Wenn die 12-jährige Anna mit den anderen D-Juniorinnen des FC Teutonia in München an die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer denkt, kommt vor allem Vorfreude auf. Sie alle wollen das deutsche Team anfeuern – vielleicht sogar ihre Spiele sehen.
Sowieso können sie ihre Fußball-Idole gerade an vielen Stellen bewundern. Unter anderem auf den Verpackungen verschiedener Süßigkeiten der Marke Ferrero. "Ich finde es cool. Dann hat man auch das Verlangen, das zu kaufen, weil da einfach so Fußballspieler drauf sind, die man mag", sagt Anna.
Sammelaktion von Ferrero: Fan-Artikel für Süßigkeiten
Der Süßigkeiten-Hersteller: Ferrero hat sogar eine zusätzliche Aktion ausgelobt: Auf den Verpackungen der Ferrero-Süßigkeiten sind Sammelpunkte. Die Preise reichen von Fußballsocken über Fußbälle bis hin zu ganzen Trikots.
Doch der Weg zu den Fan-Artikeln ist lang: 65 Sammelpunkte braucht es, um etwa ein exklusives Fan-Shirt zu erhalten. Um die benötigten Punkte zusammenzubekommen, muss man 33 Packungen Ferrero-Schokoriegel kaufen: Duplo, Hanuta, Kinderriegel, Happy Hippo oder etwa Kinder-Country. "Natürlich muss man dann auch noch genauso viel essen. Das ist schon etwas viel", findet Anna.
Verbraucherzentrale kritisiert Marketing von DFB und Ferrero
Damit steht sie nicht alleine da. Daniela Krehl ist Ernährungsberaterin der Verbraucherzentrale Bayern und sieht die Marketingstrategie kritisch: "Um überhaupt einen Fußball zu bekommen, muss man kiloweise Schokolade kaufen, und wenn das erst mal im Kinderzimmer landet, dann wird das auch konsumiert."
Sie hat nachgerechnet: Will jemand ein Fußball-Shirt erhalten, braucht es 325 Duplo-Riegel. In dieser Menge Riegel stecken circa 1,9 Kilogramm Fett und etwa 2,9 Kilogramm Zucker. Krehl kritisiert weiterhin: "Die Lebensmittelindustrie arbeitet schon seit Jahren dagegen, dass es klare gesetzliche Regelungen gibt, was die Werbung angeht, was die Nährstoffe angeht."
Ferrero-Pressestelle antwortet ausweichend
Doch wie steht Ferrero zu der Kritik? Die Pressestelle des Unternehmens antwortet auf Kontrovers-Anfrage:
"Bei unserer Sammelaktion […] sind die Sammelpunkte auf sehr vielen verschiedenen Produkten zu finden, wodurch Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Aktion eine gewisse Auswahl haben. […] Unserer Erfahrung nach nehmen Fans außerdem oft zusammen mit Familienmitgliedern […] oder anderen Personen an der Aktion teil und sammeln gemeinsam." E-Mail der Pressestelle Ferrero Deutschland vom 3.6.2026
DFB und Ferrero: Umsatz auf Kosten von Kindergesundheit?
Der Deutsche Fußball-Bund DFB unterstützt die Sammelaktion von Ferrero und ist samt Logo auf den Packungen der Riegel vertreten. Zeitgleich verpflichtet sich der DFB laut eigener Satzung in § 4 zur "[…] Förderung gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung als gesundheitliche Prävention […]".
Wie passt das mit den Bildern von Nationalspielern auf Süßigkeitenpackungen zusammen?
Sowohl der DFB als auch die deutsche Nationalmannschaft lassen die Kontrovers-Nachfrage unbeantwortet. Wird hier Umsatz auf Kosten von Kindergesundheit gemacht? Dass diese Marketingstrategie bei Kindern zumindest Aufmerksamkeit erregt, zeigt etwa das Beispiel der D-Juniorinnen des FC Teutonia.
Immer mehr Kinder mit Adipositas
Dabei belegen Studien schon lange, dass Adipositas in Deutschland meist bereits im Kindesalter beginnt. Während der Anteil übergewichtiger elfjähriger Mädchen in Deutschland in den vergangenen Jahren von 12 auf 17 Prozent stieg, gab es bei den gleichaltrigen Jungs sogar einen Anstieg von 19 auf 26 Prozent.
"Brauchen hier gesetzliche Vorgaben"
Ernährungsberaterin Daniela Krehl findet vor diesem Hintergrund: Die Sammelaktion mit Süßigkeiten ist nicht mehr zeitgemäß. Sie hofft auf die Zuckersteuer und klare Werbeverbote: "Wir brauchen hier gesetzliche Vorgaben, damit die Kinder in einem werbefreien Umfeld aufwachsen, zumindest gegenüber ungesunden Lebensmitteln."
Immerhin: Die Nachwuchsfußballerinnen aus München werden der Sammelwut nach Punkten wohl nicht verfallen. Anna sagt, sie möge Schokolade "eh nicht so gerne". Paula findet: "Klar ist das cool, dass man das Trikot gewinnt, aber es ist halt schon etwas Geldmacherei."
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