Landwirt Andreas Rainer mit dem zu frühgeborenen Kälbchen auf den Schultern.
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Zu früh geboren: Landwirt trägt Kalb auf den Schultern ins Tal

Zu früh geboren: Landwirt trägt Kalb auf den Schultern ins Tal

Der Geburtstermin sollte eigentlich erst in einigen Wochen sein, wenn die Kühe längst wieder zurück im Tal in ihrem Stall sind. Doch noch auf der Alm hat eine Kuh ihr Kalb bekommen – viel zu früh. Landwirt Andreas Rainer musste handeln.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Oberbayern am .

Eigentlich wollte Landwirt Andreas Rainer aus Ehrl an diesem Tag die trächtigen Kühe von der Feichtenalm im Grenzgebiet zwischen dem Chiemgau und Tirol ins Tal zurückholen. Die Geburtstermine sollten erst in einigen Wochen sein. Doch eine Kuh war schneller. Kurz bevor der Landwirt kam, hatte sie ihr Kalb bereits in steilem Gelände auf die Welt gebracht.

Weil der kleine Stier noch nicht selber stehen konnte und die Stelle so abgelegen und weit entfernt von jedem Fahrtweg war, trug ihn Andreas Rainer kurzerhand auf den Schultern zum Plateau hoch. Die Mutterkuh folgte ihm.

Kälbchen kommt an steiler Stelle am Berg zur Welt

Er sei froh, dass er die beiden rechtzeitig entdeckt habe. An dieser steilen Stelle hätte das kleine Kalb sonst schnell den Halt verlieren und den Berg hinunterkugeln können. Für die Mutter war es das erste Kalb, ihr habe wohl noch die Erfahrung gefehlt, um einen besseren Ort für die Geburt auszusuchen, vermutet der Almbauer.

Mit seinem Vater und einem Bekannten haben sie danach die Kühe gemeinsam ins Tal getrieben und sich beim Tragen des neugeborenen Kalbs abgewechselt.

40 Minuten mit 35-Kilo-Kalb auf den Schultern

Etwa 40 Minuten waren sie mit dem 35-Kilo-Kalb auf den Schultern zu Fuß unterwegs. Der Kleine sei aber sehr brav gewesen und habe das Abenteuer gut überstanden. Obwohl sie ihre Tiere jedes Jahr auf der Alm haben, kommt so ein Fall laut dem Landwirt nur selten vor. Sein Vater könne sich erinnern, dass er das letzte Mal vor 20 Jahren ein zu früh geborenes Kalb vom Berg tragen musste.

Als Almbauern müssen sie mindestens jeden zweiten Tag bei ihren Kühen am Berg nach dem Rechten schauen. Mal sei ein Unwetter, dann büxe mal wieder ein Tier aus. Heuer sei es aufgrund von Trockenheit und Wassermangel noch herausfordernder gewesen.

Traditionelle Almatrieb-Saison noch bis in den Oktober

Mit dem Herbst werden nun in den kommenden Wochen in etlichen Orten im Alpenraum die Tiere von den Bergweiden wieder ins Tal gebracht. Unten werden die Tiere an ihre Besitzer zurückgegeben. Diese Prozedur nennt man im Allgäu Viehscheid, in Oberbayern Almabtrieb. Gefeiert wird die Tradition in etlichen Orten mit eigenen Volksfesten, die Rinder werden für das Spektakel mitunter festlich geschmückt.

Bis zum nächsten Frühsommer werden die Tiere unten im Tal verbringen, bis sie dann im Mai wieder hoch auf die Alm dürfen – der kleine Stier von Landwirt Andreas Rainer wird den Weg dorthin wohl dann selbst meistern können.

Dieser Artikel ist erstmals am 11.09.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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