Eine Maß Schlappenbier beim Schlappenfest 2024
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Das Schlappenbier zum traditionellen Schlappenfest in Hof wird auch weiterhin von der Schedel Brauerei kommen, auch wenn die in Sachsen braut.
Bildrechte: picture alliance/dpa | Daniel Vogl
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Das Schlappenbier zum traditionellen Schlappenfest in Hof wird auch weiterhin von der Schedel Brauerei kommen, auch wenn die in Sachsen braut.

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Kulturerbe Hofer Schlappenbier kommt bald nicht mehr aus Bayern

Kulturerbe Hofer Schlappenbier kommt bald nicht mehr aus Bayern

Fast 600 Jahre alt ist der Hofer Schlappentag. An diesem Handwerker- und Schützenfest gibt es ein spezielles Bier. Fest und Bier gehören zum immateriellen Kulturerbe in Bayern; das Bier wurde bisher in Hof gebraut. Warum - und wann - sich das ändert.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten Franken am .

Der Montag nach den Pfingstfeiertagen ist in Hof quasi Nationalfeiertag: An diesem Tag wird der traditionelle Schlappentag gefeiert, eines der ältesten Handwerker- und Schützenfeste Deutschlands. Dazu gibt es das Schlappenbier – und beides ist seit 2019 offiziell als immaterielles Kulturerbe in Bayern anerkannt. Bisher kam das speziell gebraute Bier auch aus der oberfränkischen Stadt. Doch damit ist es bald vorbei.

Hofer Scherdel-Brauerei zieht nach Sachsen

Am Dienstagabend hat die "Privilegierte Scheibenschützengesellschaft Hof", die das Fest ausrichtet, einstimmig beschlossen: 2027 kommt das Bier zum Hofer Schlappentag aus Sachsen. Man will demnach weiterhin mit der Hofer Scherdel-Brauerei zusammenarbeiten, obwohl die Braustätte der traditionsreichen Brauerei in Hof Ende 2026 geschlossen wird - und die Scherdel-Biere künftig aus Kostengründen in Neuensalz in Sachsen gebraut werden.

Der Mutterkonzern der Scherdel-Brauerei ist die Kulmbacher Brauerei AG. Kulmbacher hatte die insolvente Brauerei mit der fast 200-jährigen Braugeschichte 2003 übernommen. Im Oktober vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die Brauerei aus wirtschaftlichen Gründen den Braubetrieb am Standort Hof endgültig einstellt.

In Sachsen soll dann auch das Hofer Schlappenbier entstehen. Die Markenrechte für das spezielle Bier zum Hofer Schlappentag lägen schließlich bei der Kulmbacher Brauerei AG, so der Hofer Schützenmeister Lars Neumann auf BR-Anfrage.

Scherdel Bier freut sich auf weitere Zusammenarbeit

Kurt Unverdorben, Prokurist der Scherdel Bier GmbH & Co. KG, hat sich am Mittwoch schriftlich zu der Entscheidung geäußert. Er schreibt, der Hofer Schlappentag sei viel mehr als ein Fest – "er steht sinnbildlich für das, was Hof ausmacht: echtes Handwerk, Stolz auf die eigene Geschichte und ein starkes Miteinander." Deshalb freue es die Brauerei "außerordentlich", dass sie künftig den Hofer Schlappentag wie in den vergangenen 16 Jahren mitgestalten dürfe. Unverdorben danke den Schützen in Hof, die sich für die Fortführung der langjährigen Partnerschaft entschieden haben.

Kritik kommt vom amtierenden "Schlappenkönig"

Der amtierende Schlappenkönig Rainer Krauß, zeigt sich auf BR-Anfrage dagegen enttäuscht von der Entscheidung: "Ich hätte mir gewünscht, dass wir auch ab 2027 die Identität und die Tradition insoweit fortsetzen können, als dass wir weiterhin Bier von hier – also aus Hof – anbieten können. Ich bedaure auch, dass sich die Stadt Hof nicht in den Prozess eingebracht hat, ich hätte mir gewünscht, dass man sich für heimische Betriebe und für den Erhalt dieser Identität vor Ort einsetzt."

Hofer Brauerei wurde abgelehnt – Scherdel bis 2032

Nach dem Aus der Scherdel-Brauerei hatte sich vor einigen Wochen auch die einzig verbliebene Hofer Brauerei Meinel darum beworben, das Bier für den Schlappentag zu brauen. Doch die Schützengesellschaft wolle die Zusammenarbeit mit Scherdel fortsetzen, teilten die Schützen am Mittwoch mit. Das soll nun mindestens bis 2032 gelten, wenn der Hofer Schlappentag zum 600. Mal gefeiert wird.

Langes Brauchtum – in diesem Jahr zum 594. Mal

Der Hofer Schlappentag gilt als eines der ältesten Handwerker- und Schützenfeste bundesweit. Die "Privilegierte Scheibenschützengesellschaft Hof" ist nach dem verheerenden Überfall der Hussiten auf die Stadt Hof im Jahr 1430 als Bürgerwehr entstanden. Im Gegenzug bekamen die Hofer damals vom Markgrafen von Bayreuth zehn Jahre Steuerfreiheit und die Schützengesellschaft erhielt dazu noch die Privilegien "Braurecht und Fischereirecht".

Der Name Schlappentag leitet sich von den Holzschuhen ("Schlappen") ab, die die Handwerker damals trugen, um sich nach dem Training bei einem kühlen Bier zu erholen. Das Namensrecht liegt aber inzwischen bei der Scherdel bzw. bei der Kulmbacher Brauerei AG. Das Schlappenbier wird nach einem Geheimrezept gebraut und schmeckt malzig süß. Gekostet werden kann es in diesem Jahr – da kommt es noch einmal aus Hof – am 1. Juni beim 594. Hofer Schlappentag.

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