An schnelle Lieferung haben sich die Kunden längst gewöhnt, wenn sie bei Handelsriesen bestellen. Doch wer sind die Menschen dahinter? Kontrovers – Die Story hat sie begleitet.
An schnelle Lieferung haben sich die Kunden längst gewöhnt, wenn sie bei Handelsriesen bestellen. Doch wer sind die Menschen dahinter? Kontrovers – Die Story hat sie begleitet.
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An schnelle Lieferung haben sich die Kunden längst gewöhnt, wenn sie bei Handelsriesen bestellen. Doch wer sind die Menschen dahinter?
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An schnelle Lieferung haben sich die Kunden längst gewöhnt, wenn sie bei Handelsriesen bestellen. Doch wer sind die Menschen dahinter?

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Logistik-Wahnsinn Paket: Das passiert, wenn wir bestellen

Logistik-Wahnsinn Paket: Das passiert, wenn wir bestellen

Ein Klick, morgen ist das Paket da: Daran haben sich Kunden längst gewöhnt, wenn sie bei den Handelsriesen bestellen. Damit das klappt, zählt jede Sekunde. Doch wer sind die Menschen dahinter? Kontrovers - Die Story hat sie begleitet.

Über dieses Thema berichtet: Kontrovers am .

Wohin Felice Iannone schaut: Überall stapeln sich Pakete. Er ist Paketzusteller bei DHL, beginnt gerade seine Schicht. Doch bevor es auf die Straße geht, muss er die Pakete für seinen Zustellbereich - das Münchner Bahnhofsviertel - in den Transporter einladen.

In den letzten 25 Jahren hat er ein System entwickelt: Im Transporter werden lediglich die Pakete für die erste Straße perfekt sortiert. Der Rest kommt, wie es kommt und passt. "Du weißt ja nicht, was von da oben alles runterkommt", sagt Felice mit Blick auf das Förderband.

Heute mehr Pakete als früher?

Rund 150 Stück muss Felice heute zustellen. Kontrovers - Die Story begleitet ihn. Das Paketgeschäft war immer groß, sagt Felice – auch zu Zeiten von Neckermann- und Quelle-Katalog. Aber so richtig gespürt habe er den Boom erst in der Coronazeit. Seitdem sei das Volumen nochmal explodiert. Die Leute seien "gemütlicher geworden".

Kontrovers - Die Story im Video: Logistik-Wahnsinn Paket

Was sich allerdings nicht geändert hat: Nicht immer öffnet jemand die Tür. "Ich tue mein Bestes, um es loszubekommen", sagt er. Ein nicht zugestelltes Paket ist deutlich mehr Arbeit. Also klingelt Felice bei Nachbarn, hinterlässt Paket und einen Zettel – und fährt weiter.

90.000 Pakete - Trödeln ist nicht drin

Während Felice die engen Münchner Gassen abfährt, herrscht in einem Nürnberger Amazon-Verteilzentrum Ausnahmezustand: Fast 90.000 Pakete müssen heute raus – verteilt auf zehn sogenannte Wellen im 20-Minuten-Abstand. Schichtleiter Florian Schmidt spricht in "Kontrovers - Die Story" von einem Rekordvolumen. Worst Case: ein Maschinenausfall.

Doch auch wenn Mitarbeiter nicht schnell genug arbeiten, gerät der Zeitplan in Gefahr: "Wenn wir nicht rechtzeitig bereitstellen, heißt das für uns, dass der Fahrer nicht genug Zeit hat, um die Ware zu beladen und dann zieht sich das alles wie ein Rattenschwanz hinterher." Florian ist unzufrieden, treibt die Mitarbeiter an: "We are very slowly … come on! Be a superhero, okay?"

Amazon setzt auf maximale Effizienz

Vor der Lagerhalle wartet nur wenige Minuten später die Kolonne an Zustellfahrzeugen: 35 Transporter bilden allein diese erste Welle. In jeder Welle müssen die Zusteller ihre Fahrzeuge binnen 15 Minuten beladen und abfahren. Nicht immer haut das hin: Hängt ein Zusteller hinterher, blockiert er die hinter ihm stehenden Fahrzeuge. Dann greift Florian ein: Er zieht Zusteller samt Fahrzeug aus der Kolonne raus, auf den sogenannten "Rescue Spot". 

Amazon selbst beschäftigt keine eigenen Zusteller, sondern arbeitet mit Subunternehmen. Gewerkschaften kritisieren dieses Modell seit Jahren. Es könne Tarifregelungen bei Arbeitszeit und Gehalt unterlaufen. Amazon verweist darauf, von seinen Partnerfirmen die Einhaltung geltender Gesetze zu verlangen.

Heute haben diese Zusteller alle 90.000 Pakete auf den Weg gebracht.

Felice Iannone: "Was ich gebe, bekomme ich zurück."

Draußen Regen, drinnen unzählige Treppen: Da sind nette Nachbarn, die Pakete annehmen. Gold wert für Felice. Viele kennt er schon lange – und sie ihn. Da nimmt er auch schon mal die Zeitung von unten mit hoch in den Altbau, um der älteren Dame den Weg zu ersparen. Sie nimmt dafür das Paket an. "Ich habe meine Kunden gut erzogen", witzelt Felice und lacht.

Die Arbeit macht ihm Spaß, sagt er, er brauche den Kontakt mit den Leuten. Und als Paketzusteller kommt er regelmäßig vorbei, bekommt viel mit: Von Liebesdramen erzählt er der Kontrovers-Story, oder von zerbrochenen Ehen.

"Die Leute vertrauen sich mir schon an, muss ich sagen. Auch traurige Dinge. Das lieben die Kunden, wenn wir ihnen auch ein bisschen Zeit widmen können." Felice Iannone, DHL-Paketzusteller

Heute kann Felice fast alle Pakete zustellen. Seine Bilanz: Der Tag hat ihn sehr bereichert. Er habe den Leuten etwas Gutes getan – das sei auch für ihn eine Freude. "Für mich muss der Feierabend einen Sinn haben. Der muss mir auch Müdigkeit geben. Dann weiß ich ja, was ich gemacht habe. Und dann freut man sich auf einen schönen Feierabend." Anstrengend, aber lohnenswert. Ein Bürojob käme für Felice nicht infrage: "Mit 70 werde ich noch die Pakete austragen."

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