Im Bürgerwindpark Berching ist am Mittwoch ein tonnenschweres Rotorblatt eines Windrades zu Boden gefallen.
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Rotorblatt von Windrad runtergefallen: Wie konnte das passieren?

Rotorblatt von Windrad runtergefallen: Wie konnte das passieren?

Im Bürgerwindpark Berching im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz ist am Mittwoch ein 55 Meter langes und 15 Tonnen schweres Rotorblatt von einem Windrad abgestürzt. Das wirft Fragen zu den Sicherheitsstandards bei Windkraftanlagen auf.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am .

Im Bürgerwindpark Berching im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz ist gestern ein 15 Tonnen schweres Rotorblatt von einer Windkraftanlage abgebrochen und zu Boden gestürzt. Verletzt wurde niemand, teilte die Betreiberfirma Windpower aus Regensburg mit. In der 30-jährigen Geschichte des Unternehmens sei dies der erste Vorfall dieser Art.

Was passiert am Tag nach dem Unfall?

Der Windpark ist zur Zeit großräumig abgesperrt. Techniker sind unterwegs, um die Unfallursache zu klären. Sie werden von einem Gutachter unterstützt. Die Polizei teilte mit, dass vorübergehend eine Straße in unmittelbarer Nähe gesperrt werden musste.

Es werde mit Hochdruck an der Aufklärung gearbeitet, hieß es heute. Laut Betreiberfirma gebe es aktuell aber noch keine Erkenntnisse.

Wie sicher sind Windräder?

Ähnliche Unfälle an Windrädern gibt es zwar immer wieder, die Anlagen werden generell aber als sehr sicher eingestuft. Nach Angaben der Bayerischen Staatsregierung sind solche Schäden letztlich selten.

Laut TÜV-Verband [externer Link] gibt es pro Jahr rund 50 gravierende Schäden an Windrädern – bei deutschlandweit über 30.000 Windkraftanlagen. Das entspricht also einer Wahrscheinlichkeit von weniger als zwei Promille.

Wann war die letzte Wartung?

Der Berchinger Windpark besteht aus insgesamt zehn Windkraftanlagen. Sechs davon würden von Bürgerbeteiligungsgesellschaft der Windpower-Gruppe betrieben, teilte das Unternehmen mit. Etwa 2.400 Personen sowie acht Kommunen seien an den Erträgen der Anlagen beteiligt.

Das beschädigte Windrad ist mehr als 140 Meter hoch, ein Rotorblatt hat eine Länge von knapp 55 Metern. Es ist im Jahr 2012 gebaut worden und wurde im November vergangenen Jahres nach Angaben des Unternehmens zuletzt gewartet: Damals sei alles in Ordnung gewesen, bestätigte Clemens Reichl, der technische Geschäftsführer bei Windpower.

Wie läuft eine Wartung ab?

Die Windräder im Windpark Berching werden laut Reichl halbjährlich untersucht: Einmal gibt es eine größere Wartung und einmal eine kleinere. Dazu steigen die Wartungsmitarbeiter auf das Windrad und machen sich oben selbst ein Bild vom Zustand des Windrads. Dort werden dann zum Beispiel alle Schrauben überprüft.

Die Rotorblätter werden nicht extra gewartet. Die Betreiberfirma geht davon aus, dass das Problem nicht konkret an den Rotorblättern lag, sondern an der Verbindung zwischen Rotorblatt und Nabe. Das werde jetzt untersucht, hieß es.

Neben der Wartung direkt am Windrad, erfolgt zusätzlich eine digitale Überprüfung: Windräder haben etliche Sensoren, die durchgehend Daten zum Zustand übermitteln.

Warum schlug das Warnsystem nicht an?

Viele Windräder - so auch das in Berching - haben ein sogenanntes "Blattlagerüberwachungssystem". Das ist eine 24-Stunden-Überwachung, die in den Anlagen verbaut ist. Eigentlich sollte dieses System vorzeitig vor Problemen oder Schäden warnen. Warum das in diesem Fall nicht anschlug, ist laut technischem Geschäftsführer noch unklar – und muss vom Gutachter geklärt werden.

Es werde jedoch davon ausgegangen, dass das noch unbekannte Problem sehr kurzfristig eingetreten sei: Anzeige und Abwurf des Blattes fielen wohl zusammen, erklärte Reichl.

Ein automatisches System, das die Anlage anhält, wenn etwas kaputt geht, hat jedoch gegriffen: Das Windrad wurde gestoppt – allerdings konnte der Absturz des Rotorblattes nicht verhindert werden.

Was passiert mit dem kaputten Windrad?

Das Windrad bleibt im Bürgerwindpark Berching stehen und bekommt ein Ersatzteil, teilte Clemens Reichl noch mit. Den Schaden bezifferte die Betreiberfirma auf einen sechsstelligen Eurobetrag. Auch das müsse noch genauer untersucht und geklärt werden, hieß es weiter.

Was übrigens viel häufiger passiert als der Abbruch eines Rotorblatts ist ein Blitzschlag: Etwa einmal pro Jahr schlägt in ein Windrad der Blitz ein. Dabei passiert aber sehr selten etwas, weil die Anlagen Blitzableiter haben und sich dann sofort abschalten.

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