Auf dem Boden in der Erlanger Innenstadt steht "STOP GAS"
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Am Freitag haben 100 Personen an einer Kundgebung von Fridays for Future in Erlangen teilgenommen.
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Am Freitag haben 100 Personen an einer Kundgebung von Fridays for Future in Erlangen teilgenommen.

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Gegen Gas: Fridays for Future protestiert in ganz Bayern

Gegen Gas: Fridays for Future protestiert in ganz Bayern

Die Bundesregierung will deutschlandweit mehr Gaskraftwerke bauen. Umweltaktivisten kritisieren bei Demonstrationen in Erlangen und München die Pläne der Wirtschaftsministerin und zeigen sich unzufrieden mit dem heute beschlossenen Tankrabatt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

"Schluss mit dem Gaslighting", fordert Fridays for Future an diesem Freitag. Der Ausbau von Gaskraftwerken und die heute beschlossene Senkung der Energiesteuer stünden dem Klimaschutz im Weg, kritisieren die Aktivistinnen und Aktivisten. Außerdem stehen am bayernweiten "Gas-Aktionstag" Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und ihr bayerisches Pendant, Hubert Aiwanger (FW), in der Kritik.

Am Freitag wollte Fridays for Future deutschlandweit zehntausende Menschen auf die Straße bringen und "Widerstand gegen den Abriss der Energiewende" leisten. In Regensburg, Würzburg, Nürnberg, München und anderen Städten gab es Infostände, Kundgebungen und Musik.

Rund 400 Menschen haben nach Polizeiangaben an der Auftaktveranstaltung in München auf dem Odeonsplatz teilgenommen. Auf die Kundgebung folgte ein Demonstrationszug zur Bayerischen Staatskanzlei und zurück zum Odeonsplatz.

Kritik an Tankrabatt und Gas-Plänen

Tagesaktuelles Thema dabei: die Senkung der Energiesteuer, die die Bundesregierung am Freitagmittag beschlossen hatte. Die soll am 1. Mai starten, zwei Monate lang gelten und Autofahrerinnen und Autofahrer entlasten. Ob die 17 Cent tatsächlich bei den Endverbrauchern ankommen, hält Laurina Lennartz von Fridays for Future aus Erlangen aber für fraglich. Schließlich seien die Vielfahrer eher diejenigen mit höheren Einkommen. Außerdem sagt sie am Rande der Kundgebung: "Der Tankrabatt fördert die Ölkonzerne. Mit unseren Steuergeldern."

Ronja Hofmann von Fridays for Future in München erklärte im Gespräch mit dem BR, man sei auf der Straße, weil die Blockade in der Straße von Hormus deutlich mache, in was für Kostenfallen, Abhängigkeiten und Sicherheitsrisiken fossile Energien führten.

Die fossilen Pläne der Bundesregierung sind der Überbau der bundesweiten Demonstrationen. Lennartz kritisiert: "Anstatt den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben, bremst die Wirtschaftsministerin ihn aus und subventioniert fossile Energien. Dagegen müssen wir uns wehren!".

Bundesregierung plant mehr Gaskraftwerke

Rote Tücher, die in der Erlanger Innenstadt auf dem Boden liegen, formen die Worte "STOP GAS". Damit protestiert Fridays for Future gegen den Plan der Regierungskoalition, neue Gaskraftwerke zu bauen. Die sollen laut Bundesregierung im Zuge des Kohleausstiegs einspringen, wenn erneuerbare Energien den Strombedarf nicht decken – etwa wenn keine Sonne scheint und kein Wind weht.

In diesem Jahr will die Bundesregierung neue Kraftwerkskapazitäten mit einer Leistung von zwölf Gigawatt ausschreiben, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Geplant seien eine milliardenschwere staatliche Förderung sowie neue Bohrungen, neue Pipelines, Flüssigerdgas-Terminals und neue Kraftwerke in ganz Deutschland.

Mehr Gas für Bayern

Wie viele Gaskraftwerke in Bayern entstehen, ist noch nicht klar. Laut der Deutschen Umwelthilfe könnten es vier werden. Zudem könnte an drei Orten in Oberbayern gebohrt werden. Alleine die Gasbohrung in der Nähe des Ammersees würde laut Umwelthilfe eine Million Tonnen CO₂ freisetzen.

Bei Hubert Aiwanger hat der Ausbau laut Pressemitteilungen des Bayerischen Wirtschaftsministeriums oberste Priorität. In einer davon teilte der Wirtschaftsminister am Dienstag mit: "Wir brauchen diese Kraftwerke dringend für die Sicherheit der Energieversorgung", und erklärte: "Wir brauchen jetzt keine weiteren Glaubenskriege zwischen Erneuerbaren Energien mit Speicher einerseits und Gaskraftwerken andererseits, sondern wir brauchen beides."

Verschiedene Umweltverbände kritisieren die Gasausbaupläne der Bundesregierung hingegen und haben sich zu der Initiative "Gemeinsam gegen Gas" zusammengeschlossen. Die Initiative spricht von einem "massiven und intransparenten Ausbau fossiler Gasinfrastruktur" und moniert, dass die angestrebten Milliardensubventionen klimafreundliche Alternativen wie etwa Batterietechnologien benachteiligen würden.

Wird Fridays for Future wieder groß?

Zumindest in Erlangen sind am Freitag mehr Menschen zusammengekommen, als die Organisatoren gehofft hatten. Einer der Demonstranten ist Alessandro Di Fiore. Er war schon 2019 als Schüler bei den Freitags-Demos dabei und glaubt, dass die Bewegung nun wieder Fahrt aufnimmt. "Die Wut auf die Regierung wird größer", sagt er. Das motiviere viele in seinem Bekanntenkreis, aktiv zu werden. Auch Laurina Lennartz aus dem Organisationsteam sagt: "Die Nachrichtenlage zieht uns alle runter. Aber gerade auf den Demos merkt man, man ist nicht alleine. Und das motiviert." Fridays for Future wolle in nächster Zeit aktiver auf Social Media werden, um die Menschen zu mobilisieren.

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