"Uli, Uli, Uli!" So wird der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Wernigerode in Sachsen-Anhalt begrüßt. Auf der anderen Seite stehen die Gegendemonstranten und pfeifen ihn aus. Der 35-Jährige polarisiert – bei den AfD-Anhängern wird er dafür gefeiert. Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt laut mehrerer Umfragen bei 41 Prozent. Sie will in Sachsen-Anhalt die Regierung übernehmen, die meisten Abgeordneten im Parlament stellen. Die CDU dümpelt bei 24 Prozent. Markus Söder will den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt unterstützen. Zu den schlechten Umfrage-Werten der Union sagt er im BR-Politikmagazin Kontrovers: "Natürlich wird es ein schwerer Wahlgang werden, aber ich glaube, am Ende gibt es eine gute Chance, eine Mehrheit nicht nur jenseits der AfD, sondern auch für eine CDU zu erringen."
Schulze: "Wir machen das schon!"
In Sachsen-Anhalt sind die Kontrovers-Reporter dabei, als Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) im Jobcenter in Sangerhausen das Projekt "Bürgerarbeit" vorstellt. Die CDU will hier Langzeitarbeitslose und Asylbewerber schneller in Arbeit bringen. Die Arbeitslosenquote im Landkreis Mansfeld-Südharz zählt zu den höchsten in Deutschland. Schulze sagt über die AfD, ohne sie beim Namen zu nennen: "Jetzt im Wahlkampf – von einer Partei wird immer gesagt, wenn wir Verantwortung tragen… da müssen alle arbeiten. Erstmal möchte ich nicht, dass die in Verantwortung kommen, das ist natürlich klar. Aber noch viel mehr: "Wir machen das schon!"
Söder: "Reicht noch nicht"
Die CDU will der AfD einige Themen nicht einfach überlassen. CSU-Chef Söder ist der Auffassung, dass die Schwesterpartei in Sachsen-Anhalt "knackig konservativ" sei und Wert auf Sicherheitsfragen lege. Söder zeigt sich im Interview mit Kontrovers aber auch teilweise selbstkritisch: "Es reicht noch nicht, was getan wurde. Reformen müssen fortgesetzt werden, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu stärken. (…) Wir sind noch lange nicht am Ende bei dem Thema Rückführung, bei dem Thema Abschiebung beispielsweise. Auch wenn mehr läuft denn je. Und wir brauchen jetzt auch dringend andere Gesetze aus den Ereignissen, die wir in Berlin gesehen haben. Das Jugendstrafrecht nicht mehr so anzuwenden wie bisher. Gefährder im Zweifelsfall viel stärker auch zu bestrafen."
AfD verspricht Geldgeschenke
In Sachsen-Anhalt lädt AfD-Spitzenkandidat Siegmund zur Fahrt auf den Brocken. In ihrem so genannten "Regierungsprogramm" beklagt die AfD das "Aussterben des deutschen Volkes". Dagegen wolle man vorgehen. Die AfD verspricht Geldgeschenke, wenn die Partei an der Macht ist: "Als Zeichen der Unterstützung (...) werden wir ein Baby-Begrüßungsgeld in Höhe von 2.000 Euro für die ersten beiden Kinder und von 4.000 Euro für jedes weitere Kind einführen", heißt es im Programm. Eine Zugangsvoraussetzung dafür sei allerdings die deutsche Staatsbürgerschaft mindestens eines Elternteils. Über die Finanzierung sagt Ulrich Siegmund: "Wir haben im Bundesland hunderte Millionen Euro, die wir verschenken. Indirekt in die ganze Welt nämlich, insbesondere für Leute, die hier eigentlich gar keinen Rechtsanspruch darauf haben, hier zu sein, die unser Land, unser System ausnutzen. Zum Beispiel die 4.800 ausreisepflichtigen Personen, die sehr viel Geld kosten."
Söder setzt auf Fortsetzung der Regierung
Dass ein AfD-Mann in Sachsen-Anhalt erster Ministerpräsident in Deutschland werden könnte, will sich Markus Söder im Interview mit dem BR-Politikmagazin Kontrovers nicht vorstellen: "Das Beste wäre, wenn es eine Fortsetzung der bisherigen Regierungsarbeit gibt, vor allem unter dem Ministerpräsidenten, dem Neuen, weil ich glaube, dass er eine sehr, sehr gute Arbeit macht und dass er Sachsen-Anhalt auch in Deutschland gut positionieren kann. Das wird die entscheidende Frage sein."
Sachsen Anhalt · Warum hat die AfD hier so viel Zulauf?
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