Mitten im WM-Rummel zeichnete FIFA-Chef Infantino US-Präsident Trump mit einem neu geschaffenen Friedenspreis aus.
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Grätsche gegen Trump? Debatte um WM-Boykott nimmt Fahrt auf

Grätsche gegen Trump? Debatte um WM-Boykott nimmt Fahrt auf

US-Präsident Trump will sich Grönland aneignen und baut die USA immer weiter zur Autokratie aus. Sollten europäische Nationen die Fußball-WM, die im Sommer größtenteils in den USA stattfindet, boykottieren? Viele Politiker sagen: Ja.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Eine Invasion und Annektierung Grönlands durch die USA könnte nicht nur weitreichende Konsequenzen für den Welthandel und die transatlantischen Beziehungen haben – auch die Fußball-WM im Sommer könnte teilweise ins Wasser fallen. In Deutschland nimmt die Debatte über einen möglichen Boykott der Fußball-WM in den Vereinigten Staaten Fahrt auf.

Kiesewetter: Unterwürfigkeit gegenüber USA kontraproduktiv

Wenn US-Präsident Donald Trump seine "Drohungen in Bezug auf Grönland umsetzt und einen Handelskrieg mit der EU anzettelt, ist für mich kaum vorstellbar, dass europäische Länder an der Fußball-WM teilnehmen", sagte der CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) der "Augsburger Allgemeinen".

"Es braucht schon lange einen klaren und entschlossenen Kurs gegenüber Trump", fügte Kiesewetter auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung hinzu. Beschwichtigung und Unterwürfigkeit seien kontraproduktiv, das werte Trump als Schwäche. "Insofern muss natürlich klar sein, dass Europa nicht an einer Fußball-WM teilnehmen sollte, im Fall, dass Trump seine Ankündigungen und Drohungen im Bezug auf Grönland umsetzt oder einen Handelskrieg mit der EU anzettelt."

Uneinigkeit in der SPD über Boykott der WM

Die Sport-Ausschussvorsitzende und SPD-Politikerin Aydan Özoguz sieht durch Trumps Drohungen ebenfalls die Aussichten auf die Fußball-WM getrübt: "Unter welchen Bedingungen diese Spiele angepfiffen werden sollen, ist völlig unklar", sagte sie der "Augsburger Allgemeinen". "Was bei einer Einreise in die USA mit Fans passieren kann, ebenfalls."

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner äußerte sich zurückhaltender: "Was Boykottdrohungen im Sport angeht, bin ich generell skeptisch. Man bestraft damit die Fans und die Sportler, der Nutzen ist fragwürdig", sagte Stegner der SZ. Generell wäre mehr gemeinsame europäische Konsequenz hilfreich – "nach den politischen Bücklingen wird das aber schwierig". Er nannte namentlich Nato-Chef Mark Rutte und Fifa-Chef Gianni Infantino. Stegner hält eher wirtschaftliche Konsequenzen für Trump und seine ihm gewogenen Tech-Konzerne für geboten, beispielsweise durch die Erhebung einer Digitalsteuer.

ICE und Co.: Grünen-Politiker warnt Fans vor "Polizeistaat" USA

Andere Stimmen fürchten eine Gefahr für anreisende Fans. Der Grünen-Außenpolitiker Boris Mijatovic riet Fußball-Anhängern auch aus Sicherheitsgründen davon ab, zur WM zu reisen: "Es ist für Fans nicht sicher zu dieser Weltmeisterschaft zu reisen", sagte Mijatovic dem "Stern". Er bezog sich dabei auch auf die tödlichen Schüsse eines US-Grenzschutzbeamten auf eine Frau in Minnesota und die seit Monaten andauernde brutale Verfolgung von Menschen durch die Einwanderungsbehörde ICE: "Ich kann jedem Fan nur dazu raten, die WM-Spiele in den USA zu boykottieren."

Die Trump-Administration habe die USA "systematisch zu einem Polizeistaat geformt", betonte Mijatovic. Wenn diese Entwicklungen in den USA nicht korrigiert würden, müsse die Bundesregierung "zu einem diplomatischen Boykott der WM-Spiele in den USA aufrufen". Dabei würde die Regierung keine offiziellen Vertreter zu der WM entsenden.

Bundesregierung hält sich bedeckt – DFB äußert sich nicht

Ein Regierungssprecher hatte am Montag gesagt, ein möglicher WM-Boykott spiele in den aktuellen Erwägungen der Bundesregierung "keine Rolle". Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) verwies gegenüber der Nachrichtenagentur AFP auf die Autonomie des Sports: "Entscheidungen über Teilnahme oder Boykott von Sportgroßveranstaltungen liegen ausschließlich bei den zuständigen Sportverbänden, nicht bei der Politik." Derartige Entscheidungen müssten im Fall der Fußball-WM von DFB oder Fifa getroffen werden, erklärte Schenderlein. "Diese Einschätzung wird die Bundesregierung akzeptieren."

Vom DFB gibt es noch keine Verlautbarung zur Bokykott-Debatte. Die Frage, "ob Europäer an einem Wettbewerb in einem Land teilnehmen sollten, welches Europa indirekt und ggf. demnächst direkt angreift", ist aus Sicht des DFB-Präsidiumsmitglieds Oke Göttlich jedoch "tatsächlich berechtigt". Es ist allerdings fraglich, dass die Haltung des Präsidenten des FC St. Pauli der Mehrheitsmeinung beim DFB entspricht.

Auch vom Fußballweltverband Fifa ist keine große Opposition zu Trump zu erwarten. Zuletzt sorgte Fifa-Präsident Gianni Infantino bei der Auslosung des Turniers für skurrile Momente, als er US-Präsident Trump den "Fifa-Friedenspreis" verlieh.

Die WM findet vom 11. Juni bis 19. Juli statt. Einige Spiele richten Mexiko und Kanada aus, 78 von 104 Partien finden in den Vereinigten Staaten statt. Erstmals sollen 48 Mannschaften antreten. Europa stellt 16 Teilnehmer – ohne Länder wie Frankreich, Spanien, England, Portugal und Deutschland wäre die WM sportlich ziemlich entwertet.

Mit Informationen von AFP, SID

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