Zwölf Jahre nach den ersten Plänen bekommt das Watzmannhaus jetzt einen neuen Anbau – das sogenannte Salettl, eine Art Pavillon mit wunderbarem Blick auf die Bergwelt. Dafür wurde das 122 Jahre alte, baufällige Vorgängergebäude abgebrochen. Das neue Salettl wird allerdings deutlich kleiner als vor zwölf Jahren geplant. Anstatt 80 wird es zukünftig gut 40 Sitzplätze haben. Den tollen Ausblick wird man ab der Saison 2027 auch in dem neuen Salettl genießen können.
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Spektakuläre Baustelle
Der Mittwoch, 19. August 2026, war für die DAV-Sektion München ein historischer Tag. Denn an diesem Tag wurde das Salettl auf 1.930 Meter Höhe montiert. Die konkreten Vorbereitungen für den großen Tag dauerten einige Wochen. So wurde das historische Vorgängergebäude abgebrochen und ein Fundament für den Neubau wurde gegossen.
Ohne Hubschrauber wäre diese Baustelle nicht machbar, denn zum Watzmannhaus führt kein Weg, der befahren werden kann. Das Abbruchmaterial muss hinunter- und die Bauteile müssen hinaufgeflogen werden. 380.000 Euro kostet das Gesamtprojekt.
Das neue Salettl wurde im Tal aufgebaut und danach in Bauteile von maximal 900 Kilogramm zerlegt – so viel schafft der Hubschrauber einer Spezialfirma. Die Bauteile wurden per LKW auf eine Alm gebracht – nur drei Minuten Flugzeit vom Watzmannhaus entfernt. Schließlich ermöglichte eine gute Wetterprognose den entscheidenden Arbeitstag auf der spektakulären Baustelle. Mit rund 20 Flügen brachte Hubschrauberpilot Simon Voigt das Material zum Watzmannhaus. Vor Ort koordinierte Flughelfer Luis Huber vom Hubschrauberunternehmen die Arbeiten.
Nein, das sei wegen des begrenzten Raumes und der Höhe keine Standard-Baustelle, so Huber gegenüber dem BR. So werden die einzelnen Bauteile zunächst auf der Terrasse abgelegt und dort umgehängt, um dann vom Hubschrauber auf engem Raum auf die Baustelle manövriert zu werden. Die ist eingerüstet, damit die Arbeiter, die die Bauteile beim Anflug greifen und an Ort und Stelle steuern, sicher stehen können.
Hüttenwirt packt mit an
Paul Verst ist der Hüttenwirt und froh, dass mit dem Neubau des Salettls die Kernsanierung des gesamten Watzmannhauses endlich abgeschlossen wird. Denn das Haupthaus wurde schon vor einiger Zeit renoviert. Der 25-Jährige ist Dreh- und Angelpunkt des Hauses, betreibt die große Hütte mit 160 Schlafplätzen und großer Küche gemeinsam mit seiner Mutter Annette und vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und beim großen Tag des Neubaus steht der gelernte Schreiner selbst mit auf dem Gerüst und packt mit an.
Die Eltern von Paul Verst waren viele Jahre die Hüttenwirte des Watzmannhauses und so hat er schon als Kind die Vorgeschichte und den Umbau miterlebt. 2014 begannen bereits die Planungen der DAV-Sektion München für den Abriss des alten und den Bau eines neuen Salettls. Die Pläne sahen damals 80 Sitzplätze und eine deutliche Vergrößerung des Anbaus gegenüber dem Vorläuferbau vor. Ein Weg sollte überbaut werden und unter dem Neubau im Stil einer Aussichtskanzel hindurchführen. Dafür erteilte das Landratsamt Berchtesgadener Land 2016 eine Baugenehmigung.
Dagegen klagte der Bund Naturschutz (BN) mit Erfolg, denn das Watzmannhaus steht im Nationalpark. Und auch bei einer zweiten verkleinerten Planung bekam der BN bei einer Klage Recht. Das Bayerische Verwaltungsgericht urteilte, dass eine Befreiung von naturschutzrechtlichen Vorgaben nicht möglich ist.
Bund Naturschutz sehr erfreut
Schließlich stimmten sich DAV und BN ab und fanden eine gemeinsame, deutlich kleinere Lösung für das Salettl, die schließlich auch genehmigt wird. Rita Poser vom Bund Naturschutz Berchtesgadener Land ist sehr erfreut über die gefundene Lösung. "Das entspricht genau unseren Vorstellungen von Baumaßnahmen in der Kernzone des Nationalparks", sagt sie auf Anfrage dem Bayerischen Rundfunk.
Und auch beim Deutschen Alpenverein hat schon vor längerem ein Umdenken eingesetzt. So betont Carolin Kalkbrenner, zuständig für Hütten und Wege bei der DAV-Sektion München, dass man die Zahl der Schlafplätze im Watzmannhaus im Zuge der Sanierung von 220 auf 160 reduziert habe. Außerdem wolle der DAV bis 2030 klimaneutral werden. Das Problem des "overtourism" in den Alpen und der derzeit extreme Wassermangel, nicht nur auf dem Watzmannhaus, sind weitere Gründe dafür, dass der DAV seine Hüttenkapazitäten reduziert.
Nachdem das Salettl aufgestellt ist, werden der Innenausbau, die Elektrik und die Fertigstellung der Fassade noch ein paar Wochen dauern. Zur neuen Saison 2027 wird das Salettl dann im Einsatz sein.
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