosmetik, Outdoorjacken, beschichtete Pfannen, Wärmepumpen oder Batterien – in vielen Alltagsgegenständen sind PFAS nicht mehr wegzudenken. Seit Jahrzehnten gelten per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, die kurz PFAS genannt werden, als Wundermittel für die Industrie. Doch sie verschmutzen nicht nur Gewässer und Böden, sondern können sich auch in Menschen und Tieren anreichern. Experten warnen vor Folgen wie verringerter Fruchtbarkeit, höheren Cholesterinwerten und erhöhter Krebsgefahr. SPD und Grüne fordern von der Staatsregierung eine Strategie im Umgang mit den Chemikalien.
Friedberger Ach bekommt PFAS "nicht mehr los"
Friedbergs Bürgermeister Roland Eichmann von der SPD wirft einen sorgenvollen Blick auf die Friedberger Ach. Das Gewässer ist mit PFAS belastet. Die Ursache: Vermutlich gelangten PFAS ins Gewässer durch frühere Feuerlöschübungen am ehemaligen Militärflugplatz Penzing. Das Problem bei PFAS: Sie bauen sich kaum ab und reichern sich in Böden und im Wasser an, so auch in der Friedberger Ach. Das Zeug sei wie Kaugummi, sagt Bürgermeister Eichmann: "Das Zeug bekommst du nicht mehr los."
Im Audio: PFAS sind allgegenwärtig - was Grüne und SPD fordern
Symbolbild: PFAS - Gefahr (nicht nur) fürs Trinkwasser
Kommune Friedberg bleibt auf den Kosten sitzen
Friedberg hat etwa 30.000 Einwohner und liegt östlich von Augsburg. Für viele Millionen Euro habe sich die Stadt ein Erdaushublager aus Beton hinstellen lassen, sagt der Bürgermeister: "Wenn ich aber Gewässersedimente aus der Ach da einlagere, dann habe ich in meinen Betonhallen über Jahrzehnte in den Proben PFAS drin und wenn sie PFAS in ihren Proben haben beim Entsorgen, dann nimmt ihnen das keine Deponie ab." Die Kosten könne eine Kommune aber nicht allein stemmen - letztendlich bleibe seiner Kommune nur noch die Klage gegen den Freistaat, sagt Eichmann.
Bürgermeister: "Der Freistaat lässt uns allein!"
Der Freistaat habe Friedberg bisher allein gelassen, klagt Bürgermeister Eichmann: "Wir diskutieren dieses Thema seit fünf, sechs Jahren. Wir brauchen endlich Impulse von der Landesebene, wie wir mit diesen Problemen umgehen." Im Bayerischen Umweltministerium ist das Problem bekannt, doch viel sei nicht geschehen, sagt Friedbergs Bürgermeister.
Dabei ist die Friedberger Ach kein Einzelfall. Altötting, Manching, Grafenwöhr, Burgkirchen und Friedberg – in Bayern sind inzwischen zahlreiche Regionen stark mit PFAS belastet. Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat die Gewässer in Bayern schon vor Jahren untersucht und an 16 von 545 Messstellen deutlich erhöhte PFAS-Konzentrationen festgestellt.
Im Video: PFAS in Bayern
"Abendschau": PFAS in Bayern
SPD will bayerischen Sanierungs- und Unterstützungsfonds
Die Staatsregierung habe keinen Plan, wie es beim Thema PFAS weitergehe, sagt die umweltpolitische Sprecherin der SPD im Landtag Anna Rasehorn: "Wir fordern als SPD einen bayerischen Sanierungs- und Unterstützungsfonds." Es müsse Geld für Sofortmaßnahmen geben, zum Beispiel für die Trinkwasseraufbereitung und zugleich müsse man den Landratsämtern helfen, ihre Ansprüche gegenüber den Verursachern durchzusetzen, betont die umweltpolitische Sprecherin der SPD.
Laut SPD werden PFAS zu einem wachsenden Umwelt- aber auch Gesundheitsproblem. Bayern könne die Sanierung vor Ort organisieren, aber die Regulierung entscheide sich in Brüssel und Berlin, betont SPD-Landeschef Sebastian Roloff. Dort brauche es eine PFAS-Regulierung mit Augenmaß: "Klare Verbote, wo es Alternativen gibt, verlässliche Übergangsfristen, wo es sie noch nicht gibt - und eine Chemieindustrie, die in Europa bleibt, statt dass wir am Ende alles aus Asien importieren", so der SPD-Politiker.
Grüne sehen "Lücken beim Umgang mit PFAS in Bayern"
Laut den Grünen im Bayerischen Landtag ist nicht bekannt, welche PFAS-haltigen Pflanzenschutzmittel tatsächlich auf bayerischen Feldern eingesetzt werden. Auch sei es eine große Gefahr, dass es im Freistaat aktuell keine validen Daten zur PFAS-Belastung gebe, sagt Laura Weber, Fraktionssprecherin für Verbraucherschutz der Grünen. "Besonders absurd" sei es, so Weber, wenn die CSU gleichzeitig in Europa daran arbeite, die geplanten Regeln mit vielen Ausnahmen zu versehen.
Umweltministerium: "Nehmen das Thema PFAS sehr ernst!"
Auf mehrmalige BR24-Anfrage schreibt das Umweltministerium: "Die Staatsregierung nimmt das Thema PFAS und die Anliegen der Bürger und der Verantwortlichen sehr ernst und hat dazu bereits vielfältige Maßnahmen ergriffen." Laut Umweltministerium werden PFAS-Untersuchungen in Bayern bereits seit 2006 durchgeführt. Zudem habe Bayern als erstes Bundesland 2019 eine strategische Koordinierungsstelle zum Thema PFAS eingerichtet, so das bayerische Umweltministerium auf BR24-Anfrage.
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