Nach 15 Jahre langen Sanierungsarbeiten ist das neue Jüdische Kultur- und Gemeindezentrum in der Bayreuther Münzgasse feierlich eröffnet worden. Das Ensemble aus Synagoge, Mikwe und Gemeindezentrum zeige, dass jüdisches Leben nicht versteckt, sondern gelebt werde, so der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, bei der Eröffnung.
- Zum Hintergrund: Jüdisches Leben in Bayern
Ministerpräsident mit Schutzversprechen
Schuster sagte in seiner Rede: "Wir sind hier, wir bleiben hier und wir gestalten diese Stadt mit." Und er betonte auch, dass das Zentrum ein Signal sei, "dass jüdisches Leben nichts ist, was plötzlich 33 vom Himmel gefallen ist und 45 weg war, sondern dass es jüdisches Leben hier in Bayreuth über Jahrhunderte gab, wieder gibt und meine Hoffnung auch in Zukunft geben wird.“
Zur Eröffnung war auch der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor Ort und bezeichnete das dreiteilige Ensemble als regionales, aber auch bayernweit wichtiges Signal für jüdisches Leben. Außerdem gab er ein Schutzversprechen: "Wir dulden keinen Antisemitismus. Alles, was man Juden in Bayern antut, tut man allen an", so Söder. "Jüdisches Leben soll hier blühen, ohne Angst", sagte der Ministerpräsident in seiner Ansprache.
Bayreuth hat 800-jährige jüdische Geschichte
Die Geschichte der Bayreuther jüdischen Gemeinde reicht bis ins Mittelalter zurück. Seit dem 13. Jahrhundert finden sich erste Belege dafür - und auch für die Verfolgung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger. Wie die Stadt Bayreuth schreibt, wurde erst unter dem Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine die Wiedergründung einer jüdischen Gemeinde durch den Hofbankier und Münzlieferanten Moses Seckel 1759 möglich. Er erwarb auch den Gebäudekomplex des alten Komödien- und Redoutenhauses. Das Hintergebäude in der Münzgasse 2 wurde zur Synagoge umgebaut.
Die Synagoge, 1760 eingeweiht, ist die älteste Synagoge Deutschlands, die noch als solche genutzt wird. Die Nähe zum Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus bewahrte sie vor der Zerstörung durch die Nationalsozialisten, zumindest äußerlich. Nicht bewahrt wurden damals die jüdischen Gemeindemitglieder vor der Verfolgung und Tötung durch die Nazis.
Auch Kunstgegenstände wurden in der NS-Zeit aus der Synagoge geraubt. Einige davon kamen in den vergangenen Jahren wieder zurück nach Bayreuth.
Schätze jüdischen Lebens ausgestellt
Im ersten Stock des neuen Gemeindezentrums sind Räume für die Israelitische Kultusgemeinde untergebracht. Im Erdgeschoss Ausstellungsräume für die Öffentlichkeit: Besucher können dort Teile der Genisa, des rituellen Speichers für abgenutzte jüdische liturgische Schriften sehen.
Die berühmte Bayreuther Genisa wurde im Herbst 2009 bei ersten Renovierungsarbeiten im Dachstuhl der Synagoge entdeckt. Die ältesten dort gefundenen Schriftstücke stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die Bücher geben Aufschluss darüber, was damals gelesen wurde, welchen Bildungsstand die Leserinnen und Leser hatten – und ganz speziell, was auch Frauen damals lasen.
Gemeindezentrum, Museum, Ort für Austausch
Bereits seit 2013 kann die neu gebaute Mikwe, das rituelle Tauchbad im Garten der Synagoge, von den rund 320 Gemeindemitgliedern genutzt werden. Auch die Synagoge wurde über Jahre saniert. Mit der Fertigstellung des Gemeindezentrums – direkt gegenüber der Synagoge – hat die Israelitische Kultusgemeinschaft (IKG) in Bayreuth nun einen Ort unter anderem für Veranstaltungen, ein Museum und Platz für Gäste. Das Gemeindezentrum soll künftig auch Möglichkeit für Austausch der jüdischen und nicht-jüdischen Gesellschaft sein.
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