In der Nähe von Trostberg im Landkreis Traunstein wollen die Projektinitiatoren der Erdwärme Alz GmbH rund vier Kilometer tief bohren, um heißes Thermalwasser zu fördern - und damit nicht nur die Stadt Trostberg, sondern auch die umliegenden Gemeinden versorgen. Bei einer Informationsveranstaltung am Dienstagnachmittag stellte die Projektgesellschaft und der Bürgermeister von Trostberg das Unterfangen vor.
Projektverantwortlicher: Region "hervorragend geeignet"
Mit einer angestrebten thermischen Leistung von über 50 Megawatt könnte die Anlage ab der Heizperiode 2029/30 in Betrieb sein und mehr als 40.000 Tonnen CO₂ jährlich einsparen, heißt es von der Projektgesellschaft. Der Projektverantwortliche Michael Braun betont, man befinde sich in einer geologisch "hervorragend geeigneten" Region. Die Nähe zur erfolgreichen Anlage in Traunreut stimme die Fachleute optimistisch, dass auch in Trostberg ausreichend heißes Wasser gefunden werde. Ziel sei es, die gesamte Region zuverlässig mit Wärme zu versorgen, so Braun.
Unterstützung aus dem Rathaus – mit Vorbehalten
Rückendeckung kommt aus dem Trostberger Rathaus. Bürgermeister Karl Schleid sagte, die Stadt habe sich intensiv beraten lassen und verschiedene Gutachten sowie eine kommunale Wärmeplanung zusammengeführt. Das Gesamtbild habe ihn überzeugt, den Weg Richtung Geothermie mitzugehen.
Schleid machte zugleich deutlich, warum der politische Wille so klar ist: Fossile Energieträger zu verbrennen, halte er langfristig für nicht mehr sinnvoll. Zudem seien die Preise für Öl und Gas für viele Bürgerinnen und Bürger kaum noch nachvollziehbar und stetig steigend. Von der Geothermie erhoffe man sich eine verlässlichere Preisgestaltung über einen längeren Zeitraum, so der Bürgermeister.
Teure Bohrungen, ungewisser Ausgang
Trotz aller Zuversicht bleibt das Projekt ein Wagnis. Der kritischste Punkt sind die Bohrungen selbst: Erst in mehr als 4.000 Metern Tiefe zeigt sich, ob Temperatur und Wassermenge tatsächlich ausreichen. Braun räumt ein, dass es sich um ein erhebliches unternehmerisches Risiko handle . "Vor der Hacke ist es immer dunkel", wie er es beschreibt. Dieses Risiko liege jedoch vollständig bei den Investoren, nicht bei der Kommune, unterstreicht Braun.
Der Zeitplan ist ambitioniert: Die Genehmigung des Hauptbetriebsplans wird für 2026 erwartet, der Bohrbeginn frühestens 2027. Verzögerungen oder Fehlschläge könnten das Projekt deutlich verteuern oder sogar stoppen.
Sorgen der Bürger: Grundwasser, Erdbeben, Preise
In der Bevölkerung gibt es immer wieder ähnliche Bedenken: Gefährdung des Grundwassers, mögliche Erdbeben oder ein Fernwärme-Monopol. Die Projektträger verweisen auf strenge gesetzliche Vorgaben und auf Erfahrungen aus über 100 Tiefengeothermie-Bohrungen in Bayern, bei denen es laut ihren Angaben zu keiner Grundwasserverunreinigung gekommen sei. Auch Bürgermeister Schleid sagt, diese Fragen müssten ernst genommen und sachlich beantwortet werden, um Akzeptanz zu schaffen.
Offen bleibt für viele allerdings, wie hoch die Fernwärmepreise am Ende tatsächlich sein werden und wie flexibel Verbraucher langfristig bleiben, wenn sie einmal angeschlossen sind. Zwar unterliegen Fernwärmepreise einer Regulierung, doch die Sorge vor steigenden Kosten lässt sich damit nicht vollständig ausräumen.
Klimaschutz mit Prüfauftrag
Das geplante Geothermie-Heizwerk bei Trostberg könnte ein wichtiger Baustein für die Wärmewende in der Region werden. Gleichzeitig zeigt das Projekt exemplarisch, wie komplex und risikobehaftet der Ausbau klimafreundlicher Energieinfrastruktur ist. Ob aus den großen Versprechen tatsächlich verlässliche Wärme aus der Tiefe wird, entscheidet sich erst in einigen Jahren und tief unter der Erde.
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