Zum ersten Mal hat es den Schullauf beim München Marathon jetzt am Wochenende gegeben und die Veranstalter sind bei den Anmeldungen im wahrsten Sinne überrannt worden. 3.865 Schülerinnen und Schüler von 53 Schulen aus München und dem Umland hätten mitgemacht, so die Organisatoren. Die Hälfte davon waren Grundschulklassen. Die Kinder sind einen bzw. drei Kilometer durch den Olympiapark gelaufen.
Veranstalter Fabian Schäfer, Geschäftsführer der Laufstatt Event gGmbH, ist selbst überrascht, dass so viele Kinder beim Schullauf dabei waren. "Wir sind wahnsinnig stolz, dass wir so viele Kinder und so viele Schulklassen gewinnen konnten. Damit haben wir selbst gar nicht gerechnet." Mit dem neuen Schullauf will das Marathon-München-Team den Lauf und die Bewegung von Kindern fördern.
Immer mehr Kinder in Vereinen und bei Wettkämpfen
Der Schullauf des München Marathon zeigt, was der Bayerische Leichtathletikverband (BLV) schon lange weiß: Laufen boomt – auch bei den Jüngsten. Immer mehr Kinder würden in Vereinen Sport treiben und an Wettkämpfen teilnehmen, berichtet BLV-Chef Peter Kapustin. Seien vor vier Jahren 57.500 Kinder und Jugendliche Mitglied im BLV gewesen, seien es in diesem Jahr 69.000.
Gerade nach Corona würden sich Kinder einfach bewegen wollen, sagt Kapustin. Dazu käme ein Push durch das bayerische Sportgesetz, das den Sport und die Bewegung in der Schule verankert. Das Ziel: kein Sportunterricht-Ausfall, Kooperationen von Sportvereinen und Schulen. Das Gesetz ist seit knapp einem Jahr in Kraft und hat unter anderem das Ziel, der Bewegungsarmut entgegenzuwirken sowie den Kinder- und Jugendsport in Kitas und Schulen zu stärken.
Mehr als 100.000 Kinder beim Projekt "Lauf dich fit!"
Dass Laufen ein Trend unter den Jüngsten ist, beweist das BLV-Projekt "Lauf Dich fit!". Es hat sich über die Jahre zu einem Erfolgsprojekt entwickelt. Seit 2015 haben laut BLV fast 800.000 Kinder und Jugendliche daran teilgenommen. Ziel des Projektes ist es, dass Kinder die Fähigkeit erlangen, an einer Lauf-Challenge der Schule 15, 30 oder 45 Minuten ohne Gehpausen ausdauernd laufen zu können. Belohnt werden die besten Schulen mit einer Einladung zu einer Abschlussveranstaltung. Allein dieses Jahr haben mehr als 100.000 Kinder aus ganz Bayern mitgemacht. Für nächstes Schuljahr gibt es laut BLV bereits 20.000 neue Anmeldungen.
Jedes Kind der knapp 4.000 teilnehmenden Schülerinnen und Schüler bekam eine Medaille nach dem Schullauf im Rahmen des Marathon München.
Kindersport-Experten sehen keinen Laufboom
Entgegen den Aussagen vom BLV kann Sportbiologe Thorsten Schulz vom Lehrstuhl Präventive Pädiatrie der Technischen Universität München (TUM) keinen Laufboom bei Kindern feststellen. Im Gegenteil: Die Ausdauer- und Leistungsfähigkeit der Kinder sei in den letzten Jahren schlechter geworden. "Es gibt nach wie vor die Faulen und die Fleißigen", sagt der Kindersportexperte. Das Problem sei aber, dass es nicht mehr so viele mittelmäßige Sport-Kinder gibt. Warum das so ist, wird aktuell erforscht.
Wenn Eltern laufen, laufen auch die Kinder
Ob ein Kind Sport macht, hänge stark von den Eltern ab, so Schulz. "Wenn die Eltern laufbegeistert sind, dann nehmen sie auch die Kinder mit zu den Megaevents wie München Marathon, die immer mehr Zulauf haben." Laufen und Sport allgemein seien für Kinder grundsätzlich sinnvoll, solange sie selbst motiviert sind und dabei Spaß haben. Die Kinder trainieren so Motorik, Koordination und Ausdauer.
Wettkämpfe hätten negative Auswirkungen wie zu hohen Leistungsdruck und zu viel Stress, so der Sportbiologe – aber auch Vorteile: Lust auf eigene Ziele und diese zu erreichen sowie Lernen, mit Stress und Nervosität in einem Wettkampf umzugehen.
Kinder sollten beim Sport Spaß haben
Aber der Druck von außen durch Eltern oder Trainer dürfe nicht zu groß sein, warnt Schulz. Sein Rat: mit dem Sport nicht übertreiben und auf die Entwicklung des Kinderkörpers achten. Denn je nachdem, wie intensiv Sport in jungen Jahren getrieben wird, könne er sich negativ auf den Kinderkörper und das Wachstum auswirken. Kinder seien dann verletzungsanfälliger. Der Kindersportexperte beobachtet: Fängt ein Kind früh mit Leistungssport an, hat es später als Jugendlicher keine Lust mehr und hört mit 18 Jahren auf.
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