Fischer Günther Ruck kennt den kleinen Bach mitten im Auwald in- und auswendig. Schon seine Vorfahren haben das kleine Nebengewässer der Donau gepflegt. Deshalb weiß er, wo eine kleine Grundwasserquelle liegt, die den Bach speist. Das ist für das geplante Projekt ausschlaggebend: Die Quelle ist nämlich im Laufe der Jahre versandet. Jetzt soll sie wieder freigelegt werden – um einen Kältepool zu schaffen.
Für diese in Schwaben bisher einzigartige Aktion kommen Oliver Born, Fischereifachberater vom Bezirk Schwaben, und Stefan Zott, Geschäftsführer des Fischereiverbands Schwaben, vor Ort. Durchgeführt wird die Maßnahme vom Energieversorger LEW, der die Staustufen an der Donau betreibt. Er ist für den Unterhalt und den guten ökologischen Zustand der umliegenden Gewässer zuständig und berechtigt. Umsetzbar wären solche Kaltwasserbecken prinzipiell an allen Bächen und Flüssen, sofern sie von Grundwasserquellen gespeist werden und deren Ort bekannt sei, so Born.
Nur wenige Grad entscheiden über Leben und Tod bei Fischen
Schaufeln voller Schlamm befördert der Bagger aus dem Bachbett. Bald sieht das Ufer aus wie eine Schlammwüste, aber das werde bald wieder dicht eingewachsen sein. Auch der Auwald, durch den der Bach fließt, bringt Schatten. Das Wasser im Bach ist von Haus aus kühler, 23 Grad Celsius, misst Oliver Born.
Das ist wichtig: Nur wenige Grad Celsius können bei Fischen über Leben und Tod entscheiden, betont Born. Die Donau ist mit 24 Grad Celsius so warm, dass viele Fische in den kühleren Bach flüchten. Seitdem der Bachlauf 2017 so geändert wurde, dass er Donau und Brenz verbindet, sind die Fischarten dort von zwölf auf 30 gestiegen. Seltene Elritzen, Huchen oder Koppen kommen hier vor, außerdem Krebse und Neunaugen.
Zwar könne man Fischsterben nie gänzlich vermeiden, sagt Fischer Günther Ruck, aber mit einem Kältepool könne man sicherstellen, dass eine gewisse Anzahl erhalten bleibt, die sich weitervermehren könne. Wichtig sei, in Gewässersystemen zu denken. Dafür sei der Kaltwasserpool ein Beispiel: Das zu warme Donauwasser fließt in den Bach, wird im schattigen Auwald abgekühlt, mit dem kalten Quellwasser vermischt und sorgt, wenn es in die Brenz fließt, auch dort für Abkühlung.
Ministerium: Wasserspeicher, Talsperren und Gewässerschutz für Niedrigwasserperioden
Die Fischereiexperten fordern mehr Schutz für Fische in extremen Hitzeperioden. Auf Anfrage antwortet das Bayerische Umweltministerium, Bayern sei auf Niedrigwasser vorbereitet: Es gebe unter anderem Speicherseen und Talsperren, außerdem bekämen Kommunen Zuschüsse für die "klimaresiliente Gestaltung" von Gewässern.
Die Leiterin des Donauwörther Wasserwirtschaftsamts, Gudrun Seidel, betont, dass viel gemacht werde. Als Beispiel nennt sie das Projekt "Licca Liber", eine groß angelegte Renaturierungsmaßnahme des Lechs. In Hitzezeiten wie jetzt könne es auch sinnvoll sein, an Staustufen den Staubetrieb aufzugeben und das Wasser durchlaufen zu lassen.
Fischer: Keine Zeit für Bürokratie bei Fischrettungsaktionen
Den Fischereiexperten greift dies zu kurz. Eine Expertenrunde sollte mögliche Maßnahmen aufeinander abstimmen, um einen Notfallplan zu erstellen, der auch rechtlich abgesichert sein müsste. "Wenn die Fische oben schwimmen, dann dürfen wir nicht mehr groß rumdiskutieren. Da müssen wir Szenarien fertig in Schubladen haben. Wir haben Notfallpläne für Hochwasser, aber für Niedrigwasser und Temperaturanstiege sehe ich weit und breit keine durch die Regierung vorbereiteten Notfallpläne", kritisiert Stefan Zott vom Fischereiverband Schwaben.
Wie schnell und kostengünstig es gehen kann, zeigt die Grabung bei Gundelfingen. Nach nur wenigen Stunden sind die Baggerarbeiten beendet. An der Wasseroberfläche sieht man jetzt Bewegung: Die Quelle sprudelt wieder. Gleich daneben tummelt sich auch schon ein Jungfischschwarm.
Oliver Born misst noch einmal ein Stück weit hinter der Quelle: 22 Grad. Das Wasser ist um ein weiteres Grad Celsius abgekühlt. Ein Grad Celsius, das Fischleben retten kann. Da klingelt sein Handy. Ein Kollege meldet ein Fischsterben im Allgäu. Jetzt hätte Born gerne einen Notfallplan in der Tasche, der schnell und unbürokratisch umsetzbar wäre.
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