Familie Binder aus Worms ist zum ersten Mal in Garmisch-Partenkirchen. Weil die Hotels im Ort zu teuer waren, ist die fünfköpfige Familie auf das Umland ausgewichen. In einem Drei-Sterne-Hotel zahlen sie 2.300 Euro für eine Woche. Vom "angeblich netten Hotel" mit Drei-Sterne-Service sind sie enttäuscht, erklärt Tanja Binder: "Es gibt einen Check-in-Automaten vor der Unterkunft. Es ist der dritte Tag, den wir da sind, und wir haben noch niemanden angetroffen vom Hotel, es gibt keinen Zimmerservice."
Mit solchen Erfahrungen und vor allem den saftigen Zimmerpreisen sind sie keine Ausnahme. Das bestätigt die Befragung weiterer Alpenurlauber in Garmisch-Partenkirchen und Füssen, und das zeigt auch ein Blick in einschlägige Buchungsportale. Da sehen die Preise im Allgäu, beispielsweise in Füssen rund um Neuschwanstein oder in Oberstdorf, ähnlich hoch aus wie in Garmisch-Partenkirchen.
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Steigende Hotelpreise – besonders in Alpenorten
Dass Hotelzimmer immer teurer werden, bestätigt auch Stefan Egenter, Geschäftsführer der Allgäu GmbH. Höhere Kosten für Energie, Personal, Lebensmittel und notwendige Investitionen seien die Ursache. Den Anstieg gebe es deshalb überall in Deutschland und im Alpenraum. Tatsächlich setzen aber gerade die Alpenorte neue Höchstwerte. Details zum Anstieg der Übernachtungspreise lassen sich schwer ermitteln. Vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga heißt es auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks: "Wir verfügen leider nicht über die gewünschten Zahlen."
Versuchen, Zimmer bei kleineren Anbietern zu finden
Die anerkannte Tourismus-Beratungsfirma Kohl & Partner beziffert den Durchschnittspreis für eine Hotelübernachtung in dieser Sommersaison auf 330 Euro in Südtirol und 240 Euro in Bayern. Zur Spitze der Hochsaison Mitte August liegen diese Preise noch höher. Stefan Egenter verweist dagegen auf die Mischung unterschiedlichster Betriebe, von kleinen Privatpensionen über Bauernhöfe bis zu den Hotels. So gebe es auch Möglichkeiten für den kleinen Geldbeutel. Die Vielfalt des Angebots betont auch Walter Rutz, Tourismuschef in Garmisch-Partenkirchen. Es gebe auch kleine Hotels, wo eine Übernachtung für 150 Euro zu bekommen sei.
Wer jetzt in der Hochsaison so ein Zimmer findet, braucht an den beliebten Orten allerdings eine gute Portion Glück, wie eigene Erfahrungen zeigen.
Urlauber sparen an anderer Stelle
Die Auswirkungen der hohen Unterkunftspreise seien bereits spürbar, so Walter Rutz: Hotels oder auch der Einzelhandel melden ihm zufolge eine merkliche Zurückhaltung der Gäste beim Konsum. Bei Einkäufen oder abends an der Bar wird inzwischen gespart.
Auch Institutionen wie die Natursport Akademie, die Berg- und Wassersportlehrer für Mountainbike, Kajak oder Wandern ausbildet, müssen sich anpassen. Projektleiterin Christine Hammer berichtet, dass etwa Lehrgänge an Orte mit günstigeren Unterkünften verlegt wurden: "Das klassische Hotel für 200 Euro die Nacht können wir unseren Teilnehmern nicht anbieten, in keinem der Lehrgänge, das geht nicht."
Bezahlbare Unterkünfte meist erst in Nebensaison
Flexibel bleiben und genau hinschauen lohnt sich, denn die Preise schwanken auch zwischen den verschiedenen Alpenorten und erst recht in den unterschiedlichen Regionen Bayerns. Ganz genau lassen sich die Zahlen nicht vergleichen, aber aktuelle Mittelwerte für Hotelzimmer liegen beispielsweise bei 300 Euro in Garmisch-Partenkirchen, 150 Euro im Achental im Chiemgau oder 100 Euro in Bischofsgrün im Fichtelgebirge.
In Garmisch-Partenkirchen beobachtet Tourismuschef Walter Rutz die Entwicklung genau: "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht überziehen. Wo ist das Ende erreicht, wo kann ich noch Familie mitnehmen?" Wirklich günstiger wird es erst in der Nebensaison. Familien mit schulpflichtigen Kindern nützt das allerdings wenig, wenn sie mit dem Nachwuchs einmal die Alpen erleben wollen.
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