Gut integrierter Pfleger des Schwandorfer Elisabethenheims, Youssef Jomaa, soll in seine Heimat Syrien zurück
Gut integrierter Pfleger des Schwandorfer Elisabethenheims, Youssef Jomaa, soll in seine Heimat Syrien zurück
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Pfleger Youssef Jomaa füttert eine Bewohnerin des Schwandorfer Elisabethenheims.
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Pfleger Youssef Jomaa füttert eine Bewohnerin des Schwandorfer Elisabethenheims.

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Integriert und ausreisepflichtig: Heim in Sorge um Mitarbeiter

Integriert und ausreisepflichtig: Heim in Sorge um Mitarbeiter

Ein Pflegeheim in Schwandorf bangt um einen syrischen Mitarbeiter: Der junge Mann soll abgeschoben werden, und das, obwohl er integriert ist und gebraucht wird. Verbände kritisieren die aktuellen Abschiebe-Methoden, sie träfen häufig die Falschen.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Mit einem Lächeln betritt Youssef Jomaa den Speisesaal des Elisabethenheims in Schwandorf. Der 28-Jährige hilft den Bewohnerinnen und Bewohnern beim Essen und hält den ein oder anderen Plausch mit den Senioren. Seit knapp zwei Jahren arbeitet er als Pflegehelfer in dem Altenheim. "Für mich ist das mehr als ein Job, ich habe auch eine Verantwortung übernommen", sagt er. 2023 war er als Geflüchteter von Syrien nach Deutschland gekommen. Hier hat er Fuß gefasst und ist bei den Kollegen und Bewohnern allseits beliebt.

Von Youssef zu "Sepp": Pflegehelfer droht Abschiebung

"Sepp", so nennen die meisten den jungen Mann jetzt, und Youssef gefällt sein bayerischer Spitzname richtig gut. Der junge Syrer könnte als Paradebeispiel für geglückte Integration gelten. Doch Anfang des Jahres erhält der 28-Jährige einen Brief von den deutschen Behörden: Er soll in sein Heimatland abgeschoben werden.

Bewohnerin Karin Fischer sagt im Gespräch mit dem BR: "Das finde ich nicht in Ordnung. Solche Leute sollten wir behalten, wir brauchen so viel Pflegepersonal und die setzen sich wirklich ein."

Verständnis für das Vorgehen der Behörden fehlt auch Youssefs Kollegen Sascha Wahl: "Wir holen ja eh schon die Leute aus dem Ausland, damit sie bei uns in der Pflege arbeiten und die Leute, die hier sind, schicken wir wieder weg, das macht nicht viel Sinn."

Pflegeheim ist auf Ausländer angewiesen

Rund 200 Menschen arbeiten im Elisabethenheim, etwa ein Viertel davon sind Ausländer. Ohne sie würde der Betrieb zusammenbrechen, sagt Galina Klein von der Heimleitung. "Wir haben im Haus 25 Nationen, 17 Mitarbeiter haben noch keinen gesicherten Aufenthaltsstatus. Wenn wir diese Mitarbeiter verlieren würden, könnten wir die Pflege nicht mehr gewährleisten."

Laut dem Bayerischen Flüchtlingsrat ist Youssef Jomaa kein Einzelfall. Immer wieder würden Menschen abgeschoben, die eigentlich gut integriert sind.

Behörde: Beschäftigung schützt nicht vor Abschiebung

Vom Bayerischen Innenministerium heißt es auf BR-Anfrage, das Asylverfahren diene nicht der Behebung eines Arbeits- und Fachkräftemangels. So heißt es: "Nach der klaren bundesgesetzlichen Rechtslage stellt ein Beschäftigungsverhältnis – ebenso wenig wie Sprachkenntnisse – keinen Duldungsgrund dar und schützt für sich gesehen nicht vor einer Abschiebung." Asylbewerber, denen keine Verfolgung im Heimatland drohe, müssten deshalb wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren. Wer in Deutschland arbeiten will, könne ein entsprechendes Visum beantragen.

Abschiebungen lösen Kritik aus

Stephan Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat kritisiert dieses Vorgehen: "Zu sagen: Der kann doch nachhause gehen, zurück ins Herkunftsland, und dann mit einem Ausbildungsvisum wieder herkommen, das ist ein totaler Wahnsinn, das kostet einen Haufen Geld, das dauert Monate." Den Behörden gehe es in erster Linie darum, hohe Abschiebezahlen zu generieren, meint Dünnwald.

Auch Alexander Schraml, Vorsitzender des Bundesverbandes der kommunalen Senioren- und Behinderteneinrichtungen e.V. (BKSB), übt Kritik: "Offenbar entscheiden hier Verwaltungskräfte, die keine Ahnung von der aktuellen Situation auf dem Pflegemarkt haben. [...]"

Ausbildungsplatz als Rettung?

Youssef Jomaa hat sich bereits einen Anwalt genommen. Er will im August seine Ausbildung als Pflegefachhelfer beginnen und hofft, dass er so in Deutschland bleiben kann. Denn vom Innenministerium heißt es auch, es gebe Ausnahmen wie die Ausbildungsduldung für ausreisepflichtige Ausländer.

Integriert und leicht auffindbar

Margit Berndl, Vorständin für Verbands- und Sozialpolitik des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in Bayern, sagt, der Fokus bei Abschiebungen liege "längst nicht mehr nur auf verurteilten Straftätern. Abschiebungen erfolgen zunehmend auch aus Bildungseinrichtungen wie Pflegeschulen oder direkt vom Arbeits- und Ausbildungsplatz. Selbst Patienten in Kliniken sowie psychosozialen Einrichtungen sind betroffen."

Besonders betroffen von Abschiebungen seien all jene, die für Behörden leicht auffindbar sind, sagt Berndl. "Im Bundesgebiet, sehr deutlich auch in Bayern, scheinen möglichst hohe Abschiebezahlen der Maßstab zu sein. Der Einzelfall wird nicht mehr gesehen. Diese Praxis verurteilen wir aufs Schärfste. Gerade Geduldete in Arbeits- und Ausbildungsverhältnissen brauchen tragfähige und vor allem verlässliche Bleibeperspektiven."

Im Video: Pfleger Youssef aus Schwandorf droht die Abschiebung

Youssef bei seiner Arbeit mit Senioren im Pflegeheim in Schwandorf.
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Youssef "Sepp" Jomaa bei der Arbeit im Oberpfälzer Pflegeheim.

Auf Instagram: Pflegeheim kämpft für seinen Sepp

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