Geparkte Flugzeuge am Dubai International Airport, Vereinigte Arabische Emirate
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Nichts geht mehr: Am Dubai International Airport sind aktuell alle kommerziellen Flüge gestrichen.
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Krieg in Nahost: Bundesregierung plant Evakuierungs-Flüge

Krieg in Nahost: Bundesregierung plant Evakuierungs-Flüge

Zehntausende Reisende deutscher Veranstalter sitzen in der Golfregion fest. Bundesaußenminister Wadephul (CDU) hat auf die Eigenverantwortung der Reisenden verwiesen. Nun hat er aber Charterflüge angekündigt – für Kranke, Kinder und Schwangere.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Nachrichten am .

Die Bundesregierung will Charterflugzeuge nach Saudi-Arabien und in den Oman schicken, um von dort in Nahost gestrandete deutsche Reisende auszufliegen. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) nannte am Montag die Hauptstädte der beiden Länder, Riad und Maskat, "also Orte, von denen noch geflogen werden kann". Rund 30.000 Reisende von deutschen Veranstaltern sind laut Reiseverband DRV von der Eskalation in der Golfregion betroffen und sitzen fest.

Fokus auf Kinder, Kranke und Schwangere

Dabei sollen "besonders vulnerable Gruppen" evakuiert werden, wie Wadephul sagte. "Die Planungen liefen, zuerst müsse allerdings geklärt werden, wie viele vulnerable Menschen vor Ort und wie groß die Kapazitäten der Flughäfen seien. Jener in Maskat sei nicht besonders groß. "Wir müssen schauen, wie viele Flugzeuge wir dort überhaupt hinbringen können. Wir fangen jetzt einfach mal mit einer Maschine pro Destination an", so Wadephul.

Er habe mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr gesprochen, und die Airline habe grundsätzlich Kapazitäten. "Wir wollen Deutschen helfen, nach Hause zu kommen", sagte Wadephul. Man sei in einer Großkrise, in der auch viele Deutsche betroffen seien. Die Flugzeuge sollen demnach auf Steuerkosten gechartert werden. Er halte dies für "richtig und notwendig und angemessen", betonte der CDU-Politiker. Neben der Lufthansa sei man auch mit TUI und dem Deutschen Reiseverband in Kontakt.

Vorausgegangene Diskussion zwischen Wadephul und Nouripour

Noch am Sonntag hatte Wadephul in der ARD-Talkshow "Caren Miosga" auf die seit Wochen bestehenden Reisewarnungen des Auswärtigen Amts verwiesen. Es sei nicht ganz unbekannt gewesen, dass es dort gefährlich werden könne, so der Außenminister. Wadephul sah deshalb deutsche Touristen vor allem selbst in der Pflicht, ihre Ausreisen zu ermöglichen. Der frühere Grünen-Parteichef Omid Nouripour kritisierte das in der gleichen Sendung als "absurd". Eine Rückholung sei staatliche Aufgabe.

Das Auswärtige Amt will neben den Charterflugzeugen Krisenunterstützungsteams nach Maskat, Doha und Dubai schicken. Weitere Teams sollen die Lage an den Grenzübergängen erkunden, wie Wadephul am Montag weiter bekannt gab. Eine militärische Evakuierung schloss der Minister aber erneut aus. Er verwies dabei auf die geschlossenen Lufträume. Zuständig seien in erster Linie die Airlines und die Reiseveranstalter, sagte in Berlin auch ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Eine Evakuierung durch die Bundeswehr sei "wirklich das letzte Mittel der Wahl".

Zahlreiche Linienflüge gestrichen

Die Lufthansa meidet wegen des Iran-Kriegs den Nahen Osten weitgehend. Am Montag waren zudem Flüge nach Zypern gestrichen worden. Eine Sprecherin des Flughafen München sprach am Montag von 40 Flügen, die am Wochenende nicht hätten stattfinden können. Am Montag wurden den Angaben zufolge weitere 29 Flüge storniert – darunter 14 Starts und 15 Landungen in München. Betroffen seien die Maschinen von elf Fluggesellschaften, darunter Lufthansa, Etihad, Qatar Airways, Emirates, Gulf Air und El Al. Insegsamt fallen an den acht größten deutschen Airports bis zum 5. März mehr als 450 Flüge aus, wie der Flughafenverband ADV am Nachmittag mitteilte. "Rund 135.000 Passagiere können aktuell ihre Reise nicht wie geplant antreten."

Kurz nach der Mitteilung Wadephuls zur Rückholung vulnerabler Gruppen teilte die Luftfahrtbehörde der Vereinigten Arabischen Emirate an, spezielle Flüge zur Rückführung gestrandeter Passagiere an den Airports des Landes seien möglich. Die in Dubai ansässige größte internationale Fluggesellschaft Emirates erklärt, eine begrenzte Zahl von Flügen werde am Montagabend abheben. Zuvor hatte auch Etihad aus Abu Dhabi erklärt, noch am Montag Flüge zur Repatriierung von Reisenden "unter strengen Sicherheitsfreigaben" wieder aufzunehmen. Davon abgesehen blieben alle kommerziellen Flüge gestrichen.

Lufthansa fliegt "leer" aus Abu Dhabi nach München

Unterdessen gab die Lufthansa bekannt, dass ein Airbus A380 der Lufthansa ohne Passagiere von Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus mit dem Ziel München gestartet sei. "Eine Passagierbeförderung ist geprüft worden", sei aber leider nicht möglich, hieß es in der Mitteilung der Fluggesellschaft. An Bord der Maschine seien lediglich zwei Piloten. Für die Mitnahme von Fluggästen wäre aus Sicherheitsgründen eine mindestens 17-köpfige Kabinencrew erforderlich gewesen, die nicht zur Verfügung gestanden habe und wegen der massiven Einschränkungen auch nicht habe eingeflogen werden können.

Gute Nachrichten für Flugreisende gibt es seitens der Pilotengewerkschaft VC Cockpit. In dieser Woche gibt es keine Streiks. Man verzichte vorläufig auf Arbeitskampfmaßnahmen wegen des eskalierten Konflikts im Nahen Osten, teilte VC in Frankfurt mit.

Karte zur militärischen Lage im Nahen Osten

Mit Informationen von dpa, AFP, Reuters

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