Sie sollte die erste in Deutschland sein, jetzt steht die geplante Rehaklinik für Väter und pflegende Angehörige in Nesselwang im Landkreis Ostallgäu offenbar vor dem Aus. Hier sollten Männer im Alter von 35 bis 60 Jahren Unterstützung erhalten, die alleinerziehend sind, sich um kranke Angehörige kümmern oder aufgrund eines Todesfalls oder einer Trennung psychosomatische Probleme entwickelt haben.
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Eigentümer zieht sich zurück
Wie die Gemeinde zusammen mit den potenziellen Betreibern der geplanten Klinik mitgeteilt hat, habe sich der Eigentümer des geplanten Standorts eines ehemaligen Schwesternheims aus dem Projekt zurückgezogen. Der Grund soll demnach ein Streit um Pachtzahlungen sein. Das habe die Eigentümerfirma den potenziellen Betreibern der Rehaklinik vergangene Woche mitgeteilt.
Absage nach zwei Jahren Planung
Der Baubeginn sei bereits für Anfang 2027 vorgesehen gewesen, der Gemeinderat habe nötige Verfahren bereits auf den Weg gebracht. Man sei mit Krankenkassen, Kostenträgern und der finanzierenden Bank in finalen Gesprächen gewesen, erklärt der Mitinitiator des Projekts Dirk Kuschmann.
Dass die Eigentümer "erst nach fast zwei Jahren intensiver Planungs- und Vorbereitungszeit Abstand von dem Projekt nehmen", sei für ihn "schwer nachvollziehbar, sehr enttäuschend und ärgerlich". Auch Bürgermeister Florian Joas (CSU) äußert sich kritisch: "Wir verlieren mit der geplanten Alpspitzklinik ein innovatives Projekt, auf das wir uns sehr gefreut haben."
Kosten: Viel höher als angenommen
Die Kaufbeurer Immo-Holding hat ihren Rückzug aus den Plänen zur Reha-Klinik verteidigt. Im Gespräch mit dem BR erklärte Geschäftsführer Markus Laermann, die Immo-Holding könne als Standorteigentümerin mit der angebotenen Pacht wirtschaftlich nicht zurechtkommen. Hintergrund seien deutlich höhere Bau- und Finanzierungskosten als zunächst angenommen, so Laermann.
Nach seinen Angaben sind seit der ersten Projektidee ab 2024 die Preise im Bau "wahnsinnig" gestiegen, etwa durch gestiegene Materialkosten. Hinzu kommen demnach höhere Planungskosten. Je detaillierter die Planung vorangeschritten sei, desto klarer sei geworden, dass mehr gemacht werden müsse als gedacht.
Höhere Pacht als Ausgleich
Zwar hätten die Projektinitiatoren von der Alpspitzklinik GmbH ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten von Anfang an transparent kommuniziert, die Immo-Holding habe das erste Pachtangebot aber als verhandelbar verstanden. "Dann zu sagen 'Friss oder stirb!', finde ich unfair", so Laermann.
Man habe gehofft, eine höhere Pacht durchsetzen zu können, die Alpspitzklinik GmbH als potenzielle Betreiberin wolle oder könne darauf aber offenbar nicht eingehen. Als Familienunternehmen müsse man "ordentlich wirtschaften" und könne nicht verantworten, dass man am Ende Verluste mache.
Suche nach neuer Immobilie im Allgäu
Die Initiatoren wollen die Idee einer Väter-Rehaklinik eigenen Angaben nach nicht aufgeben und suchen jetzt nach einer anderen geeigneten Immobilie. Auch sie solle möglichst im Allgäu liegen.
Wie das Areal des ehemaligen Schwesternheims künftig genutzt wird, ist laut Bürgermeister Joas offen. Der Eigentümer des früheren Schwesternheims wiederum will das Gebäude nicht dauerhaft leer stehen lassen und prüft ein neues Nutzungskonzept, das zu gegebener Zeit vorgestellt werden soll.
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