💬 "Dein Argument" greift Euren Input auf: Kommentare aus der BR24-Community sind Anlass für diesen Beitrag. 💬
Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist hoch. So sind etwa 2025 in Nürnberg 1.726 Fälle registriert worden, also fast fünf pro Tag. Bei Fahrraddiebstählen rechnen Experten mit einer hohen Dunkelziffer, weil lange nicht jeder Diebstahl zur Anzeige gebracht wird.
- Zum Artikel: Fahrrad versichern – lohnt sich das?
Wie kann man sein Fahrrad vor Diebstahl schützen?
Bei Instagram haben Nutzer unter einem Beitrag von BR24 über Maßnahmen zur Fahrradsicherung diskutiert. Dabei sprachen mehrere User etwa die Möglichkeit von Ortungsgeräten wie GPS-Trackern oder Airtags an. Diese würden bei einem Diebstahl helfen. Ein Nutzer zweifelte das an und schrieb: "Wogegen? Diebstahl? :_D Ich denke nicht. Der wird gleich gesucht und entfernt. Da müsste der schon richtig versteckt sein." Ein anderer User kommentierte: "(...) Die Polizei hilft leider nicht sofort, weil die Verfahren lange dauern und erst Ermittlungen durchgeführt werden müssen. Einen Airtag kann man dagegen gut und unauffällig verstecken."
Helfen GPS-Tracker oder Airtags bei Fahrraddiebstahl?
"Immer mehr Besitzer von Fahrrädern, gerade von hochpreisigen, verbauen Tracker", sagt Marc Siegl, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken. "Die schützen nicht vor Diebstahl, sondern helfen erst, wenn das Fahrrad schon weggekommen ist." Sie könnten wichtige Ermittlungsansätze liefern, die die Polizei sonst nicht hätte.
"Nur weil ich so einen Tracker verbaut habe, heißt das nicht, dass wir dieses Fahrrad dann auch sicher auffinden können", sagt Siegl. Das liege auch an der Genauigkeit. "Mitten im Nürnberger Stadtgebiet zwischen mehreren größeren Mehrfamilienhäusern getrackt, kommen schnell mal 200 bis 300 Wohnungen in Frage." Dort kämen Ermittler an ihre Grenzen.
Einen weiteren Punkt nennt Kriminologe Christian Matzdorf von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Er leitet dort die Professur für Kriminalistik mit Schwerpunkt Kriminaltechnik. Bestohlene müssten eng mit den Beamten zusammenarbeiten. Aufgrund des Datenschutzes gebe es keine automatisierte Datenübermittlung. Auch würden professionelle Diebe gezielt nach Trackern suchen.
E-Bikes: "Das ist, als ob Sie Ihre Geldbörse auf die Straße packen"
E-Bikes würden häufig ins Visier von Dieben geraten, denn man könne sie meist genauso leicht stehlen wie ein billigeres Fahrrad, sie hätten aber einen deutlich höheren Wert. "Das ist, als ob Sie Ihre Geldbörse mit zwei- bis dreitausend Euro direkt auf die Straße packen."
Beim Fahrraddiebstahl müsse man unterschiedliche Tätergruppen unterscheiden, angefangen mit Gelegenheitstätern, die spontan zugreifen, wenn sie ein nicht bis schlecht gesichertes Rad sehen. Diese könnte man häufig mit einem guten Schloss abschrecken. Je professioneller die Diebe sind, desto schwieriger werde es. Matzdorf spricht aus Erfahrung, denn: "Mein letztes Rad hat man mir vor dem Landeskriminalamt Berlin vor dem Haupteingang aus dem Fahrradständer gestohlen", so der Kriminologe.
Eine ähnliche Erfahrung hat auch ein User gemacht, dessen Rad ihm beim Besuch einer Therme gestohlen wurde: "Ich war zwei Stunden weg. Das Rad war mehrfach am Heckträger gesichert. Waren wohl Profis."
Christian Matzdorf sagt, dass man – sobald man sein Rad in der Öffentlichkeit abstelle – nie einen 100-prozentigen Schutz gegen Diebstahl herstellen könnte, besonders wenn organisierte Profis am Werk sind. Er habe zum Beispiel Fälle erlebt, bei denen Fahrräder etwa per Autokran abtransportiert wurden. "Es gibt Bustouren nach Berlin, wo man innerhalb von ein paar Stunden alles zusammenklaut, was möglich ist, die Räder in einen Bus wirft, bei dem die Sitzreihen ausgebaut sind, und sie dann ins Ausland bringt."
Tipps zum Fahrradschutz
Um sein Rad bestmöglich zu schützen, gibt es Tipps von Experten. "Die Grundregel lautet 'Anschließen statt nur Abschließen'", sagt Laura Ganswindt, Pressesprecherin des ADFC Bayern. "Rahmen und mindestens ein Laufrad werden mit einem hochwertigen Schloss an einem fest verankerten, ausreichend hohen Gegenstand gesichert." Empfehlenswert seien dabei Abstellplätze an belebten, gut einsehbaren Orten, weil Diebe dort weniger Zeit zum Knacken hätten.
"Einen guten Schutz bieten Bügel-, Falt- oder Kettenschlösser aus hochwertigem gehärteten Stahl", so Ganswindt. Schlösser mit Spiralkabeln oder dünnen Drähten würden sich hingegen schnell mit geeignetem Werkzeug aufzwicken lassen. Ein Schloss sollte rund zehn Prozent des Fahrradwerts kosten, mindestens aber 50 Euro, so Ganswindt. "Wir empfehlen grundsätzlich, in ein gutes Schloss zu investieren, besser in zwei unterschiedlicher Bauart, weil Diebe sich oft auf einen Schlosstyp spezialisieren." Ein zweiter Typ schrecke zusätzlich ab.
Experten raten zu Fahrradcodierung und Registrierung
Zudem raten die Experten dazu, sein Fahrrad codieren beziehungsweise registrieren zu lassen. "Da wird eine Individualnummer vergeben", erklärt Marc Siegl vom Polizeipräsidium Mittelfranken. Mittels dieser könnten Polizisten das Rad, wenn es gefunden wird, direkt seinem Besitzer zuordnen. Die gewöhnlichen Rahmennummern würden dazu nicht ausreichen, da es meist keine Individualnummern sind. Mehr Infos zur Codierung gibt es auf der ADFC-Website [externer Link].
Zusammenfassend sagt Laura Ganswindt vom ADFC: "Die mechanische Sicherheit geht immer vor. Tracker können eine sinnvolle Ergänzung sein, ersetzen aber kein hochwertiges Schloss und keine Codierung."
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
