Die zweite Runde der bayerischen Kommunalwahlen hatte es in sich. Riesenüberraschung in München, aber auch in anderen Städten, Gemeinden und Landkreisen. Von eher unerwarteten Siegern – ein Panoptikum ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Dominik Krause (München)
München wird künftig von einem Grünen-Oberbürgermeister regiert: Dominik Krause löst Amtsinhaber Dieter Reiter ab. Der SPD-Politiker räumte seine Niederlage ein: "Ich habe es verbockt, es war meine Schuld", sagte Reiter vor seinen Anhängern. Es sei der letzte Tag seiner politischen Karriere. Krause sagte, er fühle sich sehr geehrt und danke den Münchnern für das Vertrauen. In der Stadt habe zuletzt eine besondere Atmosphäre geherrscht, "es war Aufbruch, es war Erneuerung". Es sei "der Wahnsinn, dass die Münchnerinnen und Münchner auch genauso abgestimmt haben".
Florian Freund (Augsburg)
Florian Freund von der SPD ist neuer Oberbürgermeister von Augsburg. Er konnte 56,6 Prozent der Stimmen gewinnen und liegt damit klar vor der amtierenden Oberbürgermeisterin Eva Weber von der CSU. Sie erhielt im zweiten Wahlgang 43,4 Prozent der Stimmen. CSU-Fraktionschef Volker Ullrich sprach im BR-Interview von einer "bitteren Niederlage für Eva Weber". Sie sei abgewählt worden, weil sie es nicht mehr geschafft habe, das Vertrauen der Augsburgerinnen und Augsburger zu erreichen.
Jörg Volleth (Erlangen)
Machtwechsel in der Universitätsstadt Erlangen: Der CSU-Herausforderer Jörg Volleth hat das Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters in der Stichwahl für sich entschieden. Volleth errang 51,4 Prozent der Stimmen, Amtsinhaber Florian Janik (SPD) erhielt 48,6 Prozent, wie aus dem Internetauftritt des städtischen Wahlamtes hervorgeht. Volleth ist seit 2020 zweiter Bürgermeister in Erlangen. In der Universitätsstadt prägt seit längerer Zeit ein großes Infrastrukturprojekt die kommunalpolitische Debatte: die Stadt-Umland-Bahn, eine Drei-Städte-Tram, die Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach verbinden soll.
Thomas Burger (Regensburg)
Das Rathaus der Oberpfälzer Bezirkshauptstadt Regensburg wird weiterhin sozialdemokratisch regiert. SPD-Mann Thomas Burger gewann die Stichwahl mit 53,2 Prozent der Stimmen. CSU-Bewerberin Astrid Freudenstein kam auf 46,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 46,2 Prozent.
Im ersten Wahlgang hatte noch Freudenstein deutlich in Front gelegen, Burger kam nur knapp vor der Grünen-Bewerberin Helene Sigloch in die Stichwahl. Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) hatte nicht erneut kandidiert.
Danila Groß (Landkreis Landsberg am Lech)
Im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech regiert künftig Bayerns einzige grüne Landrätin. Daniela Groß setzte sich in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Thomas Eichinger (CSU) durch. In 20 Landkreisen traten bei der Stichwahl Kandidaten der Freien Wähler gegen CSU-Bewerber an. Das Ergebnis der Duelle ist eindeutig: 17 Mal siegten die Freien Wähler gegen die CSU. Die Söder-Partei konnte bei den Stichwahlen insgesamt neun Landratsposten für sich gewinnen.
Grafik: Stichwahl Ober-/Bürgermeister
Ralf Hofmann (Schweinfurt)
Die SPD hat mit ihrem Oberbürgermeister-Kandidaten Ralf Hofmann das Rathaus in Schweinfurt nach mehr als 30 Jahren zurückerobert. Damit wird die derzeit arg gebeutelte Industriestadt im Norden Bayerns erstmals seit 1992 wieder von einem Sozialdemokraten regiert. Hofmann kam laut vorläufigem Endergebnis bei der Stichwahl auf 67,7 Prozent der Stimmen. Oliver Schulte von der CSU konnte nur 32,3 Prozent auf sich vereinen.
Christian Schoch (Kempten)
In Kempten ist der amtierende OB Thomas Kiechle (CSU) abgewählt. Herausforderer Christian Schoch von den Freien Wählern holte in der Stichwahl 55,0 Prozent der Stimmen und lag damit deutlich vor Amtsinhaber Thomas Kiechle von der CSU. In Schwabens zweitgrößter Stadt endet damit eine Ära: 30 Jahre stellte die CSU den Oberbürgermeister in Kempten. Amtsinhaber Kiechle ist seit 2014 im Amt. Sein Vorgänger war Ulrich Netzer (CSU).
