Bayern hat eine prägende Persönlichkeit verloren, darin sind sich Politik und Kirchen einig. Der verstorbene frühere Kultusminister Hans Maier hinterlässt Spuren in Bildung und Gesellschaft.
Söder: Maier "intellektuelles Gewissen des bürgerlichen Bayern"
Hans Maier sei "gewissermaßen das intellektuelle Gewissen des bürgerlichen Bayern seiner Zeit" gewesen. Mit diesen Worten hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den ehemaligen Kultusminister gewürdigt. Maier, der zunächst als Professor für Politikwissenschaft in München wirkte, habe "wissenschaftliche Brillanz mit politischem Mut und christlicher Verantwortung" verbunden, so Söder.
Kultusministerin Anna Stolz (FW) betonte, dass bei allen Entscheidungen Maiers christliches Menschenbild, seine Achtung vor der Würde des Einzelnen und sein Eintreten für eine starke Demokratie spürbar gewesen seien. Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) erklärte, Maiers Credo sei gewesen, den Zugang zu Bildung zu erweitern, ohne dabei den Bildungsbegriff selbst zu verwässern.
Rücktritt als Protest auf Strauß-Entscheidung
Maier war 1970 vom damaligen Ministerpräsidenten Alfons Goppel als Kultusminister in die Politik geholt worden, zunächst war er parteilos; als Franz Josef Strauß das Ministerium 1986 in zwei Ressorts aufteilte, trat Maier aus Protest zurück.
Einsatz für Schwangerenberatung – gegen Position des Papstes
Maiers Eigenständigkeit zeigte sich auch in seinem kirchlichen Engagement. So erinnert das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, dem Maier zwölf Jahre lang vorstand, an seinen Einsatz für die Schwangerenberatung "Donum Vitae" – die sich in Deutschland gegründet hatte, nachdem der damalige Papst Johannes Paul II. die Mitarbeit der katholischen Kirche an der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung untersagt hatte.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Heiner Wilmer schreibt: Maier habe "in durchaus stürmischen Zeiten des kirchlichen Lebens mit Augenmaß und visionärer Kraft, mit Mut und theologischer Finesse um Positionen gerungen, auch und gerade mit der Deutschen Bischofskonferenz".
Marx: Brückenbauer zwischen Kirche, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft
Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, betonte, Maier habe "mit geistiger Klarheit, persönlicher Glaubenstreue und verantwortungsbewusstem Engagement Zeugnis gegeben für die Kraft des christlichen Glaubens in unserer Zeit".
Maier sei stets der Überzeugung gewesen, dass Glaube auch Verantwortung für das Gemeinwohl begründe. In diesem Geist habe er im öffentlichen Diskurs gewirkt und Brücken zwischen Kirche, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft gebaut. "Mit seinem Wort und seinem persönlichen Zeugnis hat er vielen Menschen Orientierung, Ermutigung und geistliche Impulse geschenkt", sagte der Erzbischof. Er selbst habe jede persönliche Begegnung mit Maier als Bereicherung empfunden.
Hans Maier in Münchner Krankenhaus gestorben
Maier war am Montagabend in einem Münchner Krankenhaus gestorben. Am 18. Juni wäre der CSU-Politiker 95 Jahre alt geworden. Der gebürtige Freiburger Politikwissenschaftler lehrte als Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Von 1970 bis 1986 war er bayerischer Kultusminister, von 1976 bis 1988 Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).
Mit Informationen der KNA
Zum Video: Nachruf auf Hans Maier
Bayern nimmt Abschied von Hans Maier.
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