Für Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat das vergangene Jahr eine klare Asylwende gebracht. "Die Asylwende ist in vollem Gange", sagte der CSU-Politiker. So seien die Zahlen der Asylbewerber um 57 Prozent zurückgegangen. Zudem habe es im letzten Jahr insgesamt 3.649 Rückführungen, also Abschiebungen, aus Bayern gegeben. Das sei eine Steigerung um 21 Prozent, betonte Herrmann. In der gleichen Zeit seien freiwillige Ausreisen um sieben Prozent gestiegen.
Weniger Ukrainer kommen nach Bayern
Bei den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine ist laut Herrmann ein Rückgang um etwa 15 Prozent zu verzeichnen. Im vergangenen Jahr kamen rund 17.000 Ukrainer nach Bayern. 2024 waren es noch etwa 20.000. Ukrainer sind keine Asylbewerber, untergebracht sind sie aber dennoch in bayerischen Asylunterkünften. Aktuell sind sie dort die größte Gruppe.
Zu Jahresende (Stand 22. 12. 2025) lebten etwa 31.100 Ukrainer, etwa 20.200 Afghanen und rund 16.500 Syrer in bayerischen Asylunterkünften (Ankerzentren, Gemeinschaftsunterkünfte und dezentrale Unterkünfte). Insgesamt waren zum Jahreswechsel rund 124.500 Personen in Bayerns Asylunterkünften untergebracht. Ende 2024 lebten noch rund 138.000 Personen in bayerischen Asylunterkünften.
Herrmann: "Rückführung von Straftätern am wichtigsten"
Am wichtigsten ist laut Herrmann weiterhin die Rückführung von Straftätern. 2025 wurden laut Innenministerium 1.405 Personen abgeschoben, die zuvor strafrechtlich verurteilt worden waren. Demnach betrug der Straftäteranteil unter den Rückgeführten knapp 40 Prozent. "Ich begrüße es besonders, dass endlich auch wieder schwere Straftäter nach Afghanistan rückgeführt werden", sagte Herrmann.
Innenminister sieht Entlastungen bei Kommunen
Aufgrund der sinkenden Zugangszahlen und Steigerungen bei den Aufenthaltsbeendigungen sieht Herrmann eine "spürbare Entlastung" bei den Kommunen. In Summe sei kein Zuwachs an Unterkunftsplätzen mehr erforderlich. Einige Unterkünfte könnten sogar geschlossen werden, betonte Herrmann. "Konsequent beenden wollen wir vor allem besonders teure Unterkünfte. Das betrifft etwa Hotels und noch verbliebene Notunterkünfte." In Bayern muss laut Herrmann mittlerweile keine Schulturnhalle mehr für die Asylunterbringung genutzt werden.
Bayerischer Städtetag sieht Situation der Unterbringung kritisch
Auch der Bayerische Städtetag sieht eine Entspannung bei den Kommunen, weil die Asylbewerberzahlen abgenommen haben. Integration sei jedoch für die Kommunen eine Daueraufgabe, sagt der Pressesprecher des Städtetags, Achim Sing, auf BR24-Anfrage. Bei der Unterbringung ist laut Sing die Situation in den Kommunen weiterhin schwierig auch aufgrund des angespannten Immobilienmarkts. Dies gelte vor allem in den Ballungszentren.
SPD fordert mehr Integrationsbemühungen
Die SPD im Bayerischen Landtag sieht angesichts der oftmals schwierigen Haushaltslagen vor Ort die Entlastung von Städten und Gemeinden überaus positiv. "Gleichzeitig dürfen wir jetzt nicht bei unseren Integrationsbemühungen nachlassen", sagt der integrationspolitische Sprecher der SPD, Arif Taşdelen. Denn der bayerische Arbeitsmarkt brauche gut qualifizierte Leute aus dem Ausland, so Taşdelen: "Deshalb haben wir keinerlei Verständnis dafür, dass Herrmanns Amtskollege auf Bundesebene das Angebot an Integrationskursen zusammenstreichen will."
Positiver Ausblick bei der Integration in den Arbeitsmarkt
Bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt kann Herrmann positive Zahlen verkünden. So betonte er bei seiner Jahresbilanz, dass Bayern mit gut 75 Prozent die bundesweit höchste Erwerbstätigenquote von Menschen mit Migrationshintergrund aufweise. Zudem habe der Freistaat im Jahr 2025 mit durchschnittlich 9,0 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote von Ausländern gehabt. Für den bayerischen Arbeitsmarkt sei das ein entscheidender Faktor, so Herrmann.
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