Am Tag der Deutschen Einheit wirkt Mödlareuth bei Hof wie ein Vergrößerungsglas. Das früher als "Little Berlin" bekannte Dorf an der bayerisch-thüringischen Grenze war ehemals durch eine Mauer geteilt. Am 3. Oktober kommen politische Parteien für nur wenige Meter voneinander entfernte Kundgebungen an diese Nahtstelle zwischen Ost- und Westdeutschland. Dabei wurde deren sehr verschiedene Sicht auf Deutschland und die deutsche Einheit deutlich.
Söder: In Freistaaten lässt es sich gut leben
Das Deutschlandfest der CSU zum Tag der Deutschen Einheit findet in Mödlareuth seit 1990 alljährlich statt – und zur Union kommen noch immer mit Abstand die meisten Besucher. Die Unions-Ministerpräsidenten von Bayern und Thüringen ziehen gemeinsam zum Klang der Frankenhymne ein. Der bayerische Regierungschef Markus Söder (CSU) bedankt sich ausdrücklich für die Leistung der vielen Menschen aus Sachsen und Thüringen, die nach der Wende nach Bayern gezogen sind und betont seine Verbundenheit. Auf der Deutschlandkarte finde man Bayern östlich der Mitte: "Und darum sind wir ein Freistaatenverbund, Sachsen, Thüringen und Bayern." In diesen Freistaaten lasse es sich gut leben, betont Söder, besser als fast überall sonst auf der Welt. "Warum sind so viele in unserem Land so unzufrieden, so unglücklich und so aggressiv?" fragt er und fordert Stolz, Optimismus und Patriotismus.
Voigt: Brauchen keine Anweisungen aus Moskau
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) betont, die Union sei die Kraft, die an Deutschland und seine Bürger glaube. Mit Blick auf die AfD dagegen sagt er: "Wir hatten es schon mal, dass Moskau Anweisungen erteilt. Wir brauchen keine Anweisungen aus Moskau, wir wollen unser Schicksal selber entscheiden."
Die AfD-Kundgebung findet ein paar Meter weiter statt, in einer Art Biergarten, der auf dem Dorfanger aufgebaut ist. Ganz in der Nähe der Gedenkstätte, die an Mauer und Schießbefehl der DDR auch hier in diesem kleinen Dorf erinnert. Dass neben der CSU seit zehn Jahren auch die AfD am 3. Oktober in Mödlareuth Kundgebungen abhalten darf, hatten Gerichte ermöglicht.
AfD vergleicht Bundesrepublik mit DDR-Diktatur
Die Fraktionsvorsitzende der AfD im Bayerischen Landtag, Katrin Ebner-Steiner, vergleicht die heutige Bundesrepublik mit der DDR-Diktatur: "Sind das nicht ganz ähnliche Floskeln und Sprüche? Sind das nicht ganz ähnliche Methoden des Machterhalts und der Kriminalisierung der Opposition? Ja, die BRD von heute ist manchmal kaum noch von der Endphase der DDR zu unterscheiden."
Protschka will wieder Berliner Mauer bauen
Der bayerische AfD-Vorsitzende Stephan Protschka entwirft ein Bild von Deutschland als Land im Niedergang. Speziell von Berlin hält er besonders wenig, weil dort die Linkspartei gewonnen hat: "Da bauen wir wieder eine Mauer rum. Die Steine haben wir noch."
Ost und West zusammen bei "Mödlareuth ist bunt"
Auf bayerischer Seite positioniert sich das Bündnis "Mödlareuth grenzenlos bunt" dagegen. 31 Vereine und Gruppierungen haben sich dazu zusammengeschlossen. Gewerkschaftern aus allen drei Freistaaten fordern hier gleichen Lohn in Ost und West, Pfarrer halten eine ökumenische Andacht. Es sprechen Grünen-Abgeordnete aus Ost und West. Die bayerische SPD-Vorsitzende Ronja Endres gibt sich befremdet von der "schlechten Laune", die von der AfD verbreitet werde: "Ich frage mich, von welchem Deutschland die reden." Eltern und Großeltern hätten das Land aufgebaut, für Rechte gekämpft und ein hervorragendes Grundgesetz geschrieben. Im Übrigen sei Deutschland heute trotz Wirtschaftskrise die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, der Lebensstandard deutlich höher als etwa 1990.
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