Larven der Schwarzen Soldatenfliege als Schweinefutter.
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Insektenlarven als Superfood für Schweine

Insektenlarven als Superfood für Schweine

Landwirt Manfred Aue will seine Schweine nicht nur vegetarisch ernähren, für ihn sind Insektenlarven Superfood – mit positiven Effekten fürs Tierwohl. Er baut die erste vollautomatische Insektenlarvenmastanlage für Schweinefutter in Deutschland.

Über dieses Thema berichtet: Unser Land am .

Die erste vollautomatische Insektenlarvenmastanlage in der Landwirtschaft zur Futtermittelproduktion in Fürstenzell bei Passau wird riesige Ausmaße haben. Drei Roboter sollen künftig helfen, 1.000 Tonnen Insektenlarven pro Jahr zu erzeugen. Für Landwirt Manfred Aue sind Insektenlarven: Superfood für seine Schweine.

Insektenlarven für Schweine-Gesundheit

In fünf Klimakammern werden die Babylarven elf Tage lang speziellen pflanzlichen Futterbrei fressen und dabei erstaunlich viel zunehmen. So viel, wie wenn aus einem Feldhamster in elf Tagen ein Elefant würde.

In wenigen Wochen soll die Anlage von Manfred Aue in Fürstenzell in Betrieb gehen. Der Landwirt ist davon überzeugt, dass er damit viel für die Gesundheit seiner 3.500 Zucht- und Mastschweine tut.

Tierisches Eiweiß für die Schweinemast

Seit drei Jahren experimentiert der Landwirt mit den Larven der Schwarzen Soldatenfliege als Futter vor allem für Ferkel. 2021 hat die EU das Verfüttern von Insektenlarven an Schweine, Geflügel und Fische erlaubt.

Nach Manfred Aues Erfahrung sind die Schweine damit ruhiger und gesünder. Sie haben weniger Durchfallerkrankungen und nehmen besser zu als mit dem bisherigen Standardfutter. Der Schweinebauer erklärt das damit, dass Schweine als Allesfresser hochwertiges, tierisches Eiweiß brauchen. In den vergangenen Jahrzehnten habe man die Schweine aber zu Vegetariern gemacht, klagt er.

Nach BSE sei alles verboten worden, was vorher gängig war – wie etwa Knochenmehl, abgekochte Speiseabfälle oder Schlachtabfälle, so Aue. Doch wie man an nach Engerlingen oder Würmern wühlenden Wildschweinen sehe, brauchten die Tiere tierisches Eiweiß.

Weniger Schwanzbeißen durch artgerechte Ernährung

Und das will er den Hausschweinen in Form von hochwertigem Larven-Eiweiß geben – als Beitrag zur artgerechten Ernährung. Manfred Aue beobachtet auch, dass das Schwanzbeißen bei den mit Insektenlarven gefütterten Ferkeln kein Problem ist.

Wissenschaftlich bewiesen ist all das noch nicht endgültig. Untersuchungen laufen aber. Manfred Aue arbeitet zusammen mit der Hochschule Weihenstephan. Weitere Hochschulen haben ebenfalls schon Interesse gezeigt.

Manfred Aue ist in Sachen Larven verfüttern ein Pionier. Laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft experimentieren bisher nur wenige Betriebe mit Insektenproteinen in der Schweinefütterung. Fachleute rechnen jedoch mit einem Wachstum dieses Marktes.

Insektenlarvenmastanlage: Mehrere Millionen investiert

Bisher bekommt der Landwirt aus dem Landkreis Passau die Insektenlarven von der Firma Agritech-Solution aus Reichertshofen in Oberbayern. Aber die betreibt nur eine kleine Pilotanlage. Die wenigen Larven reichen nicht aus für Manfred Aues 3.500 Zucht- und Mastschweine. Mehrere Millionen Euro hat der Landwirt deshalb in seine Insektenmastanlage investiert, komplett kreditfinanziert. In den nächsten Wochen soll die Produktion starten.

Die Hürden bis zu diesem Punkt waren hoch. Da es die erste derartige Anlage in Deutschland ist, wurden Teile seiner Anträge nicht nur auf bayerischer, sondern sogar auf Bundesebene geprüft. Das hat viel Zeit gekostet. Und die üblichen baurechtlichen Genehmigungen musste der Landwirt natürlich auch einholen. Manfred Aue ist die Anlage all die Mühe wert, denn sie passt zu seiner Vision.

Insektenlarvenfutter: Regional und nachhaltig

Der Landwirt will nachhaltig und regional wirtschaften. Schon lange fermentiert er schwer verdauliches, einheimisches Rapsschrot und ersetzt damit importiertes Sojaschrot. Mit den Larven will er Fischmehl aus überfischten Meeren ersetzen. Das Larvenfutter kostet zwar mehr als das herkömmliche Futter, aber Manfred Aue hält es eben für. Schon jetzt hat er mehrere Anfragen von Berufskollegen, die Insektenlarven von ihm beziehen wollen.

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