Was für ein Kommunalwahl-Finale in Bayern: In der Landeshauptstadt erleidet die SPD bei der Stichwahl eine historische Niederlage, erstmals stellen die Grünen in München den Oberbürgermeister. Der Wahlabend bot noch einige weitere Überraschungen, etwa in Augsburg, Regensburg und Kempten.
Stichwahl in München: Reiter verliert gegen Krause
Der Ausgang in München wurde mit besonderem Interesse erwartet, wo Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) schon in der ersten Runde vor zwei Wochen von den Wählern einen Denkzettel bekommen hatte. Bei der Stichwahl gelang Herausforderer Dominik Krause nun die Sensation: Der 35-jährige Grüne erreichte laut vorläufigem Ergebnis 56,4 Prozent, Reiter kommt nur auf 43,6 Prozent.
"Ich hab's verbockt, es ist meine Schuld"
Reiter muss nach zwölf Jahren den Chefsessel im Rathaus räumen. Der SPD-Politiker nahm die Niederlage auf seine Kappe: "Ich hab's verbockt, es ist meine Schuld", sagte er vor seinen Anhängern. Es sei der letzte Tag seiner politischen Karriere.
Krause ist studierter Physiker, mit einem Mann verlobt und sitzt seit zwölf Jahren im Stadtrat. Er fühle sich sehr geehrt und danke den Münchnern für das Vertrauen, erklärte Krause, der bislang zweiter Bürgermeister ist. In der Stadt habe zuletzt eine besondere Atmosphäre geherrscht, "es war Aufbruch, es war Erneuerung". Die Menschen hätten ihm auf der Straße zugerufen: "Jetzt pack ma's."
Reiter trat nach Druck von FC-Bayern-Posten zurück
In der ersten Runde hatte Reiter bereits mehr als zwölf Prozentpunkte gegenüber 2020 verloren – wohl auch wegen der Affäre um seine Ämter beim FC Bayern München. Der Grünen-Erfolg bei der Stichwahl ist eine herbe Niederlage für die Sozialdemokraten, die seit 42 Jahren das Stadtoberhaupt in München stellen.
Lange galt Amtsinhaber Reiter als unangefochtener Favorit. Doch dann wurde bekannt, dass er schon seit Jahren Geld vom FC Bayern München für einen Posten in dessen Verwaltungsbeirat bekommen hatte und sich dies nicht – wie er es hätte tun müssen – vom Stadtrat genehmigen ließ. Vor allem wegen seines Umgangs damit stand Reiter massiv in der Kritik. Nach großem öffentlichem Druck räumte er Fehler ein und trat vom Posten des Verwaltungsbeirates und auch von dem des Aufsichtsrates, den er gerade erst übernommen hatte, zurück.
König gewinnt in Nürnberg, Weber in Augsburg abgewählt
In Bayerns zweitgrößter Stadt Nürnberg kam es zur Stichwahl zwischen Amtsinhaber Marcus König von der CSU und dem SPD-Herausforderer Nasser Ahmed, der mit einer kontroversen Kampagne im Wahlkampf versucht hatte, zu punkten. Im ersten Wahlgang lag König fast 20 Punkte vor dem SPD-Herausforderer. Bei der Stichwahl setzte sich der Favorit durch: Marcus König kommt nach Auszählung aller Stimmen auf 55,5 Prozent. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Stadt, dass ein CSU-Oberbürgermeister wiedergewählt wird. Nürnberg galt lange als SPD-Hochburg.
Einen Machtwechsel gibt es in Augsburg, wo Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) in der Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten Florian Freund antreten musste. Weber, seit 2020 an der Spitze der Fuggerstadt, hatte in der ersten Runde noch einen deutlichen Vorsprung. Bei der Stichwahl gewann indes der Herausforderer, dem vorläufigen Ergebnis zufolge kommt SPD-Kandidat Freund auf 56,6 Prozent.
Erfolge für SPD in Regensburg, Passau und Schweinfurt
Auch in Regensburg setzte sich ein SPD-Kandidat durch. Thomas Burger gewann mit 53,2 Prozent gegen Konkurrentin Astrid Freudenstein (CSU). Beim ersten Urnengang am 8. März lag Freudenstein noch vorn. Burger übernimmt von Parteigenossin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, die nicht wieder antrat.
Seit 18 Jahren ist die Stadt Passau SPD-geführt – und das wird auch in den nächsten Jahren so bleiben. SPD-Kandidat Andreas Rother kam in der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters auf 65,6 Prozent, Armin Dickl (CSU) unterlag.
