Instagram-Post von Yasmin Hübels Nominierung.
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Yasmin Hübel will linke Stadträt*in in Dinkelsbühl werden. Doch ihr Post sorgte für Hasskommentare und Hetze im Netz.
Bildrechte: Instagram/dielinke_dinkelsbuehl
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Yasmin Hübel will linke Stadträt*in in Dinkelsbühl werden. Doch ihr Post sorgte für Hasskommentare und Hetze im Netz.

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Hasskampagne gegen queere Stadtratskandidat*in in Dinkelsbühl

Hasskampagne gegen queere Stadtratskandidat*in in Dinkelsbühl

Vergangene Woche wurde Yasmin Hübel für Die Linke im Dinkelsbühler Stadtrat vorgestellt: mit Regenbogenshirt und dem Hinweis, queer zu sein. Sofort begann eine Serie von Hass-Postings mit KI-generierten Videos im Netz, offensichtlich auch von rechts.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Franken am .

Jeden Tag ein Post auf Facebook und Instagram, um Kandidaten der Partei Die Linke für den Dinkelsbühler Stadtrat vorzustellen. Schon da kam hier und da ein blöder Kommentar, auch von rechts, sagt Ramona Seiß gegenüber BR24. Sie ist Sprecherin des Linken-Kreisverbands Ansbach/Weißenburg-Gunzenhausen. Als schließlich der erste Listenplatz – Yasmin Hübel – gepostet wurde, nahmen die Hasskommentare überhand. Yasmin Hübel ging viral, wie sie es ganz und gar nicht erwartet hatte: mit Schmähkommentaren und teils auch KI-generierten Videos. Dem BR liegen zahlreiche dieser Postings vor.

Queer mit Regenbogenshirt

Yasmin Hübel bekennt sich in den wenigen Zeilen unter dem Posting der Linken Dinkelsbühl, queer zu sein. Yasmin wird weiblich gelesen, ist aber non-binär und wird als Kandidat*in bezeichnet und trägt ein Regenbogenshirt. Das scheint zu triggern. Der Nominierungs-Post wird geteilt und vor allem verändert. KI-generiert tanzt Yasmin Hübel auf TikTok und X. In den Kommentaren machen sich User über die Figur, den Stil lustig, sprechen der Kandidat*in Kompetenzen ab. Gepostet und geteilt werden die Inhalte auch aus rechten Kreisen. So lobt eine AfD-Landtagspolitikerin aus Niedersachsen unter ihrem Post auf X sarkastisch Yasmin Hübels Aussehen und Präsenz. Ein TikTok-User, der sich in anderen Posts rechtspopulistisch äußert, postet unter einem geteilten KI-generierten Video, in dem Yasmin Hübel tanzt: "das ist mal Wahlwerbung!"

Kriminalpolizei ermittelt

Yasmin Hübel speichert die Posts und erstattete Anzeige. Immerhin sind Beleidigungen dieser Art ein Straftatbestand und kein Kavaliersdelikt. Inzwischen ermittelt laut Hübel die Kriminalpolizei. Hass in dieser Form gegenüber sich, hat Yasmin Hübel so noch nicht erlebt, so im Gespräch mit BR24. Auch Ramona Seiß vom Kreisverband nicht – hier ist Yasmin Hübel im Vorstand aktiv. Hetze von rechts gegen links sei nicht Neues, aber in diesem Ausmaß schon, so Seiß.

Große Solidarität - auch von politischen Gegnern

Der Linken-Kreisverband Ansbach/Weißenburg-Gunzenhausen reagierte sofort mit einem Solidarisierungspost, stellte sich klar hinter die Kandidat*in. Unterstützung kam auch vom bayerischen Landesverband der Linken. In der Kleinstadt Dinkelsbühl machten die Hasskommentare unter Yasmin Hübels Post schnell die Runde.

Viele Parteien – auch über die Stadtgrenzen hinaus – solidarisierten sich, sprachen sich deutlich gegen diese Art der Hetze aus. Überregional wohl eher ungewöhnlich: Die CSU in Dinkelsbühl stach dabei hervor, weil sich die komplette CSU-Fraktion solidarisierte. Der CSU-Ortsvorsitzende Manfred Scholl nannte die Kommentare furchtbar, sie würden die Gesellschaft zerreißen. Am Sonntag ist in der Dinkelsbühler Altstadt eine Menschenkette vom "Bündnis Dinkelsbühl für Demokratie und Vielfalt" geplant. Hier soll explizit Solidarität zu Yasmin Hübel gezeigt und ein Zeichen gegen rechts gesetzt werden, heißt es unter dem Veranstaltungspost auf Instagram.

Yasmin Hübel lässt sich nicht unterkriegen

Die Hasskampagne gegen sich hat Yasmin Hübel mitgenommen. Um den Verfassern der Posts nicht noch mehr Angriffsfläche zu bieten, wollte die Kandidat*in auch nicht vor ein Mikrofon oder eine Kamera. Die politische Arbeit will Yasmin Hübel aber nicht aufgeben, der Listenplatz 1 für die Linken in Dinkelsbühl steht. Auch Ramona Seiß vom Kreisverband betont, dass die Linke nicht zurückhetzen werde. Es gehe jetzt darum, das zu tun, wofür sie da seien, nämlich Politik für ihre Stadt zu machen. Man lasse sich nicht unterkriegen. Das Gute: Inzwischen lassen sich unter den hetzenden Inhalten auch viele Kommentare lesen, die sich gegen die Verfasser der Hassposts und für Yasmin Hübel aussprechen. Und einige Postings seien inzwischen im Zuge der Ermittlungen sogar schon gelöscht, so Ramona Seiß.

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