In Bayern gab es im Juni 2026 im Schnitt rund zehn heiße Tage. Das sind Tage, an denen die höchste gemessene Lufttemperatur über 30 Grad liegt. Zum Vergleich: Das langjährige Mittel für Bayern (1991-2020) liegt bei neun heißen Tagen. Im ganzen Jahr. Besonders viele heiße Tage verzeichneten Stationen in Niederbayern und Unterfranken.
"Wenn wir alle Beobachtungen nehmen, die wir seit Ende des 19. Jahrhunderts haben, dann war diese Hitzewelle jetzt Ende Juni einmalig", sagt Lothar Bock vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in München. "So eine starke Hitzewelle haben wir normalerweise später im Jahr, also Ende Juli, Anfang August."
Hitzetage im Juni an vielen Orten auf neuem Rekordniveau
Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Hitzetage im Juni an 45 untersuchten Messstationen seit 1961:
Doch nicht nur die hohe Anzahl an Hitzetagen ist beachtlich. An den meisten Stationen traten sie gebündelt zum Ende des Monats hin auf – bis zu 13 oder 14 Tage am Stück. Für 42 der oben gezeigten Messstationen war es die längste zusammenhängende Hitzeperiode im Juni seit Beginn der Aufzeichnungen.
Hitze gefährdet Herz-Kreislauf-System und Nieren
Elke Hertig, Inhaberin des Lehrstuhls für Regionalen Klimawandel und Gesundheit an der Uni Augsburg, erklärt, was solche Hitzeperioden mit dem Körper machen: "Die Gefäße sind stärker belastet, das Herz muss schneller schlagen, das ganze Herz-Kreislauf-System muss mehr arbeiten."
Schwitzen führt zusätzlich zu Flüssigkeitsverlust, das kann die Nieren stark belasten. Im schlimmsten Fall könnten diese Auswirkungen tödlich sein. Besonders betrifft das etwa Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen, aber auch für jüngere Menschen kann es, so die Expertin, gefährlich werden.
Tropennächte führen zu Dauerbelastung des Körpers
Besonders dann, wenn selbst die Nächte keine Abkühlung mehr bieten. Es kommt zur Dauerbelastung. "Gravierende Auswirkungen von Hitzewellen sehen wir vor allem dann, wenn nachts auch keine Erholung mehr da ist", sagt Elke Hertig.
Auch hier war der Juni 2026 einzigartig im historischen Vergleich. Im bayernweiten Mittel gibt es üblicherweise rund eine Tropennacht pro Jahr. Die meisten Tropennächte im Juni wurden bisher in den Jahren 1947 (Aschaffenburg), 1976 (Sandberg) und 2002 (Scheßlitz) gemessen – jeweils drei. Im Juni 2026 wurde diese Marke an sechs bayerischen Stationen erreicht, an neun sogar übertroffen.
Bis zu acht Tropennächte am Stück im Juni 2026
Und auch die Tropennächte im Juni 2026 reihten sich in den meisten Fällen aneinander – so gab es etwa in Würzburg, aber auch in der kleinen Gemeinde Sandberg in Unterfranken oder auf dem Hohen Peißenberg acht Tropennächte am Stück. Die folgende Grafik zeigt an fünf Beispielen, wie groß der Unterschied dieses Junis zu vorigen auffälligen Jahren ist:
Mit 40,8 Grad wurde in Kitzingen auch ein neuer Temperaturrekord für Bayern aufgestellt. Im Mittel war es der drittwärmste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – trotz der kühlen Tage zu Beginn des Monats.
Mittlere Juni-Temperatur in Bayern steigt
Durchschnittstemperatur in Bayern für den Monat Juni (Grad Celsius)
Hitze und Tropennächte im Juni bald normal?
Lothar Bock vom DWD erklärt, dass für so eine markante Hitzewelle wie jetzt mehrere Faktoren zusammenkommen müssen. In diesem Fall: eine großräumige Hochdruckwetterlage über Europa, im Zusammenspiel mit den langen Tagen im Juni und südlichen Luftströmen, die sich nicht abkühlten, weil auch das Mittelmeer zurzeit sehr warm ist.
Der Fachmann sagt aber ganz klar: "Die Hitzewellen in Bayern haben zugenommen über die letzten 30 Jahre und die Intensitäten haben auch zugenommen – das ist eindeutig der Klimawandel."
Bayernkarte: Der Hitze-Juni 2026 im Überblick
Auf der folgenden Karte können Sie nochmals nachvollziehen, an welchen Stationen die historische Hitzewelle besonders stark ausgeschlagen hat:
Video: Datenanalyse zu Hitzewelle
Datenanalyse zu Hitzewelle
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