"Hallo meine Freunde!", ruft Hossam Al Aziz zwei Bewohnern des Speichersdorfer Seniorenwohn- und Pflegeheims zu. Al Aziz liebt seinen Job. "Ich mache das von Herzen gern", sagt er. Seit einem Jahr arbeitet er hier in Vollzeit. Doch wenn es nach der Ausländerbehörde geht, hat das bald ein Ende.
CSU will härtere Migrationspolitik
Anfang des Jahres hat sich die CSU im Bundestag für eine weitere Verschärfung der Asyl- und Migrationspolitik ausgesprochen und fordert die Rückkehr der meisten Syrer. Doch viele von ihnen sind gut in ihren neuen Gemeinden angekommen und arbeiten dort, wo sie dringend gebraucht werden. Al Aziz ist vor zwei Jahren aus Syrien geflüchtet, hat Deutsch gelernt und sich in die Gemeinde integriert. Am 31.12.2025 bekam er dann den "gelben Brief" von der Ausländerbehörde mit der Botschaft: Sein Asylantrag wurde abgelehnt.
Die Pflege braucht Migration
Ein Schock für den 26-Jährigen. "Ich bin doch ein Mensch und kein Auto, dass man einfach wegwerfen kann", sagt er. Auch seine Chefin Heidrun Neubler, Einrichtungsleiterin, versteht die Entscheidung nicht. "Wir brauchen in der Pflege dringend Personal. Wir holen uns die Arbeitskräfte ja schon extra von woanders her." In Deutschland stammt laut dem Rat für Migration jede fünfte Pflegekraft aus dem Ausland. Viermal mehr als noch vor zehn Jahren. Der Grund: "Es gibt einfach nicht genügend Deutsche", sagt Neubler.
Syrerinnen und Syrer sind laut dem Rat für Migration mit rund einer Million Menschen in Deutschland nach den Ukrainern die zweitgrößte Gruppe Geflüchteter. Ein Viertel der Syrerinnen und Syrer ist laut Bundesagentur für Arbeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Gut zehn Prozent sind ausreisepflichtig, 900 Personen, also 0,1 Prozent, haben laut Ausländerzentralregister keine Duldung.
Al Aziz bei allen geschätzt
Das Problem bei Hossam Al Aziz: Er hat keine anerkannte Ausbildung. In Syrien hat er sich zwar zum Laborassistenten ausbilden lassen, das wird hier aber nicht anerkannt. Die Stelle im Pflegeheim hat er sich auf eigene Initiative hin gesucht. Ausgebildeter Pfleger ist er nicht, missen will ihn im Pflegeheim aber auch niemand. Auch der Bewohner Alfred Bauer schätzt den syrischen Pfleger. Bauer sagt, mit Tränen in den Augen: "Er arbeitet so fleißig und so zufrieden. Hoffentlich bleibt das so. Hoffentlich bleibt er da."
Gottesdienst will "gelben Briefen" Gesichter geben
Die Gemeinde setzt sich für Al Aziz ein und hat sich an den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gewandt. Eine Antwort steht noch aus. Am Sonntag findet zudem ein Gottesdienst für Al Aziz und andere Geflüchtete statt. Bürgermeister Christian Porsch (UBV) sagt: "Da besteht die Möglichkeit, mit den jungen Menschen in Kontakt zu kommen, die seit zwei Jahren bei uns leben." Im Anschluss an den Gottesdienst will die Gemeinde "Hoffnungslichter" anzünden, erklärt Pfarrer Hannes Kühn. Auf die Art sollen die "gelben Briefe" Gesichter bekommen.
Al Aziz hat derweil gegen den Abschiebebescheid geklagt. Seine letzte Chance könnte eine Ausbildung in der Pflege sein. Die kann er im September in Speichersdorf beginnen. Doch bis dahin bleiben ihm wenig Zeit, aber viele bürokratische Hürden.
Dieser Artikel ist erstmals am 25. Januar 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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