Die Ehrung fand am Mittwoch in der Porzellan Manufaktur Nymphenburg in Schloss Nymphenburg in München statt: Luitpold Prinz von Bayern überreichte dem Geehrten Yossi Beilin im Namen des Potsdamer Instituts für Kulturdiplomatie eine stilisierte Friedenstaube in Nymphenburger Porzellan.
Hoffnung auf Frieden in Nahost
In Syrien seien die neuen Machthaber bereit zu Friedensgesprächen, im Libanon ginge die Regierung auf Israel zu und für den Gazastreifen gäbe es einen 20-Punkteplan der US-Regierung. Der, so Yossi Beilin, hätte inhaltliche Mängel, aber trotzdem: Alle Seiten hätten zugestimmt und das sei doch ein wichtiger Erfolg!
Mit solchen optimistischen Aussagen verblüffte Yossi Beilin die Zuhörer bei seiner Dankesrede. "Ich kenne Yossi Beilin schon lang und er verblüfft mich immer wieder mit neuen Sichtweisen, die meist Anlass zu Hoffnung geben", sagte etwa Mark Donfried, der Organisator des Hohenschwangau Forums, in dessen Rahmen Yossi Beilin geehrt wurde. Das Hohenschwangau Forum (externer Link) ist nach eigenen Angaben eine neu gegründete Plattform für den Dialog über Wirtschaft, Führung, Diplomatie und Frieden.
Architekt des Oslo-Prozesses
Mit dem sogenannten Oslo-Abkommen wird Yossi Beilin besonders in Verbindung gebracht. Das Abkommen war Resultat der Verhandlungen von Vertretern der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und der israelischen Regierung in den Jahren 1992 und 1993. Yossi Beilin trieb die Verhandlungen als stellvertretender Außenminister im Kabinett des israelischen Regierungschefs Jitzchak Rabin voran.
Unter Beteiligung der Amerikaner und des damaligen Präsidenten Bill Clinton kam es schließlich zu mehreren Vereinbarungen zwischen Palästinensern und Israelis. Die führten zur palästinensischen Selbstverwaltung von Teilen des Gazastreifens und des Westjordanlandes. Vor allem von Befürwortern der sogenannten Zweistaatenlösung wird der Oslo-Prozess als ein Schritt in die richtige Richtung und als Zeichen der Hoffnung gesehen. Yossi Beilins Kritiker, darunter die aktuelle israelische Regierung, sehen im Oslo-Prozess den Beginn von weiterem palästinensischen Terror.
Beilin hält Aussöhnung weiterhin für möglich
Eine Aussöhnung von Palästinensern und Israelis sei möglich, sagte Yossi Beilin. Diese Hoffnung ist im heutigen Israel weniger verbreitet, insbesondere nach dem Überfall von Palästinensern auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem über 1.200, vorwiegend jüdische Israelis getötet und 239 verschleppt wurden. Ähnlich die Haltung auf palästinensischer Seite. Besonders seitdem die israelische Armee als Reaktion auf die Terroranschläge vom 7. Oktober in den Gazastreifen einmarschiert ist. Im Folgenden wurden nach UN-Angaben mehr als 70.000 Menschen getötet, und immer weniger Palästinenser sehen die Chance auf Frieden und Aussöhnung.
Dass er weiterhin Hoffnung habe, begründet Yossi Beilin so: Er könne heute nach München reisen, und Deutschland sei einer der engsten Freunde Israels. Wenn das nach dem Holocaust möglich ist, dann sei alles möglich.
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