Ab heute müssen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern über eine kommunale Wärmeplanung verfügen. Das schreibt das Wärmeplanungsgesetz vor.
Warum braucht es die kommunale Wärmeplanung?
Die Bundesregierung strebt im Rahmen der Wärmewende an, den deutschen Gebäudesektor bis 2045 klimaneutral zu machen. Fossile Energieträger sollen schrittweise durch erneuerbare Energien wie Wärmepumpen und den Ausbau kommunaler Wärmenetze ersetzt werden. Städte und Gemeinden sollen einen Plan erstellen, wie zukünftig die Wärmeversorgung vor Ort klimaneutral ausgestaltet werden kann. Das Konzept der Wärmeplanung gibt an, wo zukünftig welche Form der Heizung möglich sein wird.
Welchen Nutzen hat der Verbraucher vom kommunalen Wärmeplan?
“Der Wärmeplan bringt dem Verbraucher Sicherheit“, sagt Alexander Beer, Energieberater bei der Verbraucherzentrale Bayern. Die Frage, welche Heizung man bei sich im Gebäude einbauen sollte, lasse sich so einfacher beantworten. Denn der Wärmeplan legt offen, in welchen Straßen es bereits einen Fernwärmezugang gibt, wo sich eine Erweiterung lohnt und wo sich der einzelne selbst um eine unabhängige Lösung kümmern muss.
Ganz wichtig: Der Wärmeplan dient der Orientierung. "Es besteht kein Zwang zum Anschluss an ein Wärmenetz", sagt Energieberater Beer. Vielmehr sollte jeder einzelne sich rechtzeitig überlegen, welche Energieversorgung für ihn sinnvoll sein könnte, falls seine bestehende Heizung defekt ist und ausgetauscht werden muss.
Haben die acht bayerischen Großstädte einen fertigen Wärmeplan?
Rechtzeitig zum Stichtag können alle acht großen bayerischen Städte einen kommunalen Wärmeplan vorlegen. Als eine der ersten hat München schon im Mai 2024 ein Konzept vorgelegt, gefolgt von Ingolstadt, Nürnberg, Würzburg, Fürth, Regensburg, Augsburg und Erlangen. Nun müssen sich die Städte und kommunalen Stadtwerke überlegen, wie sie den Plan umsetzen.
Angesichts der Finanznot ist das eine echte Herausforderung, betont der Bayerische Städtetag. Über die Entscheidung, ob Fernwärme in einem Gebiet angeboten wird, entscheide die Rentabilität. In dicht besiedelten städtischen Gebieten mit mehrstöckigen Gebäuden und vielen Abnehmern sei es daher eher rentabel, Fernwärme anzubieten. In dünner besiedelten Vierteln werden die Strecken für die Verlegung der Fernwärme-Leitungsrohre lang und die Kosten steigen.
Auch ein Großteil der mittelgroßen Gemeinden arbeitet bereits an der Wärmeplanung oder hat diese schon abgeschlossen. Für Kommunen mit unter 100.000 Einwohnern läuft die gesetzliche Frist noch bis zum 30. Juni 2028.
Beispiel: Wie schaut die Wärmeplanung für Ingolstadt aus?
Wo verdichteter Wohnungsbau ist und wo auch Großverbraucher stehen, wie etwa das Klinikum oder Fabriken, könne eine gewisse Anschlussdichte erreicht werden, sagt der Klimamanager der Stadt Ingolstadt, Stefan Schratzenstaller.
Dagegen seien die Bürger, die in Einfamilienhausvierteln leben, eher auf einzelne, individuelle Lösungen angewiesen. "Das soll dann in Zukunft laut Wärmeplanung zum Großteil über Wärmepumpen abgedeckt werden", so der Klimamanager. Um dem Verbraucher möglichst viel Transparenz in Bezug auf den kommunalen Wärmeplan zu bieten, hat die Stadt Ingolstadt extra eine neue Anlaufstelle eingerichtet für kostenlose Erstberatungen. Dort kann sich jeder zum Thema Heizungstausch und Wärmeplanung beraten lassen, auch ohne Termin. "Weiterführend bieten wir auch Vor-Ort-Termine an", sagt Klimamanager Schratzenstaller. Dann könne man ganz konkret Möglichkeiten zum Klimaschutz und zum Heizungstausch planen, Rechnungen durchgehen, die vorhandene Dämmung untersuchen.
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