München: Der Kabarettist Django Asül spricht auf der Bühne im Hofbräuhaus beim Maibockanstich.
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Maibockanstich: "Limbo-Fritz", Brechreiz und Standing Ovations

Maibockanstich: "Limbo-Fritz", Brechreiz und Standing Ovations

Nach dem Nockherberg ist vor dem Maibock: Beim Starkbieranstich im Hofbräuhaus geht das Politiker-Derblecken weiter. Festredner Django Asül sorgt für Lacher, aber auch Raunen im Saal. Kabarettistin Kathi Wolf bringt die feministische Perspektive ein.

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Es ist wohl weniger der Maibock mit seinem Alkoholgehalt von immerhin 7,2 Prozent als die Rede von Kabarettist Django Asül, die den Politikerinnen und Politikern beim traditionellen Maibockanstich zusetzt. Deftig, gepfeffert, aber mit der nötigen Prise Humor serviert Asül seine Witze dem Publikum im Münchner Hofbräuhaus. Der als "kleine Schwester" der Starkbierprobe am Nockherberg bekannte Maibockanstich steht seinem Vorbild in nichts nach, stimmt die Derbleckten aber dennoch versöhnlicher.

Maibockanstich ohne Söder

Dabei ist einer, der traditionell die meisten Watschn abbekommt, in diesem Jahr gar nicht dabei: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lässt sich aufgrund der Koalitionsgespräche in Berlin entschuldigen. Trotzdem gibt es die ein oder andere Spitze gegen ihn. Asül erinnert an ein Spiegel-Interview vor fünf Jahren (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt). Damals, als Söder sich noch nicht mit Schlachtplatte oder Bratwurst im Netz präsentierte, sondern vor laufenden Kameras einen Baum umarmte, habe der Ministerpräsident in Schwarz-Grün einen "ganz großen Reiz" gesehen. Vermutlich habe er bloß vergessen, zu erwähnen, welchen Reiz er meinte: Brechreiz? Würgereiz?

Mit Blick auf die vielen Zugeständnisse an die SPD bei den Koalitionsverhandlungen nennt Asül CDU-Chef Friedrich Merz einen "Weihnachtsmann". Söder sei in diesem Szenario ganz klar "der Krampus". Zum Thema Koalitionsverhandlungen fällt Asül noch etwas ein: Erst habe Merz "Rambozambo" angekündigt, nur um seine Messlatte immer weiter zu unterbieten. "Aus dem Rambo-Merz ist längst der Limbo-Fritz geworden", sagt Asül. Im Saal ertönt schallendes Gelächter.

Der Zahlmeister der Republik

Asül ist im Derblecken kein Neuling, er weiß, wonach das bayerische Publikum giert. Dem Länderfinanzausgleich widmet er gleich mehrere Minuten und triff damit tief ins weiß-blaue Herz. "Deutschland ist ein anderer Kulturkreis als Bayern. Bei uns weiß man: Von nichts kommt nichts. In Berlin weiß man: Aus Bayern kommt der Länderfinanzausgleich", spöttelt Asül.

Überhaupt seien die Bundesfinanzen in "ähnlicher Verfassung wie die Carolabrücke in Dresden". Trotzdem müsse man mitansehen, wie in Berlin aus Milliarden Billionen würden. Im Freistaat wisse man: Eins und eins ergibt zwei. In der Hauptstadt laute die Rechnung: "Null und null ergibt zehn", kritisiert Asül und setzt seine Pointe: Bayerns Finanzminister und Hofbräuhaus-Hausherr Albert Füracker (CSU) würde sich angesichts der Lage die Haare raufen. Wenn er noch genügend hätte.

Aiwanger "gestrandet", Baerbock hat keine Zeit für die Familie

Ähnlich wie beim Nockherberg bekommt Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) diesmal vergleichsweise wenig ab. "Hubert, vor und nach der Landtagswahl hast du es gewaltig übertrieben. Und prompt habe ich es mit dir beim letzten Maibock auch übertrieben", ruft Asül. Danach sei Aiwanger dezenter aufgetreten. Mit "niederbayerischer Demut" habe er bei der Bundestagswahl eine "Bauchlandung" hingelegt: "Auf dem Durchmarsch nach Berlin kurz vor Regensburg gestrandet."

Dafür rechnet Asül mit einigen Ampel-Politikern ab: Der scheidende Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) habe, ähnlich wie Angela Merkel, umfassende Memoiren veröffentlichen wollen. "Herr Scholz, bei aller Liebe: 700 Seiten bei Ihren Gedächtnislücken?" Grünen-Politikerin Annalena Baerbock muss sich Kritik dafür gefallen lassen, dass sie aus Rücksicht auf die Familie keine führende Rolle in der Partei einnimmt – jedoch Präsidentin der UN-Generalversammlung in New York werden will. "Durch den Zeitunterschied hat sie mehr Zeit für die Kinder", schließt Asül bissig.

Kathi Wolf macht Männern als Wirtshaus-Kellnerin eine Ansage

Schlagkräftige Unterstützung beim Derblecken gibt es von Kabarettistin Kathi Wolf. Sie mimt die Hofbräuhaus-Kellnerin mit losem Mundwerk und frechen Sprüchen. Während Asül auch vor Späßen über Äußerlichkeiten nicht zurückschreckt (Saskia Esken sei die Heidi Klum der SPD, allerdings nicht bei der Ästhetik, Dorothee Bär wolle hoch hinaus, was man an ihren hohen Schuhen erkenne), dreht Wolf den Spieß auf charmante Weise um: Eine Wahl sei kein Beautycontest, wie Söder kürzlich betonte. "Wir Frauen schauen schon auf Inhalte, nur wenn da nichts kommt, dann nehmen wir die Optik."

Auch im Wirtshaus zeige sich die Stärke der Frauen, betont Wolf und berichtet von Kellnerinnen, die bis zu 16 Bierkrüge stemmen. "Gut, ich will ehrlich sein", fügt sie hinzu, als Frau habe man einen Wettbewerbsvorteil: "Ein Kellner hat zwei Hände, eine Kellnerin zwölf, davon zehn am Hintern."

Standing Ovations für Asül

Auch wenn sie an der ein oder anderen Stelle durch den Kakao gezogen wurden: Die Derbleckten wirken am Ende deutlich versöhnter als nach der Fastenrede auf dem Nockherberg. Viele erheben sich zum Applaus. Vielleicht ist es das Starkbier, vielleicht ist es auch die umfassende Kritik an der Ampel (mit Ausnahme der FDP), die das bayerische Publikum besänftigt hat, Gastgeber Füracker erklärt jedenfalls zufrieden: "So muss das Derblecken sein."

Im Video: Traditioneller Maibockanstich im Münchner Hofbräuhaus

Kathi Wolf als Hofbräuhaus-Kellnerin
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Kathi Wolf als Hofbräuhaus-Kellnerin

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