Satellit im Weltraum
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Ein Satellit umkreist die Erde.

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Kann Bayern vom Weltraumboom profitieren?

Kann Bayern vom Weltraumboom profitieren?

Ohne Raumfahrt kann sich Europa nicht verteidigen. Satelliten und Raketen gelten als so wichtig wie Flugzeuge oder Panzer. Allein die Bundeswehr will 35 Milliarden Euro in die Raumfahrt stecken. Kann davon auch die bayerische Wirtschaft profitieren?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

35 Milliarden Euro neue Schulden, die irgendwann wieder zurückgezahlt werden müssen – das ist die eine Folge des Raumfahrtinvestitionsprogramms, das Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) angekündigt hat. Andererseits könnten Raumfahrtstandorte wie Bayern aber auch profitieren. Davon ist jedenfalls Josef Aschbacher überzeugt. Er ist Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) und damit Europas höchster Raumfahrtmanager: "Weltrauminvestitionen haben ja einen Multiplikationsfaktor. Das heißt, einen Euro investieren in den Weltraum bringt fünf bis zehn Euro zurück in die Wirtschaft." Etwa weil mit dem gewonnenen Know-how auch andere Produkte hergestellt werden können.

BDI: Wettbewerbsfähigkeit steigern

Um diesen positiven Hebeleffekt auch tatsächlich für mehr Wirtschaftswachstum zu nutzen, sei es aber Voraussetzung, dass das Geld auch tatsächlich in Bayern, beziehungsweise in Europa investiert werde, betont Matthias Wachter, Bereichsleiter Innovation, Sicherheit und Technologie beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): "Wir würden überhaupt nichts gewinnen, wenn wir diese zusätzlichen Mittel jetzt einfach nutzen, um im außereuropäischen Ausland einzukaufen. Wir wollen ja die Wettbewerbsfähigkeit steigern, Abhängigkeiten reduzieren, und deshalb muss man diese Mittel auch hierzulande ausgeben."

Die USA sind weit voraus

Ein Beispiel: 2025 haben US-amerikanische Firmen 198 Raketen in den Weltraum gestartet, dagegen stehen acht europäische. Und die Zeit drängt, denn Europa soll schnell eine neue Weltraum-Sicherheitsarchitektur bekommen. Da könnte die Versuchung groß sein, bestehende amerikanische Kapazitäten zu nutzen, anstatt zu warten, bis europäische Firmen eigene neue Raketen entwickelt haben. "Es geht um die richtige Balance zwischen Einkaufen im Ausland und Selbstentwickeln. Dann hat Europa den größten Nutzen", sagt Matthias Wachter vom BDI.

Bayerische Raumfahrtunternehmen optimistisch

Die Stimmung scheint dafür gut, gerade bei den bayerischen Firmen. Das zeigt sich auf der "SpaceNight", dem Raumfahrt-Branchentreff der Münchner Sicherheitskonferenz. Viel Potenzial sieht etwa Victor Maier, von der oberbayerischen Firma "The Exploration Company": "Hier in Bayern, in München, ist so eine große Kompetenz vorhanden, einerseits für die Industrialisierung: Durch die Automobilindustrie haben wir großes Wissen gerade in Richtung Skalierung und Massenproduktion. Andererseits kommen ständig neue Talente von den Universitäten, die man natürlich auch hier in München attraktiv ansiedeln kann."

Natur und Freizeitwert als Standortvorteil, so sehen es hier viele auf der "Space Night". Ähnlich sind auch die Forderungen vieler Firmen an die europäischen Regierungen: Die Industrie brauche eigentlich kaum neue Fördergelder, dafür aber verlässliche, langfristige Aufträge, dann sei ein Raumfahrt- und Hightech-Boom in Bayern und Europa möglich.

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