Schon seit längerem zeichnet sich ein Trend ab – weg von den klassischen Parteien, hin zu örtlichen Wählergruppen. In manchen Gegenden erreichten diese Gruppen in der Vergangenheit einen Stimmanteil von 50 Prozent bei den Wahlen zu Gemeinderäten. Und in ganz Deutschland wächst beständig die Zahl der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die von Wählergemeinschaften aufgestellt worden sind.
Trend weg von den klassischen Parteien
Alles in allem gilt, was der Wahlforscher Florens Mayer festhält: "Je kleiner die Kommune (…), desto geringer ist die Bedeutung der langfristigen emotionalen Bindung an eine Partei für die Wahlentscheidung." In großen Städten habe die "Parteiidentifikation in der Regel eine vergleichbare Bedeutung wie bei Landtags- und Bundestagswahlen." Das gelte aber vorrangig für die Abstimmungen zu den Stadträten.
Der BR24 BayernTrend zur Kommunalwahl spiegelt diesen Trend wider. Die Umfrage registrierte ein gestiegenes Vertrauen in die Kompetenz lokaler Listen und nicht-etablierter Parteien. Im Vergleich zur letzten Kommunalwahl 2020 wuchs der Wert um 6 Punkte auf 13 Prozent.
Der große Wechsel – vor allem in den Landkreisen
Bei den Bürgermeisterwahlen spielt die Parteiidentifikation auch in den großen Städten eine deutlich geringere Rolle. Das heißt: Die Person des Bürgermeisterkandidaten gibt häufig den Ausschlag, weniger die Partei, der er angehört. Amtsinhaber sind in der Regel im Vorteil.
Besonders spannend sind deshalb die Wahlen, bei denen der oder die amtierende Bürgermeister oder Bürgermeisterin nicht mehr antritt – etwa in Passau und Bamberg. In der Drei-Flüsse-Stadt kandidiert Jürgen Dupper nicht mehr, in der Oberfranken-Metropole hört Andreas Starke auf. Der Sozialdemokrat Starke war 20, sein Parteifreund Dupper 18 Jahre Bürgermeister.
Bei den Landräten steht ein großer Wechsel an – etwa ein Drittel der 62 Kreise, in denen am Sonntag gewählt wird, bekommt einen neuen Chef oder eine neue Chefin. Viele von ihnen sind älter als 60 und wollen sich keine weiteren sechs Jahre zumuten. Im Landkreis Kulmbach endet nach 30 Jahren eine Ära. Im Alter von 69 kandidiert Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) nicht noch einmal.
Was die Menschen umtreibt
Die Bindung an die Kommunalpolitiker ist enger als bei den Vertretern der "großen" Politik. Je kleiner die Gemeinde, desto eher gilt: Man kennt sich. Und die Sorgen und Nöte der Menschen haben den Adressaten vor der Haustür. Ein Blick in den jüngsten BR24 BayernTrend zeigt einerseits: 85 Prozent der Bayern sind mit ihren Lebensbedingungen zufrieden. Doch es gibt Probleme.
Mit der Integration von Migranten etwa ist nur jeder zweite Wahlberechtigte zufrieden. Die örtliche Wohn- und Mietsituation bewertet eine Mehrheit negativ. Auch der öffentliche Nahverkehr wird kritisiert, ebenso der Zustand von Straßen und Brücken. Dabei stellen die Bürgerinnen und Bürger fest, dass ihren Städten und Gemeinden das Geld ausgeht – die Hälfte der Befragten spürt die Sparzwänge vor Ort.
Was uns am Wahlabend erwartet
Ab circa 18.30 Uhr – das wäre eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale – gibt es erste Ergebnisse, zunächst aus kleineren Gemeinden. Der Großteil der Wahlergebnisse zu Oberbürgermeistern und Landräten wird voraussichtlich zwischen 19.00 Uhr und 22.00 Uhr eintreffen.
BR24.de bildet am Wahlabend ausschließlich Personenwahlen (Bürgermeister und Landräte) ab. Die Wahlen zu den Gremien (Stadt- und Gemeinderäte sowie Kreistage) werden erst später ausgezählt. Diese Ergebnisse gibt das Statistische Landesamt frühestens am Abend des nächsten oder übernächsten Tages (9. oder 10. März) bekannt. Ab dann sind auch bayernweite Ergebnisse der Parteien zu erwarten.
Im Video: Kommunalwahl in Bayern – so berichtet der BR
Zur Kommunalwahl in Bayern öffnet der Bayerische Rundfunk wieder sein Wahlstudio und liefert aktuelle Informationen aus den Regionen.
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