Sorgen um den Bosch-Standort in der Zweibrückener Straße in Nürnberg gibt es schon länger. Im Juli hatte die Gewerkschaft IG Metall erstmals die Befürchtung eines größeren Stellenabbaus öffentlich gemacht. Der ist jetzt, gerade mal zwei Monate später, beschlossene Sache: Am Montagnachmittag wurden die Bosch-Beschäftigten über den Abbau von 900 Jobs informiert.
Rund die Hälfte der Jobs fallen weg. Der Autozulieferer bedauert den Schritt, hält ihn aber für notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Das Unternehmen verweist unter anderem auf hohen Wettbewerbsdruck und sinkende Autoabsätze. Die Arbeitnehmervertreter dagegen sehen den stark vom Verbrenner abhängigen Standort akut in Gefahr. Die Beschäftigten sind schockiert. Mancher Mitarbeiter äußert Zukunftsängste.
Zwischen Existenzangst und Stolz
Die meisten Bosch-Beschäftigten, die nach der Mitarbeiter-Information in der Werkskantine das Betriebsgelände verlassen, wollen über das, was sie gerade erfahren haben, nicht sprechen. Den wenigen anderen, die sprechen wollen, ist der Schock anzumerken. Ein Mitarbeiter, der seit 32 Jahren im Betrieb ist, spricht von "Existenzängsten", von einer "Katastrophe". Viele seiner Kollegen seien schon lange bei Bosch, kennen quasi keinen anderen Arbeitgeber. Trotz des Stellenabbau-Schocks bezeichnet er sich als "stolzen Boschler". Angst macht dem Mann auch, dass die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt gerade alles andere als rosig sind. Bosch ist nur einer von vielen Autozulieferern, die Stellen abbauen.
Betriebsrat: Tatsächlich mehr als 900 Personen betroffen
Laut dem Betriebsratsvorsitzenden des Nürnberger Bosch-Standorts, Arne Brandsch, sind tatsächlich noch mehr Menschen von dem Stellenabbau betroffen als die offiziell genannte Zahl von 900. Denn bei dieser Zahl handle es sich um sogenannte "Vollzeitäquivalente", sprich Vollzeitjobs. Realistischer sei es daher, von rund 1.000 Mitarbeitenden zu sprechen, die ihre Jobs verlieren. Wenn der Jobabbau bis Ende 2029 umgesetzt sein soll, bedeute das bildlich gesprochen, dass "über ein Mitarbeiter pro Arbeitstag" Bosch in Nürnberg verlassen soll.
Bosch betont, das solle "möglichst sozialverträglich" laufen. Auf die BR-Nachfrage, ob man betriebsbedingte Kündigungen ausschließen könne, hieß es lediglich: bis Ende 2027. Stattdessen betont der kaufmännische Werkleiter des Standorts, Alexander Weichsel, wie schwer die Entscheidung gefallen sei. Das Unternehmen sei sich aber der "Verantwortung sehr wohl bewusst" und wolle "gerade deshalb" das Werk "wieder wettbewerbsfähig" machen.
Widersprüchliche Ansichten zur Standort-Zukunft
Neben dem massiven Stellenabbau geht es bei Bosch in Nürnberg auch um die Frage, ob der Standort nach 2029 überhaupt eine Zukunft hat. Der Betriebsratsvorsitzende Arne Brandsch befürchtet ein Sterben auf Raten. Man habe "nicht einmal andeutungsweise" eine Perspektive bekommen, etwa in Form neuer, zukunftsfähiger Produkte. Durch den Stellenabbau verliere der Standort "massiv an Kompetenz", so Brandsch. Der Stellenabbau sei für ihn "ganz klar eine Vorbereitung für eine Schließung". Der kaufmännische Werkleiter des Standorts, Alexander Weichsel, widerspricht. Mit den nun getroffenen Maßnahmen gehe er davon aus, dass eine "Kernsanierung des Standorts möglich ist". Es sei allerdings zuerst notwendig "die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen, bevor man dann über Zukunft spricht", so Weichsel.
Die Autobranche steckt tief in der Krise: Bei Bosch in Nürnberg sollen 900 Arbeitsplätzen wegfallen.
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