Fernwärmeleitungen auf Baustelle in Hof
Fernwärmeleitungen auf Baustelle in Hof
Bild
Die Hofer Stadtwerke investieren Millionen, um Fernwärmeleitungen in die Altstadt zu verlegen. Das treibt den Fernwärmepreis nach oben.
Bildrechte: Stadtwerke Hof
Schlagwörter
Bildrechte: Stadtwerke Hof
Audiobeitrag

Die Hofer Stadtwerke investieren Millionen, um Fernwärmeleitungen in die Altstadt zu verlegen. Das treibt den Fernwärmepreis nach oben.

Aktualisiert am
Audiobeitrag
Erschien zuerst am
>

Wo in Bayern Fernwärme teuer ist, wo günstig – und warum

Wo in Bayern Fernwärme teuer ist, wo günstig – und warum

Viele Städte bauen die Fernwärme aus. Sie soll eine Alternative zur fossilen Gasheizung bieten, vor allem in dicht bebauten Gebieten. Doch mancherorts ist Fernwärme besonders teuer. Woran das liegt – und was man tun kann.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Bayern am .

Die Hofer Innenstadt wurde vergangenes Jahr zur Großbaustelle, heuer geht es weiter. Die Stadtwerke bauen Fernwärmeleitungen Richtung Altstadt, um dort – wo es zu eng für Wärmepumpen ist - eine Alternative zur fossilen Heizung zu bieten. Doch die Erdarbeiten sind aufwendig: Jeder verlegte Meter kostet 3.000 Euro, eine Millioneninvestition. "Die ersten Jahre wird man garantiert draufzahlen", sagt der Geschäftsführer der Hofer Stadtwerke, Jean Petrahn, "aber über die Lebensperiode dieser Leitung müssen wir die Kosten über 30, 40 Jahre wieder reinbekommen."

Fernwärme verlangt hohe Anfangsinvestitionen

Dieses Problem hat Fernwärme überall: Hohe Anfangsinvestitionen für Leitungen müssen auf den Wärmepreis umgelegt werden. Die Fernwärmepreise sind in Bayern je nach Ort sehr unterschiedlich, zeigt die Preistransparenzplattform Fernwärme [externer Link]. In Hof, Würzburg oder Aschaffenburg war der Preis Stand Dezember teils mehr als doppelt so hoch wie in den günstigsten Städten Schwandorf, Aichach und Ingolstadt.

Bildrechte: BR
Bildbeitrag

Die teuersten und die günstigsten Fernwärmenetze in Bayern (Stand 1. Dezember 2025), zum Vergleich auch die beiden größten bayerischen Städte.

Billige Abwärme dämpft den Preis

Für solche Preisunterschiede gibt es durchaus Gründe: Wo billige Abwärme zur Verfügung steht, wie bei der Schwandorfer Müllverbrennung oder einer Ingolstädter Raffinerie, drückt das die Kosten. Aichach verbrennt Restholz der örtlichen Waldbesitzervereinigung in einem Biomasse-Heizkraftwerk. Dicht bebaute Gebiete können günstiger erschlossen werden, weil es pro Abnehmer weniger Leitungen braucht. Wo es die Fernwärme schon lange gibt, ist ein Teil der Leitungen bereits finanziell abgeschrieben, auch das dämpft den Preis.

Warten auf mehr Verbraucherschutz

Um solche Dinge transparenter zu machen, fordern Verbraucherschützer bei Fernwärme mehr Rechte für die Kunden, so Florian Munder vom Verbraucherzentrale Bundesverband: "Auch eine Preisaufsicht, die dafür sorgt, dass tatsächlich nur solche Preise verlangt werden, die auch gerechtfertigt sind."

Die Ampelregierung hatte eine neue Fernwärmeverordnung mit mehr Verbraucherschutz geplant, konnte die aber vor dem Bruch der Koalition nicht mehr verabschieden. Das CDU-geführte Bundeswirtschaftsministerium betont jetzt auf BR-Anfrage, man müsse neben den Interessen der Verbraucher auch die der Unternehmen beachten. Eine Novelle der Fernwärmeverordnung sei weiterhin geplant, doch einen Zeitpunkt dafür nennt das Ministerium nicht.

Ist Fernwärme zu teuer, schließt sich niemand an

Die Hofer Stadtwerke stehen wegen ihrer hohen Fernwärmepreise in der Kritik. Die Baugenossenschaft Hof, einer der größten Immobilienbesitzer der Stadt, hat in der Vergangenheit schon 723 Wohnungen an die Fernwärme angeschlossen. Ließ jetzt jedoch verlauten, dass das bei den heutigen Preisen künftig schwierig werde. Ein aktuell in Sanierung befindlicher Genossenschaftsblock bekommt eine Pelletheizung statt eines Fernwärmeanschlusses.

Hof reagiert auf Druck und senkt den Preis

Dieser Druck hat gewirkt. Zum Januar haben die Hofer Stadtwerke ihren Fernwärmepreis um knapp zehn Prozent gesenkt. Das ist nun laut Geschäftsführer Petrahn der Selbstkostenpreis. Billiger gehe es nicht, die Fernwärme zu subventionieren könne sich die Stadt Hof nicht leisten.

Mehr Geld vom Bund ist ebenfalls nicht zu erwarten. Die schwarz-rote Bundesregierung hat den Etat für Investitionszuschüsse an Fernwärmenetze zwar in das milliardenschwere "Sondervermögen" verschoben, aber kaum angehoben.

Weg vom Erdgas spart CO2-Abgabe

Bleibt als wichtige Variable des Fernwärmepreises noch die Energiequelle. In Hof stammt die Wärme bisher noch ausschließlich aus Blockheizkraftwerken, die Erdgas verbrennen. Nächstes oder übernächstes Jahr wollen die Stadtwerke das erste davon durch eine Großwärmepumpe ersetzen. Damit kann sich die Fernwärme dann immerhin zunehmend vom CO2-Preis abkoppeln. Der soll in den kommenden Jahren steigen und das Heizen mit fossilem Öl- und Gas verteuern. Dann könnte der Preisvergleich für die Fernwärme auch in Hof vielleicht günstiger ausfallen.

Im Video: So beliebt ist Fernwärme

Fernwärme soll in Deutschland stark ausgebaut werden,
Bildrechte: Bayerischer Rundfunk 2026
Videobeitrag

Fernwärme soll in Deutschland stark ausgebaut werden,

Dieser Artikel ist erstmals am 16. Januar 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!