Die Tunnelprüfer Roman Bößl und Thomas Frisch bei der Arbeit, die U-Bahn fährt mit bis zu Tempo 80 vorbei.
Die Tunnelprüfer Roman Bößl und Thomas Frisch bei der Arbeit, die U-Bahn fährt mit bis zu Tempo 80 vorbei.
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Alle drei Minuten kommt eine U-Bahn: Die Tunnelprüfer der VAG checken die Röhren bei laufendem Betrieb.
Bildrechte: BR/ Michael Reiner
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Alle drei Minuten kommt eine U-Bahn: Die Tunnelprüfer der VAG checken die Röhren bei laufendem Betrieb.

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Lebensgefahr im Minutentakt: Sie halten die U-Bahn am Laufen

Lebensgefahr im Minutentakt: Sie halten die U-Bahn am Laufen

Rund 420.000 Menschen nutzen jeden Werktag die Nürnberger U-Bahn. Sie ist die zentrale Verkehrsader der Stadt. Doch wer sorgt dafür, dass sie sicher und pünktlich ankommen, wer hält die U-Bahn am Laufen? Ein Blick dorthin, wo sonst niemand hindarf.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Es ist eng im Nürnberger U-Bahn-Tunnel zwischen den Stationen Plärrer und Rothenburger Straße. Im Dreiminutentakt fahren die Züge vorbei - mit bis zu Tempo 80. Gerade mal 70 Zentimeter Platz zwischen Betonwand und Bahn bleiben für die Tunnelprüfer Roman Bößl und Thomas Frisch. Dann heißt es: Rücken zur Wand und Bauch einziehen. "Züge von vorn und von hinten, alles nicht ungefährlich", sagt Bößl. Dazu kommt die Stromschiene am Boden mit 750 Volt Gleichspannung.

Wasser greift den Stahlbeton an

Die Projektingenieure leuchten mit ihren Taschenlampen die Wände ab. "Wir schauen nach Betonabplatzungen und ob die Bauwerksfugen dicht sind." An einer Stelle bemerken sie einen Wassereindrang. Der ist so heftig, dass er in den kommenden vier Wochen saniert werden muss. Dabei wird in die undichten Stellen Kunstharz eingepresst. Denn die Feuchtigkeit würde sonst den Stahl im Beton angreifen, die Stabilität würde leiden. Pro Jahr kostet die Reparatur der U-Bahn-Strecken rund drei Millionen Euro.

Täglich werden zehn Züge gewartet

Von der Arbeit der Menschen, die die U-Bahn am Laufen halten, bekommen die Fahrgäste quasi nichts mit. Wenn die Türen nicht schließen – die häufigste Störung –, merken es die Leute jedoch sofort. Dann muss der Zug in die Werkstatt. Auf dem Gelände in Nürnberg-Langwasser werden rund um die Uhr Züge gewartet - täglich mindestens zehn. 170 Menschen arbeiten hier. Es muss schnell gehen. Denn alle Züge werden gebraucht, um den Fahrplan einzuhalten.

Die Tücken der Türautomatik

Ärger mit den Türen gibt es oft, wenn jemand versucht hat, sich noch in letzter Sekunde hineinzuquetschen. Die Techniker überprüfen, ob der Sicherheitsmechanismus gestört wurde. Dazu stecken sie einen einige Zentimeter dicken Metallklotz zwischen die Türen. Der simuliert einen Kinderarm. Die Türen gehen zu, dürfen aber nicht schließen. "Das wurde super erkannt, die Fahrgäste sind sicher", sagt Mechaniker Tom Bachmann.

Vandalismus kostet viel Geld

Zwei Stockwerke weiter oben entfernt Sattler Jens Bethke den roten Stoffbezug von einem Sitzpolster. Jemand hat ihn offensichtlich mit einem Cuttermesser zerschlitzt. "Das ist sehr frustrierend", sagt er. "Es ist schade, dass die Sachen nicht pfleglich behandelt werden." Normalerweise halten die Sitzbezüge acht Jahre. Das Reparieren ist teuer. Rund 150.000 Euro kostet die VAG jedes Jahr der Vandalismus.

Die Nürnberger machen fast alles in Eigenregie

In der Montagehalle ist beim Austausch der Drehgestelle Muskelkraft gefragt. Eines wiegt sieben Tonnen. Daniel Huth und sein Kollege schieben es unter den aufgebockten Zug. "Alle acht Jahre nach rund 1,1 Millionen Kilometern werden sie gewechselt", sagt Huth. Während andere Verkehrsbetriebe viel extern reparieren lassen, machen die Nürnberger fast alles selbst. Das spart Geld und verkürzt die Ausfallzeiten der Züge.

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Vibrierende Räder: laut und unangenehm

Wie beim Autoreifen nutzen sich auch die Räder der Züge ungleichmäßig ab. Am Computer kann Thomas Stellwag den Verschleiß genau erkennen. Ist der kritische Wert erreicht, schickt der Vorarbeiter für Antriebstechnik den Zug auf den Unterflur-Drehstand. Wenn das Rad nicht exakt rund ist, dann kann es zu Vibrationen kommen. "Bei 80 Stundenkilometern ist das sehr unangenehm für den Fahrgast", sagt Dreher Thomas Winter. Außerdem wird es auch für die Anwohner laut.

Fräsmaschine sorgt für leise Gleise

Räder und Gleise müssen gut zusammenpassen, damit es nicht rumpelt und quietscht. Einmal im Jahr gibt deshalb eine Fräsmaschine den Gleisen wieder ein optimales Profil. Gearbeitet wird nachts. Maschinenführer Daniel Vidra vergleicht das Fräsen mit dem Stopfen von Schlaglöchern auf der Straße: "Die will man ja auch ausbessern, damit Fahrkomfort und Sicherheit wieder gegeben sind."

In dieser Nacht ist die Fräse an der Bauernfeindstraße unterwegs. Hier geht’s um die Kurve. Deshalb sind die Gleise besonders beansprucht. Norbert Eckert leitet den Gleisbau bei der VAG. Er spricht wohl für alle, die Nürnbergs U-Bahn am Laufen halten: "Die meisten von uns sind von hier. Sie und ihre Liebsten nutzen die U-Bahn tagsüber selbst. Da hat man natürlich den Anspruch, dass man das, was man tut, auch gut macht."

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