Rückzieher nach heftiger internationaler Kritik: Der Fußball-Weltverband FIFA hat seine umstrittenen Pläne zum Verkauf von WM-Anteilen an Investoren gestoppt. "Unser Ziel war es schon immer – und wird es auch immer bleiben –, den Sport zu vereinen und zu verbessern", erklärte FIFA-Präsident Gianni Infantino am Freitag. "Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt."
Es sei seine Absicht, alle interessierten Parteien in den kommenden Tagen und Wochen "im Geiste des gemeinsamen Interesses an unserem Sport wieder zusammenzubringen, mit dem Ziel, den Fußball überall weiter voranzubringen, insbesondere in jenen Ländern, die unsere Unterstützung am dringendsten benötigen". Unter anderem der FC Bayern hatte die Pläne scharf kritisiert.
Investoren-Pläne: Zunächst hielt FIFA noch an Idee fest
"Nachdem ich mir alle Standpunkte aufmerksam angehört habe, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat", schrieb Infantino. Diese liegen demnach "unabhängig vom Umfang der Unterstützung nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels".
Kurz zuvor hatte die FIFA noch an ihren Plänen festgehalten und lediglich erklärt, sie habe die Kritik unter anderem des europäischen Fußball-Dachverbands UEFA zur Kenntnis genommen. Der geplante Konsultationsprozess sei "durch falsche Medienberichte gestört" worden, hieß es noch am Freitag in einer Stellungnahme. Die "Konsultationen" dazu würden fortgesetzt.
Das hatte der FIFA-Boss versprochen
Infantinos Pläne sahen vor, eine neue Tochtergesellschaft zu gründen, die FIFA-Forward Enterprise (FFE), die künftig die Rechte an der Austragung von Turnieren wie der WM und der Club-WM halten soll. Investoren sollten Minderheitenrechte an dem Konzern erwerben können. Allein in diesem Jahr hätte das 4,2 Milliarden Dollar (3,7 Milliarden Euro) in die Kassen spülen sollen.
Infantino hatte allen 221 FIFA-Mitgliedern eine Einmalzahlung in Höhe von 20 Millionen Dollar (umgerechnet 17 Millionen Euro) sowie weitere Fördermittel in Aussicht gestellt – allerdings nur, wenn die Verbände seine Pläne absegnen. Laut Berichten setzte der Weltverband dafür eine Frist bis zum 19. September. All das ist nun vom Tisch.
UEFA drohte mit WM-Boykott
Mehrere Fußball-Dachverbände hatten Infantinos Pläne heftig kritisiert. Die UEFA drohte der FIFA mit einem WM-Boykott. "Keine Nationalmannschaften aus der UEFA werden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen", erklärte der europäische Fußball-Dachverband. Alle 55 europäischen Mitgliedsverbände lehnten den Vorschlag "unmissverständlich" ab.
Ablehnung kam auch von anderen Verbänden: Die Asiatische Fußballkonföderation erklärte, sie sei "enttäuscht" darüber, zu den FIFA-Plänen nicht konsultiert worden zu sein. Die CONCACAF, der Dachverband des nord- und mittelamerikanischen Fußballs, zeigte sich "zutiefst besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens". Der südamerikanische Fußballverband CONMEBOL bezog dagegen zunächst keine inhaltliche Position. Stattdessen kündigte der Kontinentalverband an, die Pläne weiter zu prüfen und forderte zusätzliche Informationen von der FIFA an.
Auch Kritik von FIFA-Funktionären
FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour warf Infantino vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben. Ein herber Rückschlag für Infantino selbst war der Rücktritt seines führenden Beraters Carlos Cordeiro. Dieser bezeichnete den Vorschlag als "ein schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft des Sports".
Investor aus Trumps Familienumfeld
Mögliche FFE-Investoren waren bereits genannt worden, etwa Thrive Capital, eine Investmentgesellschaft von Joshua Kushner – er ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump.
Ex-FIFA-Chef Sepp Blatter erklärte dazu: "Die enge Beziehung zwischen dem FIFA-Präsidenten und dem US-Präsidenten hat eine finanzielle Dimension angenommen, die dem Fußball erheblichen Schaden zufügt. Niemand hat das Recht, unseren Sport zu verkaufen."
Mit Informationen von dpa und AFP
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