Zwei Jahre lang hat es in Ering am Inn keine Hausarztpraxis gegeben. Deshalb hat die Gemeinde zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) eine solche gegründet und eine Ärztin angestellt. Jetzt, zwei Jahre später, übernimmt die Hausärztin offiziell die Praxis.
Das Angebot der KVB, die Praxis zunächst zu betreiben, war für Hausärztin Barbara Lageder der ausschlaggebende Punkt, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen – sonst wäre eine Praxisneugründung für sie nicht in Frage gekommen, erzählt sie.
So konnte sie sich zunächst ganz auf die medizinische Versorgung der Patienten konzentrieren, während die KVB sich um die organisatorische und kaufmännische Betriebsführung kümmerte - etwa Personalsuche oder Abrechnungen. Gleichzeitig sei sie bei allen Schritten einbezogen und so gut auf die Übernahme vorbereitet worden, berichtet die Ärztin.
KVB-Eigeneinrichtung soll Weg in Selbstständigkeit ebenen
Die KVB will langfristig kein eigenes Praxis-Netzwerk aufbauen: In unterversorgten Bereichen versucht sie zunächst, Arztinnen und Ärzten bei der Niederlassung zu fördern. Wenn das nicht klappt, ist die KVB unter bestimmten Bedingungen allerdings gesetzlich dazu verpflichtet, eine eigene Arztpraxis zu betreiben, eine sogenannte Eigeneinrichtung. Dort stellt sie übergangsweise Ärzte an, die die Praxis später übernehmen sollen. Die KVB übernimmt in der Anfangsphase das finanzielle Risiko und unterstützt das Team beim Aufbau von Strukturen.
Laut dem KVB-Vorstandsvorsitzender Christan Pfeiffer wird es immer schwieriger, ärztlichen Nachwuchs für Praxisgründungen oder - übernahmen zu finden: "Das entwickelt sich in Zeiten zunehmenden Ärztemangels und neuen Arbeitszeitmodellen immer mehr zu einer riesigen Herausforderung für alle Beteiligten. In diesem Sinne ist die Übergabe der Praxis in Ering ein echter Erfolg und ein Beispiel dafür, dass nur gemeinsames Engagement und Durchhaltevermögen regionale Versorgungslücken tatsächlich schließen können."
Ering: Erste erfolgreiche Praxisübergabe für die KVB
Neben der Eringer Hausarztpraxis betreibt die KVB im oberfränkischen Marktredwitz eine dermatologische Praxis, die sich allerdings noch nicht so gut etabliert habe, erklärt KVB-Sprecher Axel Heise. Ähnliche Projekte seien auch in anderen unterversorgten Bereichen angedacht, allerdings sei es schwierig, interessierte und geeignete Ärzten zu finden, so die KVB.
Die Praxis in Ering ist die erste, die die KVB erfolgreich übergeben hat, nach zwei Jahren Eigenbetrieb. Seit dem Jahreswechsel ist Barbara Lageder die Inhaberin. Die KVB kam auf sie zu, weil sie schon früher als angestellte Hausärztin in Ering tätig war, bis ihre damalige Praxis schloss. Dadurch kannte sie bereits viele ihrer Mitarbeitenden und Patienten. Diese nun wieder begleiten zu können, habe sie sehr gefreut, so die Hausärztin: Sie hoffe, dass sie und ihr Team weiterhin so viele positive Rückmeldungen bekommen würden. Die Praxis ist aktuell gut ausgelastet, nimmt aber auch noch Neupatienten auf.
Ist das Modell übertragbar?
Das Modell der KVB-Eigeneinrichtungen findet Hausärztin Barbara Lageder sehr gut und auch für andere unterversorgte Bereiche geeignet. Damit Praxisgründungen und -übernahmen für Hausärzte langfristig attraktiver werden, bräuchte es ihrer Meinung nach allerdings auch gesundheitspolitische Änderungen – beispielsweise im Bereich der Abrechnungen.
Dass der Trend zur Anstellung gehe, erklärte die KVB bereits zur Eröffnung der Hausarztpraxis in Ering. Die erfolgreiche Übergabe nach zwei Jahren zeige, wie Versorgungssicherung und Niederlassungsförderung miteinander verbunden werden können, so die KVB – das Projekt habe bayernweit Pilotcharakter.
Gemeinde war bei Arztsuche sehr engagiert
Für Ering war die Praxisgründung ein Erfolg: Die hausärztliche Versorgung ist dort wieder gewährleistet. Auch der Planungsbereich Simbach am Inn, zu dem Ering gehört, gilt laut KVB inzwischen als "regelversorgt".
Der Bürgermeister der Gemeinde Ering am Inn, Johann Wagmann, ist zufrieden – er hatte die Arztsuche zur Chefsache gemacht: Annoncen aufgegeben, Gespräche geführt und schließlich die Kooperation mit der KVB angestoßen. Dann das alte Pfarrhaus gekauft, praxistauglich umgebaut und zunächst an die KVB und mittlerweile direkt an die Ärztin vermietet.
Laut KVB-Sprecher Axel Heise war auch das außergewöhnliche Engagement der Gemeinde ein Grund, warum die Zusammenarbeit in Ering so gut funktioniert habe.
Dr. Barbara Lageder (zweite von rechts) und ihr Team bei der offiziellen Praxisübergabe durch die KVB.
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