Der Gasthof Wiethaler im mittelfränkischen Lauf an der Pegnitz war lange ein Ziel für Genießer aus dem Nürnberger Umland. Selbst dann, wenn dafür eine längere Autofahrt nötig war. Doch mit den stark gestiegenen Spritpreisen hat sich das Verhalten vieler Gäste spürbar verändert.
"Man spart sich den Sprit, um bei uns aufs Land rauszufahren", berichtete Gastwirtin Juliane Dorn in der BR-Sendung Münchner Runde. Wer dennoch kommt, hält sich häufiger zurück: "Wenn alles teurer wird, ist es natürlich verständlich, dass vielleicht das Geld fehlt – für eine Vorspeise oder Nachspeise."
Holetschek fordert mehr Leistungsbereitschaft
Der Spediteur Thomas Dettendorfer plädierte für mehr Spielraum bei zusätzlicher Arbeit. "Am meisten würde man der Gastronomie oder uns im Handwerk helfen, wenn man endlich die Mehrarbeit möglich machen würde", sagte er. Sein Vorschlag: Überstunden sollten steuerfrei gestellt werden. "Dann schafft man mehr Produktivität, die Leute verdienen mehr Geld und die Arbeit wird erledigt."
Auch aus der Politik kommen entsprechende Signale. Klaus Holetschek, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, mahnte ein gesellschaftliches Umdenken an: "Wir werden dieses Land nur wieder nach vorne bringen, gemeinsam, mit einer großen Kraftanstrengung", sagte er. Dafür brauche es den "Willen, auch Leistung in den Mittelpunkt zu stellen".
Zugleich müsse sich mehr Einsatz finanziell auszahlen: "Wenn du mehr Leistung bringst, hast du mehr im Geldbeutel." Holetschek betonte: "Ohne Leistung wird es keinen Wohlstand geben."
Mehr Arbeit oder bessere Arbeit?
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sieht das Problem nicht in einer mangelnden Leistungsbereitschaft der Gesellschaft. "Wir haben ungewöhnlich viel Beschäftigung, wir haben ungewöhnlich viele Arbeitsstunden", sagte er. Das Bild, Beschäftigte seien faul, gelte es zu korrigieren. Gerade Frauen in Teilzeit würden häufig gern mehr arbeiten, aber es fehle an ausreichenden Betreuungsmöglichkeiten. Entscheidend sei zudem nicht nur, wie viele Stunden gearbeitet werden, sondern wie produktiv diese Zeit genutzt werde. "Wir müssen über die Qualität von Arbeit reden, viel mehr als die Quantität", so der Wirtschaftswissenschaftler.
Ronja Endres, Vorsitzende der BayernSPD, knüpfte daran an. Um das Arbeitsvolumen zu erhöhen, brauche es bessere Rahmenbedingungen, etwa durch den Ausbau der Kinderbetreuung: "Wir müssen zum Beispiel gucken, dass alle, die in Vollzeit arbeiten wollen, auch die Möglichkeit dazu haben", sagte sie und plädierte für einen deutlich stärkeren Ausbau von Betreuungsinfrastruktur.
Traditionsunternehmen unter Druck
Ob mehr Leistungsbereitschaft, steuerfreie Überstunden oder bessere Kinderbetreuung. Viele der diskutierten Ansätze könnten Unternehmerinnen wie Juliane Dorn helfen, durch schwierige Zeiten zu kommen. "Uns gibt's schon sehr lange, wir sind schon die dritte Generation. Seit 1498 wurde an dieser Stelle schon ausgeschenkt und wurden Gäste schon bewirtet", sagte Dorn. Umso größer ist die Sorge, dass ihr Familienunternehmen ins Wanken geraten könnte. "Es wäre sehr, sehr schade, wenn diese Tradition nicht mehr so stattfinden kann."
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