Die Chirurgen lernen am Augsburger Uniklinikum voneinander und trainieren an einer Körperspende verschiedene Operationstechniken.
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Die Chirurgen lernen am Augsburger Uniklinikum voneinander und trainieren an einer Körperspende verschiedene Operationstechniken.
Bildrechte: BR/ Michael Frick
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Krieg und Katastrophen: Chirurgen trainieren für den Ernstfall

Krieg und Katastrophen: Chirurgen trainieren für den Ernstfall

Ein schwerer Unfall oder gar ein terroristischer Anschlag mit vielen Schwerverletzten: Ein Szenario, auf das sich das Universitätsklinikum Augsburg so gut wie möglich vorbereiten will. Chirurgische Teams haben nun für den Ernstfall trainiert.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Konzentriert bohrt Oberarzt Sebastian Zerwes eine Schraube in einen Oberschenkelknochen. Mit einem Metallgestänge will er den gebrochen Knochen von außen stabilisieren. Eine Technik, die Unfallchirurgen oft anwenden - doch Zerwes nicht, denn er ist Gefäßchirurg und arbeitet normalerweise mit ganz anderen Techniken und Instrumenten: "Eine Herausforderung für mich", sagt Zerwes.

Chirurginnen und Chirurgen unterrichten sich gegenseitig

Genau darum geht es hier im T.A.C.T.I.C.-Kurs am Universitätsklinikum Augsburg (UKA). T.A.C.T.I.C. steht für "Trauma And Crisis Treatment in Incident Care", also Trauma- und Krisenbehandlung in der Notfallbehandlung. Chirurginnen und Chirurgen aus Unfallchirurgie, Gefäßchirurgie sowie Viszeral- und Thoraxchirurgie des Uniklinikums üben gemeinsam, wie unmittelbar lebensbedrohliche Verletzungen behandelt werden. Dazu gehören die Stabilisierung schwerer Knochenverletzungen, die Kontrolle von Blutungen und Gefäßnahttechniken sowie dringliche Eingriffe im Bauch- und Brustraum.

Das Konzept des dreitägigen Kurses: Die Chirurginnen und Chirurgen lernen voneinander und bringen sich gegenseitig die wichtigsten Techniken bei. Trainiert wird an Kunstmodellen und auch an Körperspenden, also an Leichen.

Auch theoretische Grundlagen wurden besprochen: Wie sieht der Krankenhausalarm- und Einsatzplan aus, wie werden Rollen verteilt, wie läuft die Kommunikation ab?

Kurs bereitet auf den Krisenfall vor

Die Teilnehmenden sollen darauf vorbereitet sein, in extremen Notlagen mit vielen Verletzten koordiniert und unter Zeitdruck gemeinsam zu arbeiten. Bayern Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) hatte bereits vor einem Jahr mitgeteilt, dass die deutsche Krankenhauslandschaft unzureichend auf Krisen und einen möglichen Nato-Bündnisfall vorbereitet sei.

"Krisen können vielfältiger Natur sein. Es könnten Naturkatastrophen auf uns zukommen, es könnten aber auch Terroranschläge passieren und im allerschlimmsten Fall könnte ein Kriegsfall eintreten", sagt Alexander Hyhlik-Dürr, Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Augsburg. Er hat den T.A.C.T.I.C.-Kurs initiiert und mit organisiert. Bereits jetzt behandle die Augsburger Unfallchirurgie Patienten aus der Ukraine.

Vom Klinikum heißt es, die Trainings seien deutschlandweit einmalig und "geopolitische Veränderungen" und "zunehmende kriegerische Konflikte" seien ein Anlass für den Kurs gewesen. Hyhlik-Dürr sieht das Universitätsklinikum nun gut vorbereitet auf den Ernstfall.

Bessere Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen

Der nächste T.A.C.T.I.C.-Kurs, der laut Universitätsklinikum Augsburg Bestandteil der gesamten Patientensicherheits-Strategie am UKA ist, findet im Rahmen des "Safety Camp" schon Ende Januar statt, dann aber ohne Körperspenden. Der Kurs soll laut Klinikum künftig ein bis zweimal im Jahr angeboten werden, um noch weitere Ärztinnen und Ärzte zu schulen.

Chirurg Sebastian Zerwes hat zusammen mit zwei Kollegen den Fixateur am Oberschenkelknochen erfolgreich angebracht. Er ist sehr zufrieden mit dem Kurs: "Mir hilft er sehr weiter, wobei er einen Effekt hat, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte und den wir auch gar nicht eingeplant hatten: Dass sich die Softskills verbessert haben." Heißt: Binnen kurzer Zeit habe die Zusammenarbeit mit den anderen die Kursteilnehmenden schon zusammengeschweißt, man habe sich besser kennen gelernt, es sei eine gute Teamdynamik entstanden - und das sei im Ernstfall sehr wichtig.

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