Renate Fischer arbeitet seit über 40 Jahren in der Lothar-Mayerschen Apotheke im niederbayerischen Vilsbiburg. Die erfahrene Pharmazeutin wundert sich über die hohen Preise für Impfstoffe, die sie so bisher noch nicht gesehen habe. Sie zählt auf: "Hier haben wir jetzt den Zeckenimpfstoff für Kinder. Der kostet im Schnitt um die 56 Euro. Dann Gardasil, der HPV-Impfstoff, der liegt im Moment bei 209 Euro." Der teuerste Impfstoff, den sie im Lager habe, sei der vorbeugende gegen Gürtelrose: "Der kostet im Moment 281 Euro. Muss man aber für eine vollständige Impfung zwei Mal spritzen."
Manche Impfstoffe würden weltweit nur von einem Hersteller produziert. Aus Sicht der Apothekerin geht es dabei zunehmend um Gewinnmaximierung. "Solange die Preise gezahlt werden, werden sie auch verlangt", sagt sie.
Patienten bekommen hohe Preise oft gar nicht mit
Die Entwicklung zeigt sich auch in den Zahlen: Während Impfstoffe etwa gegen Kinderlähmung nur minimal teurer wurden, stiegen die Preise für Vakzine gegen HPV von 160 auf circa 210 Euro, bei Gürtelrose von 110 Euro auf rund 280 Euro. Die Patienten bekommen die Kosten in der Regel gar nicht mit. Viele Impfstoffe werden über den sogenannten Sprechstundenbedarf direkt von Arztpraxen bestellt und abgerechnet.
Weniger Impfungen, höhere Kosten
Der Münchner Tropenmediziner Dr. Markus Frühwein warnt davor, die Kostendebatte mit der medizinischen Sinnhaftigkeit von Impfungen zu vermischen. Impfungen seien eine wichtige Präventionsmaßnahme. Seit der Corona-Pandemie sind Impfungen jedoch umstrittener geworden.
Gleichzeitig sank die Zahl der von Krankenkassen erstatteten Impfdosen zwischen 2020 und 2025 um rund vier Prozent. Die Kosten stiegen dagegen massiv: Die gesetzlichen Krankenkassen mussten im selben Zeitraum rund 88 Prozent mehr für Impfstoffe ausgeben. Wie sich diese Preissteigerungen genau erklären, können selbst Fachleute nur schwer beurteilen.
Der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (VFA) nennt gestiegene Energie-, Rohstoff- und Logistikkosten. Impfstoffe seien in Entwicklung und Herstellung besonders aufwendig. Klaus Überla, Professor für klinische und molekulare Virologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, verweist auf die hohen Risiken bei der Impfstoffentwicklung. Klinische Studien dauerten oft Jahre – und dann könne es sein, dass die Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen werde.
Sparpläne der Bundesregierung: 1,1 Milliarden Euro bei Impfstoffen
Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Expertenkommission zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung hat Ende März 66 Sparvorschläge vorgestellt. Allein bei Impfstoffen sollen bis 2030 rund 1,1 Milliarden Euro eingespart werden. Es geht um einen Preisabschlag von mindestens sieben Prozent pro Vakzin.
Apothekerin Fischer hat in ihren 41 Berufsjahren viele Gesundheitsminister mit Reformideen erlebt. Viel geändert habe sich ihrer Ansicht nach nicht. Die Debatten kehrten regelmäßig zurück. Dabei gilt Prävention eigentlich als wirtschaftlich sinnvoll: Laut internationalen Studien schone jeder vermiedene Krankheitsfall unsere Gesundheitssysteme. Gerade in alternden Gesellschaften werde so auch der Wirtschaftsstandort nachhaltig gestärkt.
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