Wie viele Klimaanlagen es in Bayerns Schulen gibt, dazu sind keine Zahlen verfügbar. Manche Neubauten sind bereits ausgestattet, viele Klassenzimmer in älteren Schulgebäuden aber nicht. Auch verdunkelbare Fenster und begrünte Schulhöfe sind bayernweit nicht Standard.
Bayerischer Elternverband: "Unzureichend vorbereitet"
Nach der jüngsten Hitzewelle schlägt der Bayerische Elternverband (BEV) Alarm: Fehlender Hitzeschutz gefährde die Gesundheit und den Bildungserfolg. "Viele Schulen sind auf extreme Temperaturen unzureichend vorbereitet", sagt der BEV-Landesvorsitzende Martin Löwe. "Während andere Bereiche des öffentlichen Lebens längst reagieren, bleibt der schulische Alltag vielerorts unverändert – mit gravierenden Folgen für Gesundheit, Lernfähigkeit und Chancengleichheit."
In heißen Phasen habe es in vielen bayerischen Schulen gefühlt mehr als 32 Grad. "Die Folgen reichen von Konzentrationsverlust, Kopfschmerzen und Kreislaufproblemen bis hin zu akuten Notfällen wie Hitzschlag", betont Löwe. Kinder seien besonders gefährdet, da ihr Körper Hitze schlechter regulieren könne. Als wichtige Maßnahmen nennt der Elternverband einen außenliegenden Sonnenschutz, moderne Lüftungs- und Kühlsysteme sowie "entsiegelte, beschattete und begrünte Schulhöfe".
"Viele Schulgebäude wurden für ein Klima geplant, das es heute nicht mehr gibt", sagt Löwe. Der Elternverband will, dass alle Beteiligte das Thema angehen – auch Elternbeiräte. Zudem sollten die Kinder und Jugendliche selbst eingebunden sein, wenn es um mehr Hitzeschutz an ihren Schulen geht. Auch den Tagesablauf müsse man leichter ändern: digitale Arbeitsphasen, angepasste Pausenzeiten, Raumwechsel, Distanzunterricht sowie Kurzstundenmodelle – ausdrücklich auch für die Oberstufe.
Kultusministerium: Hitzeschutz vor Ort entscheiden
Verantwortlich für den Hitzeschutz sind die jeweiligen Schulleitungen und die Träger. Das betont das bayerische Kultusministerium auf BR24-Anfrage. Für technische und bauliche Maßnahmen wie Verschattungseinrichtungen oder Kühlsysteme seien die "Sachaufwandsträger" zuständig. Häufig sind das die Städte oder Kommunen. Ein Ministeriumssprecher erläutert: "Im Rahmen der vorhandenen baulichen Gegebenheiten entscheidet die Schulleitung, welche Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Schülerinnen und Schüler und Beschäftigten zu ergreifen sind."
Von bayernweiten Hitzeschutz-Standards, wie sie der Elternverband fordert, hält das Kultusministerium nichts: "Jegliche starren Regelungen bzw. Verpflichtungen würden die dringend notwendige Flexibilität der Schulen unnötig einschränken." Lehrkräfte und Schulleitungen könnten schon jetzt "vielfältige Maßnahmen ergreifen, um für kühlere Raumtemperaturen zu sorgen". Gleichzeitig prüfe man mit dem Gesundheitsministerium und weiteren Beteiligten, wie der Hitze- und UV-Schutz "im Sinne des Masterplans Prävention" [externer Link] berücksichtigt werden könne.
BLLV-Präsidentin Fleischmann: Nachrüsten, wo es sinnvoll ist
Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband sieht ebenfalls großen Handlungsbedarf. "Die Rückmeldungen aus den Schulen zur jüngsten Hitzewelle sind zwar sehr unterschiedlich", sagt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann auf BR24-Anfrage. "Aber angesichts eines bundesweiten Investitionsstaus von deutlich über 60 Milliarden Euro allein bei Schulgebäuden fehlt es natürlich vielerorts auch beim Arbeits- und Gesundheitsschutz."
Man müsse Lüftung und Kühlung nachrüsten, wo das nötig und finanzierbar sei. Außerdem müssten die gesetzlichen Arbeitsschutzregeln bei Hitze auch für die Schulen gelten. Würde bedeuten: Ab 30 Grad Raumtemperatur muss es wirksame Schutzmaßnahmen geben, ab 35 Grad gilt ein Raum ohne besondere Schutzmaßnahmen als nicht mehr geeignet.
Maßnahmen gegen Hitze: "Auch künftig individuell entscheiden"
Was Fleischmann wichtig ist: Die Schulleitungen würden schon jetzt bestmöglich auf Hitzetage reagieren. "Das muss auch künftig individuell vor Ort entschieden werden, weil die Verantwortlichen dort die Gegebenheiten am besten kennen." Den Unterricht verschieben oder in den Schatten draußen verlagern, Lüften durch den Hausmeister am frühen Morgen, Projekte im kühlen Wald – das und mehr passiere schon jetzt an Hitzetagen.
Für den BLLV ist klar: Die Herausforderung wird nicht kleiner. "Bayern hat traditionell spät Sommerferien und den ganzen Juli noch Schule", betont Fleischmann. Viel spreche dafür, dass es künftig vermehrt schon ab Juni sehr heiß werde.
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