Für Urlauber ist es eine beliebte Route nach Italien: bis zu 30.000 Fahrzeuge sind nach offiziellen Angaben an Spitzentagen auf dem Fernpass ab dem deutsch-österreichischen Grenztunnel bei Füssen Richtung Süden unterwegs. Mit ihrer Blockade ausgerechnet zum Ferienstart in Bayern und Baden-Württemberg wollten die Anwohner entsprechend Druck auf die Politik machen.
Rund 1.000 Teilnehmer haben laut der österreichischen Polizei friedlich auf der Nord-Süd-Transitroute gegen Ausbaupläne der Tiroler Landesregierung demonstriert. Die Strecke war am Vormittag für mehr als zwei Stunden gesperrt. Ganz ohne Stau ging die Aktion zwar nicht vorüber, das große Verkehrschaos blieb aber aus.
Anwohner wehren sich gegen Ausbaupläne
Zwei Bürgerinitiativen aus den Bezirken Reutte und Imst hatten zu den Blockaden aufgerufen. Mit der Aktion wollten Anrainer auf die hohe Verkehrsbelastung in der Region aufmerksam machen und gegen das sogenannte Fernpass-Paket der Tiroler Landesregierung demonstrieren. Das Paket sieht unter anderem den Bau eines neuen Fernpasstunnels sowie einer zweiten Röhre für den Lermooser Tunnel vor.
Familie: "Leiden unter Dauerstau"
Die Sorge der Anwohner: Mit dem geplanten Ausbau komme noch mehr Verkehr. Dabei litten sie, wie eine Familie aus Reutte bei einer Kundgebung schilderte, bereits jetzt unter "Dauerstau". Sie selbst würden im Alltag oft nur verspätet oder gar nicht zum Arzt oder in die Schule kommen. Die Tiroler Landesregierung erhofft sich im Gegenteil, Verkehrssicherheit und Verkehrsfluss würden durch das geplante Fernpass-Paket verbessert und Stau- und Belastungsstellen reduziert werden.
Kritik an Mautplänen
Ein weiterer Kritikpunkt der Ausbaugegner: Eine geplante Maut von 14 Euro für den Fernpass. Vorschläge wie ein von der Landesregierung finanzierter Einkaufsgutschein könne diese Kosten nicht ausgleichen. Kritiker befürchten, der Bezirk Reutte werde durch die Maut mehr als bisher vom Raum Imst/Innsbruck abgeschnitten.
Staus an Grenztunnel bleiben aus
Bereits Ende Juni hatte eine ähnliche Protestaktion stattgefunden. Damals hatten rund 700 Menschen den Fernpass ebenfalls für zwei Stunden blockiert. Das befürchtete Verkehrschaos war auch damals ausgeblieben. Ein Sprecher des für das Allgäu zuständigen Polizeipräsidiums machte unter anderem die gute Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld der Aktion dafür verantwortlich. Behörden hatten vor möglichen Rückstaus im Grenztunnel und auf der A7 bei Füssen gewarnt und an Urlauber appelliert, die Route zu meiden.
Wer das nicht mitbekommen hatte und doch auf die Öffnung des Fernpasses wartete, nahm es teilweise gelassen: Einige im Auto wartende Urlauber rätselten über den Anlass. Achselzuckend sagten Reisende aus Norddeutschland oder den Niederlanden: "Wir sind ja im Urlaub, wir haben Zeit."
Klage vor Verwaltungsgericht
Eine weitere Blockade ist aktuell nicht geplant. Proteste organisieren wollen Vertreter der Bürgerinitiative aber weiterhin. Außerdem haben Ausbaugegner inzwischen auch eine Beschwerde vor dem zuständigen Verwaltungsgericht eingelegt. Dabei geht es um die Aufspaltung des Fernpass-Ausbaus in mehrere Einzelprojekte. Sie sehen darin den Versuch, geforderte Umweltverträglichkeitsprüfungen zu umgehen.
Im Video: Demo am Fernpass in Tirol
Demo am Fernpass in Tirol
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