Bayern gilt eigentlich als wasserreiches Land. Um ausreichend Trinkwasser hat man sich hier lange wenig bis gar keine Sorgen gemacht. Doch das ändert sich allmählich mit dem Klimawandel, der auch im Freistaat zu sinkenden Grundwasserständen führt (externer Link). Immer wieder kommt es deshalb zu Protesten, wenn Mineralwasserhersteller große Mengen Grundwasser entnehmen wollen.
Für Empörung sorgt auch, dass die Firmen das knapper werdende Gut in Bayern bisher noch kostenlos entnehmen und weiterverkaufen dürfen. Das allerdings dürfte sich bald ändern. Denn im Dezember 2025 hat der Landtag das Bayerische Wassergesetz reformiert. Die wichtigste Änderung: Ab Juli 2026 müssen größere Entnehmer auch in Bayern eine Abgabe fürs Grundwasser zahlen - den sogenannten Wassercent. Entnahmen von mehr als 5.000 Kubikmeter im Jahr werden dann zehn Cent pro Kubikmeter kosten. In 13 anderen Bundesländern gibt es eine solche Abgabe schon.
Konflikte ums Grundwasser nehmen zu
Streit um die Grundwasserförderung von Mineralwasser-Herstellern gibt es aktuell etwa im Landkreis Traunstein. Dort will der bayerische Marktführer beim Mineralwasser, Adelholzener, seine Wasserrechte im Bergener Moos bis 2050 verlängern. Eine örtliche Bürgerinitiative befürchtet, dass das Unternehmen mehr Wasser entnimmt als nachhaltig ist. Sie fordert deshalb, dass der Firma nur etwa die Hälfte der beantragten Menge genehmigt wird.
Und da ist der Fall Altmühltaler in Treuchtlingen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen: Auch dort will Altmühltaler, das mittlerweile zu Aldi Nord gehört, seine Wasserrechte verlängern. Und auch dort hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die Angst hat, dass die Firma der Stadt das Wasser abgräbt. Sie fordert, dass Altmühltaler für die Entnahmen eine Abgabe an die Stadt zahlt.
Es ist unwahrscheinlich, dass alle diese Forderungen erfüllt werden. Aber eines haben die Proteste bereits erreicht: Die Zuständigen vor Ort schauen inzwischen sehr genau hin, wenn Mineralwasser-Unternehmen große Mengen Grundwasser entnehmen wollen. Die Gemeinde Bergen etwa hat eigens einen externen Gutachter beauftragt, um Adelholzeners Antrag unter die Lupe zu nehmen.
Wie viel entnehmen die größten Mineralwasserunternehmen?
Aber: Welche Mineralwasserhersteller dürfen in Bayern eigentlich große Mengen Grundwasser fördern? Und wie viel entnehmen diese Firmen tatsächlich? Der BR hat diese Daten über Wochen aufwändig recherchiert – denn eine zentrale Datenbank mit Wasserrechten gibt es im Freistaat bisher nicht. Die Journalistinnen des BR mussten die Daten daher einzeln bei den 17 zuständigen Landkreisen abfragen. (Mehr zu unserem Vorgehen finden Sie im Methodik-Teil weiter unten.) Mit der Reform des Wassergesetzes dürfte auch das bald leichter werden. Denn damit wird nun auch in Bayern ein digitales Wasserbuch mit allen Rechten und Entnahmen verpflichtend.
Wieviel Grundwasser bekommen große Mineralwasserunternehmen?
Mineralwasser ist besonders gut geschütztes Grundwasser
Damit ein Wasser als Natürliches Mineralwasser verkauft werden darf, muss es nach der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung (externer Link) amtlich als solches anerkannt werden. Das wird es nur, wenn es aus einem unterirdischen, vor Verunreinigung geschützten Wasservorkommen stammt, natürlich rein ist und bestimmte Mineralien und Spurenelemente enthält.
Natürliches Mineralwasser kommt daher üblicherweise aus dem Tiefengrundwasser – also aus Grundwasservorkommen, die besonders gut geschützt unter der Erde liegen und in denen sich das Wasser nur langsam erneuert. Das langsame Versickern des Wassers sorgt dafür, dass Schadstoffe gut rausgefiltert und Mineralien aufgenommen werden können.
Gerade weil Tiefengrundwasser so wertvoll ist, ist es in Bayern als "eiserne Reserve" besonders geschützt (externer Link). In Krisenfällen soll die Bevölkerung darauf zugreifen können. Tiefengrundwasser darf daher nur genutzt werden, wenn es vor Ort keine Alternative gibt oder es gerade wegen seiner Beschaffenheit genutzt werden soll – also zum Beispiel, weil es besonders gut schmeckt und mineralstoffreich ist.
Mineralwasserfirmen machen nur kleinen Teil der Entnahmen aus
Aus den recherchierten Daten lässt sich allerdings nicht ablesen, wie viel des entnommenen Grundwassers Tiefengrundwasser ist. Denn im Wasserrecht wird nicht zwischen oberflächennahem und Tiefengrundwasser unterschieden. Und einige Unternehmen entnehmen neben Tiefengrundwasser auch oberflächennahes Grundwasser: etwa, um damit Limonade herzustellen, Flaschen zu spülen oder Maschinen zu reinigen.
Zudem muss man sagen: Insgesamt betrachtet sind Mineralwasser-Unternehmen nur für einen sehr kleinen Teil der Grundwasser-Entnahmen in Deutschland verantwortlich. Im Jahr 2022 (dem letzten, für das es Zahlen gibt) entfielen auf die Gewinnung natürlicher Mineralwässer und die Herstellung von Erfrischungsgetränken 0,5 Prozent. Der mit Abstand größte Teil des entnommenen Grundwassers (63 Prozent) fließt in die öffentliche Wasserversorgung. Etwa 12 Prozent entnimmt das verarbeitende Gewerbe und knapp 16 Prozent der Bergbau. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.
Konflikt um Adelholzener und Altmühltaler bald beigelegt?
Sowohl im Fall Altmühltaler als auch bei Adelholzener zeichnet sich inzwischen übrigens eine vorsichtige Entspannung ab. In Treuchtlingen soll Altmühltaler künftig Wasser aus einer anderen Schicht entnehmen, in der sich das Grundwasser schneller erneuert. Und im Fall Adelholzener hat das Landratsamt in Traunstein bereits zugesagt, das Landesamt für Umwelt am Genehmigungsverfahren zu beteiligen – weil dort bayernweit die meiste Expertise zum Thema Grundwasser zusammenfließt. Damit ist eine der zentralen Forderungen der Bürgerinitiative erfüllt.
Transparenzhinweis (4.2.2026, 15.30 Uhr): In einer früheren Version des Textes stand, dass die Grundwasser-Entnahmen von Mineralwasserfirmen 0,18 Prozent, die der Energieversorgung rund 40 Prozent und die des verarbeitenden Gewerbes rund 22 Prozent an der insgesamt entnommenen Menge in Deutschland ausmachen. Das haben wir korrigiert. Der größte Teil (63 Prozent) fließt in die öffentliche Wasserversorgung. Etwa 12 Prozent entnimmt das verarbeitende Gewerbe, knapp 16 Prozent der Bergbau, auf die Gewinnung natürlicher Mineralwässer und die Herstellung von Erfrischungsgetränken entfallen 0,5 Prozent. Die Energieversorgung machte 2022 nur einen kleinen Teil an den Grundwasserentnahmen aus – 1,42 Prozent.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
