Die LauTbuam aus dem Landkreis Würzburg West bauen seit 2013 einen eigenen Faschingswagen.
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Die LauTbuam aus dem Landkreis Würzburg bauen seit 2013 einen eigenen Faschingswagen.
Bildrechte: BR/Mona Böhm
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"Infiziert vom Fastnachtsvirus": Faschingseinsatz auf dem Dorf

"Infiziert vom Fastnachtsvirus": Faschingseinsatz auf dem Dorf

Vom Faschingswagen bis zur Organisation der Prunksitzungen: Fasching auf dem Dorf wird in Unterfranken selbst gemacht. Doch das funktioniert nur, weil alle mit anpacken. Und zwar mit Leidenschaft, Zeit und auch persönlichem Risiko.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

14 Meter ist er lang: einer der größten Faschingswagen in Unterfranken. Der gehört aber nicht etwa einem Verein, sondern den "LauTbuam", einer Freundesgruppe aus dem Landkreis Würzburg. Schon 2013 haben sie ihren ersten Faschingswagen gebaut, erzählt Benedikt Scheder aus Höchberg. Mit dem Sattelauflieger haben sie letztes Jahr nochmal aufgestockt. "Es ist die Gaudi, das miteinander Feiern", sagt er – "und wenn man dann hört: geiler Wagen, sieht top aus! Das macht einfach glücklich."

Freundesgruppe kauft eigenen Lkw-Anhänger

Doch dafür mussten die "LauTbuam" einiges in die Hand nehmen. Zu siebt haben sie im vergangenen Jahr knapp 18.000 Euro investiert, aus eigener Tasche. "Wir hoffen, dass es vielleicht irgendwann wieder zurückkommt", sagt Benedikt, garantiert ist das aber nicht. An vier Umzügen in der Region wollen die Faschingsfans dieses Jahr teilnehmen, mit bis zu 70 Personen auf dem Wagen. Dafür steht noch viel Arbeit an: Für die Sicherheit müssen Geländer montiert werden, für die Party müssen Sound und Lichtshow stehen. Und die Fassade des großen Anhängers soll passend zum Motto "Super Mario" verkleidet werden.

"Ein Herzensprojekt und nicht einfach nur Party"

Natascha Gottselig aus Höchberg kümmert sich zusammen mit ihren Freundinnen um die Optik. In mühevoller Detailarbeit haben sie große Holzplatten mit Videospiel-Motiven bemalt. Über das Motto haben sie auf ihrem Instagram-Kanal abstimmen lassen. Nebenher ist Natascha auch noch mit der Suche nach Sponsoren beschäftigt, gerade bei Wurfmaterial wie Süßigkeiten gar nicht so leicht.

Aber weglassen kommt nicht infrage, sagt die Erzieherin: Die "LauTbuam" möchten mehr sein, als ein reiner Partywagen. Für sie sei es ein Herzensprojekt. Genau wie die anderen Mädels brennt Natascha für den Fasching: Nebenher tanzen sie alle noch in der örtlichen Schautanzgruppe und trainieren das Männerballett.

Prunksitzung in Leinach: Ein ganzes Dorf im Faschingsfieber

Dass Ehrenamtliche an Fasching gleich mehrfach eingespannt sind, ist in Unterfranken keine Seltenheit. Denn neben den Umzügen sind es die Prunksitzungen, die die Fastnacht auszeichnen. Während mancherorts dafür verschiedenste Schautanz-Gruppen eingeladen werden, wird in Leinach im Landkreis Würzburg alles selbst gestemmt: Rund 100 Menschen tanzen, halten Büttenreden, machen Musik und stellen damit in dem 3.000-Seelen-Ort ein buntes Programm auf die Beine. Dieses Jahr dreht sich dabei alles um das Motto "Gangster, Gauner und Ganoven". Weitere Ehrenamtliche helfen bei Technik, Aufbau und Bewirtung.

Im Video: Warum die Sitzungspräsidentin am Ende in Tränen ausbricht

Sitzungspräsidentin Kettemann: "Am Strand gelegen und Bütten geschrieben"

Für Sitzungspräsidentin Ute Kettemann ist das der "echte" Fasching, wo alles noch handgemacht wird – die Jugend eingebunden, die Bütten selbst ausgedacht. Doch es ist auch ein Kraftakt, der schon lange vor Fasching beginnt. Sie nehme die Vorbereitung gern mit in den Sommerurlaub, sagt Kettemann: "Ich habe schon am Strand gelegen und Bütten geschrieben." Für sie ist das in Ordnung, denn sie sei einfach "infiziert vom Fastnachtsvirus". Vier Prunksitzungen haben die Leinacher dieses Jahr auf die Bühne gebracht, vor jeweils rund 160 Gästen, die meisten von ihnen selbst aus Leinach.

Die erste Bütt mit sechs Jahren

Und während andere um Ehrenamtliche kämpfen müssen, ist beim Fasching in "Leini" für den Nachwuchs gesorgt. Klemens Künzig (12) und Jonathan Sachs (10) halten mutig die Kinderbütt. Jonathan hielt schon mit sechs Jahren seine erste kleine Bütt. Und bei der Purzelgarde dürfen sogar noch Jüngere mitmachen. Ute Kettemann muss sich also keine Sorgen machen: Hier will man noch lange den Fasching "selber machen".

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