Erdogan Abuzar (Rosenheim)
In Rosenheim hat der SPD-Kandidat Abuzar Erdogan die Stichwahl um den Posten des Oberbürgermeisters gegen Amtsinhaber Andreas März (CSU) gewonnen. Der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion überzeugte laut dem vorläufigen Ergebnis 53,4 Prozent der Wähler. März erzielte 46,6 Prozent. Erdogan hatte für einen sozialen, wirtschaftlich starken und weltoffenen Kurs in Rosenheim geworben und einen betont jungen Wahlkampf geführt. Der Jurist hatte sich schon in jungen Jahren in der Kommunalpolitik engagiert.
Dominik Heike (Neustadt bei Coburg)
Frank Rebhan (SPD) ist nicht mehr länger dienstältester Oberbürgermeister Deutschlands. In der Stichwahl unterlag der 66-Jährige, der seit 1995 OB ist, dem Herausforderer der CSU, Dominik Heike. Rebhan war nach mehr als 30-jähriger Amtszeit in Neustadt bei Coburg erneut angetreten, weil er weiterhin "Freude an Politik" habe, wie er dem BR im Vorfeld der Wahl sagte. Rebhan erhielt nur 40,1 Prozent der Stimmen, Dominik Heike kommt nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis auf 59,9 Prozent der Stimmen.
Friedrich Käßmeyer (Glött)
Er stand nicht auf dem ursprünglichen Wahlzettel – wurde von den Bürgern aber notiert, kam nun in die Stichwahl und hat die Wahl in Glött im Landkreis Dillingen gewonnen: Friedrich Käßmeyer, seit 36 Jahren im Amt, hat mit 341 Stimmen elf Stimmen mehr als der parteilose Thomas Heidel. Thomas Heidel, der eigentlich nur antreten wollte, weil Käßmeyer gesundheitlich angeschlagen war und gesagt hatte, er wolle nicht mehr kandidieren, unterliegt – und verlässt das Rathaus, kurz nachdem er dem Amtsinhaber gratuliert hat. Im Dorf hat das Hin und Her und die jetzt für einige unerwartete Kandidatur des bisherigen Bürgermeisters für Aufregung gesorgt.
Markus Schlemmer (Aschaffenburg)
In Aschaffenburg endet eine Ära: Markus Schlemmer (CSU) löst mit 56,3 Prozent den bisherigen sozialdemokratischen Oberbürgermeister Jürgen Herzing ab. Dieser kam nur auf 43,7 Prozent. Schon bei der Wahl am 8. März lag Herausforderer Markus Schlemmer von der CSU vorne. Er hatte 41,1 Prozent der Stimmen bekommen. Der 65-jährige Amtsinhaber Jürgen Herzing lag bei 38,2 Prozent. Schlemmer ist 57 Jahre alt und Chef der Aschaffenburger Kriminalpolizei. Aschaffenburg hatte seit 56 Jahren durchgehend einen SPD-Oberbürgermeister.
Enis Tiz (Kitzingen)
Im unterfränkischen Kitzingen hat die CSU nach nur einer Amtsperiode das Rathaus wieder verloren - an die Freien Wähler. Deren Kandidat Enis Tiz, unterstützt von FW und FBW Kitzingen, setzte sich bei der Stichwahl mit 55,3 Prozent der gültigen Stimmen gegen Amtsinhaber Stefan Güntner (CSU) durch. Dieser kam laut dem vorläufigen Endergebnis auf 44,7 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 47,6 Prozent. Wahlberechtigt waren etwa 17.000 Menschen.
Philipp Kuhn (Mittelsinn)
Nach einigem Hin und Her hat das Spessartdorf Mittelsinn nun doch noch einen ersten Bürgermeister. Kandidat Philipp Kuhn, unterstützt von CSU, SPD und Unabhängigen Bürgern, setzte sich in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Dirk Schiefer durch, der ohnehin keine zweite Amtszeit angestrebt hatte, von vielen Bürgern aber trotzdem auf den Wahlzettel geschrieben worden war. Schiefer, der von denselben Kräften unterstützt wurde, hatte bereits vor dem Hauptwahlgang am 8. März erklärt, dass er aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehe.
Florian Kaida (Krumbach)
Die Stadt Krumbach bekommt einen der jüngsten Bürgermeister in Schwaben. Der 26 Jahre alte Florian Kaida (CSU) setzte sich gegen Maximilian Behrends (Junge Wähler Offene Liste) mit 63,8 Prozent der Stimmen durch. Kaida hatte noch im ersten Wahlgang die Mehrheit mit 49,9 Prozent hauchdünn verpasst, neun Stimmen hatten zum Sieg gefehlt. Der noch amtierende Bürgermeister Huber Fischer hatte Maximilian Behrends unterstützt. Fischer ist nach 18 Jahren Amtszeit nicht noch einmal zur Wahl angetreten.
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