In Rosenheim muss die CSU das erste Mal seit über 60 Jahren den OB-Posten abgeben: SPD-Kandidat Erdogan Abuzar gewann dort gegen den bisherigen Amtsinhaber Andreas März (CSU). In Schweinfurt eroberte die SPD nach über 30 Jahren das Rathaus von der CSU zurück – Ralf Hofmann heißt das neue Oberhaupt der unterfränkischen Industriestadt.
Grüne verpassen Sieg in Bamberg, Freie Wähler siegen in Kempten
Spannung versprach die Oberbürgermeisterwahl in Bamberg. In der oberfränkischen Stadt lag mit Jonas Glüsenkamp in der ersten Runde ein Grüner knapp vor dem SPD-Kandidaten Sebastian Martins Niedermaier. Dieser konnte bei der Stichwahl das Blatt wenden, Niedermaier gewann mit 56,7 Prozent. Der bisherige OB Andreas Starke (SPD) war nach zwei Jahrzehnten im Amt nicht wieder angetreten.
Auch die Freien Wähler konnten Erfolge bei den OB-Stichwahlen in Bayern verbuchen. In Kempten ist der amtierende OB Thomas Kiechle (CSU) abgewählt, Herausforderer Christian Schoch von den Freien Wählern holte in der Stichwahl 55 Prozent der Stimmen. In Schwabens zweitgrößter Stadt endet damit eine Ära: 30 Jahre stellte die CSU den Oberbürgermeister in Kempten, Amtsinhaber Kiechle ist seit 2014 im Amt.
Und Michael Fritz (Freie Wähler) wird neuer Oberbürgermeister in Amberg. Er kam auf 54,6 Prozent der Wählerstimmen und setzte sich damit gegen Herausforderer Stefan Ott (CSU) durch.
Tabelle: Stichwahl Ober-/Bürgermeister – So steht es in Ihrer Gemeinde
FW-Kandidat im Berchtesgadener Land gewinnt
In den Landkreisen standen sich in gleich 20 von 29 Stichwahlen Bewerber von CSU und Freien Wählern gegenüber. Ein Großteil der Duelle gewann am Sonntag die Freien Wähler. Die CSU hatte sich allerdings schon in der ersten Runde 25 Landratsposten gesichert, die FW fünf, einen die SPD.
Mit besonderer Spannung wurde unter anderem die Entscheidung im Berchtesgadener Land erwartet, traditionell in CSU-Hand. In die Stichwahl ging der FW-Landtagsabgeordnete Michael Koller als Führender, Franz Rasp (CSU) hatte vor zwei Wochen 3,5 Punkte weniger. Koller setzte sich bei der Stichwahl nun klar durch, mit 64,6 Prozent.
Die Freien Wähler stellen mit ihrem Kandidaten Christoph Vogel künftig den Landrat im Landkreis Main-Spessart. In der Stichwahl setzte er sich mit 59,8 Prozent klar gegen Amtsinhaberin Sabine Sitter von der CSU durch. In Aichach-Friedberg verlor der CSU-Bewerber Peter Tomaschko mit gerade einmal 22 Stimmen Rückstand gegen Mark Sturm (FW). Im Landkreis Miesbach gewann Jens Zangenfeind von der dortigen Freien Wählergemeinschaft mit großem Vorsprung gegen Franz Schnitzenbaumer (CSU/Junge Union).
Einzige grüne Landrätin in Landsberg am Lech
Im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech regiert künftig Bayerns einzige grüne Landrätin. Daniela Groß setzte sich in der Stichwahl laut vorläufigem Endergebnis gegen Amtsinhaber Thomas Eichinger (CSU) durch. Groß erzielte 61,5 Prozent der Stimmen.
Der zuletzt einzige grüne Landrat im unterfränkischen Landkreis Miltenberg, Jens Marco Scherf, trat nicht mehr an. Der Landkreis wird künftig vom CSU-Politiker Björn Bartels geführt.
Im Landkreis Fürstenfeldbruck gewann der CSU-Landrat Thomas Karmasin, der seit 30 Jahren ununterbrochen dort im Amt ist. Er kam auf 56,5 Prozent, seine grüne Herausforderin Ronja Wurmb-Seibel unterlag.
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Geringere Wahlbeteiligung
Bei gutem Wetter hatten die Bayern offensichtlich weniger Lust zu wählen als vor zwei Wochen. In den drei größten bayerischen Städten hatte sich am Nachmittag für die Stichwahl eine deutlich niedrigere Beteiligung abgezeichnet als bei der ersten Runde zwei Wochen zuvor. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte die Wahlbeteiligung bayernweit bei 63,4 Prozent gelegen – 4,7 Prozent höher als bei der Kommunalwahl davor, die damals aber auch in die Frühphase der Corona-Pandemie fiel.
Im Audio: Krause gewinnt überraschend in München
Dominik Krause bei seiner Dankesrede auf der Wahlparty der Grünen.
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