Bartgeier sind mit einer Flügelspannweite von fast drei Metern stattliche Greifvögel.
Bartgeier sind mit einer Flügelspannweite von fast drei Metern stattliche Greifvögel.
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Erfolg für Auswilderungsprojekte: In den Alpen sind immer mehr Bartgeier unterwegs.
Bildrechte: LBV/Christian Steiger
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"Giganten der Lüfte": Immer mehr Bartgeier in den Allgäuer Alpen

"Giganten der Lüfte": Immer mehr Bartgeier in den Allgäuer Alpen

Anfang des 20. Jahrhunderts galten sie in den Alpen als ausgerottet: Bartgeier. Inzwischen laufen mehrere Projekte, um die großen Greifvögel wieder anzusiedeln. Wie das Allgäu von den Bemühungen des internationalen Naturschutzes profitiert.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Der Himmel ist strahlend blau, die Vögel zwitschern, als sich Doris Schmid und Felix Steinmeyer vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) im Oberallgäu auf die Suche nach Bartgeiern machen. Sie sind im Hintersteiner Tal bei Bad Hindelang unterwegs, haben einen Rucksack mit Proviant dabei und große Ferngläser. Den ganzen Tag wollen sie in den Allgäuer Bergen verbringen – auf der Suche nach Bartgeiern.

Bartgeier sind "Giganten der Lüfte", schwärmt Felix Steinmeyer, Gebietsbetreuer des LBV für die Allgäuer Hochalpen. Mit einer Flügelspannweite von knapp drei Metern gehören sie zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Erkennbar, selbst über weite Entfernungen, sind sie laut Steinmeyer an ihrer "charakteristischen Silhouette" – mit einem langen Schwanz, der keilförmig zugeschnitten ist, und eher spitzzulaufenden Flügeln. Ihren Namen haben die Bartgeier von den auffälligen Federn unter ihrem Schnabel. Stundenlang kreisen sie durch die Lüfte, schweben fast schon in Zeitlupe über Felsrinnen und Schneefelder hinweg, immer auf der Suche nach Fressbarem.

Aasfresser auf der Suche nach Fallwild

Die Chancen, Bartgeier zurzeit im Oberallgäu zu sichten, sind gut, sagt Steinmeyer: "Wir haben hier hohe Wildbestände. Entsprechend gibt es im Winter auch Fallwild, und das ist die Nahrungsquelle der Tiere." Fallwild sind zum Beispiel Gämsen, die von Lawinen mitgerissen worden sind und deren Kadaver jetzt vom schmelzenden Schnee freigegeben werden. Ein Festmahl für Bartgeier: Sie sind Aasfresser und ernähren sich hauptsächlich von Knochen.

Vogelschützer entdecken zwei Jungvögel

Nur wenige hundert Meter vom Parkplatz weg zücken Doris Schmid und Felix Steinmeyer plötzlich ihre Ferngläser: Über den Gipfeln von Ponten und Bschießer kreisen augenscheinlich zwei große Vögel. Tatsächlich: Die Vogelschützer haben zwei Bartgeier entdeckt. Es sind zwei Jungvögel, etwa drei und sechs Jahre alt, schätzen die Experten. Zu erkennen sei das Alter der Greifvögel am Gefieder. Das verfärbt sich über die Jahre vor allem am Kopf von schwarz zu rostrot mit weiß. Bartgeier können bis zu 45 Jahre alt werden.

Erfolgreiches Auswilderungsprojekt

Fast zwanzig Mal haben die Vogelschützer dieses Jahr schon Bartgeier im Allgäu beobachten können. Der Höhepunkt jedoch war vergangenes Frühjahr: Zum ersten Mal überhaupt waren laut LBV gleich sechs Bartgeier zeitgleich in den Allgäuer Alpen unterwegs. Ein Erfolg, den Steinmeyer auf die jahrelangen Bemühungen des internationalen Naturschutzes und auch des LBV zurückführt. Seit fast fünf Jahren wildert der LBV junge Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden aus – Luftlinie rund 200 Kilometer vom Allgäu entfernt. "Fast alle von denen sind schon im Allgäu aufgetaucht", berichtet der LBV-Gebietsbetreuer, "Und bei den Bartgeiern gibt es eben den Effekt, wo einzelne Bartgeier auftauchen, kommen auch andere dazu." Seine Hoffnung ist deshalb, dass sich schon bald ein Brutpaar niederlässt: "Das wäre wirklich eine Sensation."

Doch auch mit der Sichtung an diesem Tag sind Doris Schmid und Felix Steinmeyer zufrieden: Da darf man sich nicht beschweren, wenn man an so einem Tag in den Bergen sein darf und wenn man dann auch noch sieht, was man sehen will, sagen sie.

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