Sie sind quasi die rechte Hand des Pfarrers, helfen bei der Kommunion, gestalten Gottesdienste mit, planen Gemeindefeste und stehen in Kontakt mit katholischen Einrichtungen vor Ort: die Pfarrgemeinderäte. Am Sonntag finden in Bayern die Wahlen für die Pfarrgemeinderäte in rund 3.800 katholischen Gemeinden statt. Wahlberechtigt sind in der Regel alle Katholikinnen und Katholiken ab 14 Jahren, gewählt werden können Kandidaten ab 16 Jahren.
Doch in Zeiten, in denen die katholische Kirche immer mehr an Mitgliedern verliert: Wer stellt sich da noch zur Verfügung für das Ehrenamt des Pfarrgemeinderats?
Katholische Kirche - Für Engagierte nicht nur "irgendein Verein"
Für Hans Schwarzer war klar: Er kandidiert. Seit 16 Jahren ist er mittlerweile im Pfarrgemeinderat im oberbayerischen Glonn. Seit seiner Jugend ist der IT-Berater in der katholischen Kirche aktiv, angefangen hat er als Ministrant. Er schätzt an der Arbeit im Pfarrgemeinderat, dass er hier eigene Ideen einbringen und im besten Fall dann auch umsetzen kann - so wie etwa die Smartphone-Sprechstunde für Senioren, die es seit kurzer Zeit in der Gemeinde gibt und in der Studentinnen und Studenten älteren Menschen mit dem Smartphone helfen.
Für Hans Schwarzer ist die katholische Kirche nicht irgendein Verein. Für den 52-jährige IT-Berater sind es die christlichen Werte wie Nächstenliebe, die für ihn den Unterschied ausmachen. Allerdings sagt Schwarzer auch: Vieles hänge in der katholischen Kirche von den Hauptamtlichen ab. "Ich sage mal, es muss halt zusammenpassen, diese Zusammenarbeit von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen." In seiner Gemeinde in Glonn sei es noch ein Stück "heile Welt", wie Schwarzer sagt. "Andere tun sich da bedeutend schwerer, weil einfach nicht so dieses Miteinander ist, sondern vielleicht eher Gegeneinander."
Nicht alle Gemeinden finden genug Kandidatinnen und Kandidaten
Insgesamt 6.000 Menschen haben sich für die Wahl allein im Erzbistum München und Freising als Kandidatinnen und Kandidaten gemeldet – für insgesamt 5.000 Plätze in den dortigen 725 Kirchengemeinden. Doch nicht in jeder Pfarrgemeinde haben sich genügend Freiwillige gefunden. In kleineren Gemeinden waren mindestens vier, in größeren mindestens sechs Freiwillige erforderlich – etwa 20 Pfarreien etwa im Erzbistum München und Freising ist dies nicht gelungen nach Angaben der Pressestelle. In diesen Gemeinden findet keine Wahl statt. Ein Jahr später kann eine Nachwahl anberaumt werden. Scheitert diese erneut, weil sich nicht genügend Interessierte finden, bleibt der Pfarrer vor Ort ohne Unterstützung.
Um im Vorfeld sicherzustellen, dass sich genügend Freiwillige aufstellen lassen, haben die sieben Bistümer in Bayern bereits im Sommer eine gemeinsame Plakatkampagne gestartet, um neue Pfarrgemeinderäte zu finden - so wie Evelyn Höffe.
Erst vor dreieinhalb Jahren ist die frühere Musiklehrerin nach vielen Jahren in Tübingen wieder nach München gezogen. Mit der katholischen Kirche hatte sie bis dahin so gut wie nichts zu tun - eher im Gegenteil. "Ich hab öfter schon gesagt, jetzt trete ich aus." Zum Beispiel, wenn ein Papst wieder einmal gesagt habe, dass Frauen nur für den Blumenschmuck in der Kirche zuständig seien.
"Hier kannst du hinkommen und jeder begrüßt dich"
Eher durch Zufall kam sie in Kontakt mit der Kirchengemeinde im Münchner Uni-Viertel - und fand gleich Anschluss. Kirche ist für sie vor allem ein sozialer Treffpunkt. "Ob lang, ob dick - das ist vollkommen wurscht. Hier kannst du hinkommen und jeder begrüßt dich. Und das finde ich sehr schön", sagt sie. Deswegen zögerte Evelyn Höffe auch nicht lange, als sie gefragt wurde, ob sie bei der Wahl zum neuen Pfarrgemeinderat kandidieren würde. Einsamen Menschen wieder soziale Kontakte verschaffen, gemeinsame Zeit verbringen – das ist das, was Evelyn Höffe selbst in der Kirche erfahren hat und was sie künftig im Pfarrgemeinderat anderen weitergeben will.
Auch wenn die katholische Kirche sich zunehmend schwertut, ihre Mitglieder zu halten und Ehrenamtliche zu finden: Für Kandidaten wie Hans Schwarzer aus dem oberbayerischen Glonn und Evelyn Höffe aus München gibt es nach wie vor genug Gründe für eine Mitarbeit im Pfarrgemeinderat.
Transparenzhinweis: In einer früheren Fassung des Texts bezog sich die Anzahl der Kandidierenden auf ganz Bayern. Die angegebenen Zahlen beziehen sich allerdings allein auf das Erzbistum München und Freising. Wir haben dies im Text korrigiert.
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