Ein Notarzt-Wagen steht am Steinberger See in der Oberpfalz.
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Viele tödliche Badeunfälle passieren laut Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Seen und Flüssen.
Bildrechte: BR/Marcel Kehrer
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Viele tödliche Badeunfälle passieren laut Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Seen und Flüssen.

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Mehr Badetote in Bayern – entgegen dem Bundestrend

Mehr Badetote in Bayern – entgegen dem Bundestrend

Bundesweit sinkt die Zahl der Badetoten – doch Bayern entwickelt sich gegen den Trend. Vor allem bei Kindern und jungen Männern steigen die Zahlen. Experten geben Hinweise, warum ausgerechnet im Freistaat mehr Menschen im Wasser sterben.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Ein Sommertag im Juli 2025 am Eibsee. Touristen fahren Tretboot, Familien sitzen am Ufer, die Zugspitze ragt über dem See. Dann passiert das, was bald darauf ganz Bayern bewegt: Ein sechsjähriger Junge fällt ins Wasser. Sein Vater springt sofort hinterher. Beide verschwinden in der Tiefe des Sees. Erst viele Tage später werden Vater und Sohn aus über 20 Metern Tiefe tot geborgen.

Nur wenige Wochen später erschüttert ein weiterer Badeunfall Bayern: Zwei kleine Schwestern gehen in einem Badesee bei Schweinfurt unter. Helfer versuchen noch, die Kinder zu retten – vergeblich.

Zwei tragische Unglücke. Zwei Beispiele, die für einen Trend stehen, der Experten Sorgen macht.

Mehr tödliche Badeunfälle in Bayern

84 Menschen sind im vergangenen Jahr in bayerischen Gewässern ertrunken – in Seen, Flüssen, Kanälen, Bächen oder Schwimmbädern. Das teilte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Dienstagvormittag in München mit. Das sind 14 mehr als im Jahr zuvor.

Damit entwickelt sich Bayern entgegen dem bundesweiten Trend: In ganz Deutschland sank die Zahl der Badetoten 2025 auf 393 Menschen – 18 weniger als im Jahr davor.

Höchster Stand seit Jahren

Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt: Der neue Wert liegt deutlich über dem Niveau der letzten Zeit. 2024 registrierte die DLRG 70 Badetote in Bayern, 2023 waren es 62, 2021 60. Mit 84 Todesfällen erreicht Bayern nun wieder ein Niveau, das zuletzt häufiger vor der Pandemie zu sehen war. Vor 2020 lag die Zahl regelmäßig zwischen rund 85 und 95 Todesfällen pro Jahr.

Für die Rettungsschwimmer ist die Entwicklung ein Warnsignal – auch wenn sie langfristig Schwankungen unterliegt. Solche Schwankungen sind bei Badeunfällen nicht ungewöhnlich. Schon einzelne Unglücke können die Statistik eines Jahres deutlich verändern.

Warum der Trend in Bayern anders ist

Warum Bayern gegen den Bundestrend läuft, lässt sich laut DLRG nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen.

Ein wichtiger Faktor sind die vielen natürlichen Badegewässer im Freistaat. Die meisten tödlichen Badeunfälle passieren in der freien Natur – also in Seen, Flüssen oder Kanälen. Dort gibt es oft keine Aufsicht durch Rettungsschwimmer. Seen und Flüsse gelten als deutlich gefährlicher als Schwimmbäder, weil dort Strömungen, kaltes Wasser oder steil abfallende Ufer unterschätzt werden können. Tatsächlich zeigt die Statistik für 2025 eine deutliche Verschiebung: Die Zahl der Ertrunkenen in bayerischen Seen hat sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt, während sie in Flüssen nur leicht zurückging.

Hinzu kommt ein Problem, das Rettungsschwimmer seit Jahren beobachten: Viele Kinder können nach der Grundschule nicht sicher schwimmen. Gleichzeitig überschätzen sich gerade junge Männer häufig im Wasser.

Besonders viele junge Opfer

Auffällig ist vor allem ein Anstieg bei Kindern und jungen Menschen. Sechs Kinder bis zehn Jahre starben 2025 in Bayern beim Baden – im Jahr zuvor war es ein Kind. Bei den 11- bis 20-Jährigen stieg die Zahl von einem auf acht Todesfälle. Auch bei den 21- bis 30-Jährigen gab es einen leichten Anstieg: elf statt zehn Tote.

Auch bundesweit registriert die DLRG bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen elf und 30 Jahren mehr tödliche Badeunfälle als im Vorjahr.

Die meisten Badetoten sind Männer

Ein weiteres Muster zeigt sich seit Jahren: Die meisten Badetoten sind männlich. Gerade bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern spielten Übermut und Selbstüberschätzung eine große Rolle. Auch Alkohol kann zu solchen Unfällen beitragen.

Was helfen soll: Mehr Aufklärung und Schwimmunterricht

Für die DLRG ist klar: Viele Unglücke ließen sich vermeiden. Die Rettungsorganisation fordert deshalb mehr Aufklärung über Gefahren beim Baden und mehr Schwimmunterricht für Kinder. Denn wer sicher schwimmen kann und Risiken kennt, gerate deutlich seltener in lebensbedrohliche Situationen im Wasser.

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